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Feindbilder

Was Menschen zusammenschweißt, sind oft Feindbilder. Der Feind meines Feindes ist mein Freund ist ein altbewährter Grundsatz. Dabei sind die Gründe dafür, warum jemand/ etwas ein Feind ist, so vielfältig wie Menschen, die Feinde haben. Wobei der Begriff „Feind“ oft etwas zu hart ist. Sündenböcke, Antagonisten, Pechvögel, Randgruppen und immer wieder beliebt die Vertreter des Neuen. Das sind die vermeintlichen Teufel gegen sich die Allgemeinheit einschwören kann. Nichts hilft besserüber den Frust, die Fehler und das Grau des eigenen Alltags hinweg, als wenn man mit den Bekannten und Freunden, den Kneipenkollegen und Friseusenüber die aktuellen Feindbilder lästern kann. Ganz aktuell in der Topliste ist die GDL und deren Mitglieder. Sie streiken für mehr Lohn und bessere Arbeitsverhältnisse. Dabei spielen die Forderungen und Verhältnisse eine untergeordnete Rolle. Das wichtigste an dem Streik ist der Streik an sich. Alleine das ist ein Ärgernis. Sie verursachen Komplikationen, sie brechen aus ihrer Ordnung aus und die Menschen müssen sich darauf einstellen. Selbst wenn sie einen Stundenlohn von 25 Cent hätten, wären die Deutschen, die sich darüber aufregen, jetzt genauso sauer. Es geht nicht um die Verhältnismäßigkeit der Forderungen, sondern dass sie den Widerspruch vagen. Nonkonformisten! Ketzer! Hexe, Hexe! Die französische Lokführer Gesellschaft in Sympathie und Eigenmotivation von Mittwoch Abend bis Freitag Morgen gestreikt. Für so etwas wären sie wahrscheinlich hier entweder gekreuzigt oder wegen Landesverrats angeklagt worden. Ich weiß allerdings nicht, woran es liegt, dass sich die Wut des Volkes immer am Volk entlädt. Zwar lästert und schimpfen vieleüber die Politik und ihre gewählten Vertreter (wobei die SPD komischerweise immer mehr abbekommt als die CDU), aber es erinnert eher an ein gleichbleibend monoton-politikverdrossenes Gebrabbel. Richtig aufgeregt wird sich,über die Menschen, die versuchen etwas an der Situation zuändern. Die für ihre Sache kämpfen. Ob gerechtfertigt oder nicht, an ihnen entlädt sich auch der geballte Frustüber die Umstände, die sie anklagen. Als könnte die GDL etwas für die extrem gestiegenen Lebenshaltungskosten oder die erhöhten Bahnpreise. „Wir haben auch kein Geld“, „Die Bahnpreise sind schon hoch genug“ – so schallt es aus der breiten Masse. Nur weil alle kein Geld haben, soll sich auch keiner Beschweren? Die GDL kann etwas für die hohen Bahnpreise, obwohl sie nie eine Gehaltserhöhung durch die Erhöhungen bekommen hat? Spätestens ab der zweiten Gegenfrage zu dieser undurchsichtigen Logik ist das Gespräch auf die eine oder andere Weise zu ende. Wo die Wurzel dieses Verhaltens ist, kann ich nicht sagen. Ich kann...

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