Artikel mit dem angegebenen Tag "spd"

Nach der Wahl ist vor der Wahl

Die Wahl ist vorbei. Die Stimmen sind gezählt, die Ergebnisse werden analysiert und Merkel kann nun endlich wieder aufhören zu Menscheln.  Sie sah zuerst etwas unbeholfen nach der Veröffentlichung der Ergebnisse aus. Sollte sie sich jetzt freuen, dass sie weiterhin Mutter der Nation ist, die Miss Tschörmänie? Oder graut es ihr vor Westerwelle und seiner erstarkten FDP? Ja Guido ist Angelas Steigbügelhalter zum guten wie zum schlechten. Egal was Negatives passiert war, nichts ist an Merkel haften geblieben. Im Gegenteil die guten Dinge sind ihr sogar nachgeflogen. Merkel, die sich erst gegen Konjunkturhilfen und die Einmischung des Staates in die Wirtschaft gewehr hatte, ist jetzt Heldin der Finanzkrise. Wie geht das weiter? Jetzt steht neben ihr nicht mehr eine zerstrittene SPD sondern eine starke FDP. Das Ergebniss der FDP wird gefeiert, trotzdem muss man beachten, dass sie stimmentechnisch ungefähr so weit hinter der SPD ist, wie diese hinter der CDU. Auch wenn viele das als Indiz des Sieges des Neoliberalismus sehen, muss ich da widersprechen. Ich denke es sind viele wirtschaftlich liberalere Wähler von CDU und auch von der SPD zur FDP abgewandert. Die CDU ist nicht mehr dieselbe wie zu Kohls Zeiten, genausowenig wie die FDP. Unter Merkel ist die CDU um einiges sozialdemokratischer geworden. Sie erinnert mich an eine SPD mit klassischen christlichen Grundfesten. Aber genau sagen, was die CDU nun ist, kann ich nicht. Ich denke nur, dass die CDU Bundestagsfraktion unter nicht das widerspiegelt, was die traditionellen CDU Wähler wollen. Genauso wie die FDP meinem Empfinden nach sozialer geworden ist. Viele Menschen, die die FDP gewählt haben, haben sie für den Forschritt gewählt, den sie verkörpert. Für den Weg in eine moderne Zukunft, aber nicht in eine unmenschliche. In Zeiten der Finanzkrise ist es in de FDP erstaunlich still um neoliberale Themen geworden, und wesentlich lauter um Inhalte wie innere Sicherheit, Internetzensur usw. Woran liegt das? An der Piratenpartei, an einem Interesse der FDP an den Themen oder daran, dass liberale Märkte im Moment eher ein Schimpfwort ist? Es ist wohl, wie immer eine Mischung aus allem. Die FDP hat schnell bemerkt, dass ich mit dem Thema Wähler fangen lassen. Besonders die Wähler, die die Piraten wählen wollten, aber es wegen Tauss oder der frische der Partei nicht konnten. Dabei war Westerwelle, so wie viele andere FDP Mitglieder, nicht mal anwesend bei der Abstimmung um die Internetzensur. Der Generationskonflikt ist deutlich spürbar. Wahlkampf wirdüber die...

Mehr

Die Qual der Wahl am 27.09.09

Die Qual der Wahl am 27.09.09

Wer die Wahl hat, hat die Qual und wer nicht wählen geht, bekommt sie trotzdem. Am 27. September ist Bundestagswahl und wir wissen jetzt schon, dass mit aller Wahrscheinlichkeit Angela Merkel eine zweite Amtszeit bekommen wird. Nur ist nicht ganz klar, wer ihr Steigbügelhalter sein wird. Frustration könnte das Motto dieser Wahl sein. Frustration der Menschen fast jeder Ideologie mit der Politik der letzten Jahre, Frustration der Jungenüber ihre Ausschlachtung als Wahlkampfthema und die Frustration all derjenigen, die etwasändern wollen. Dieser Wahlkampf hatte mit einem eigentlichen Kampf so viel zu tun, wie Ursula von der Leyen mit Kinderschutz. Verunsichert haben die beiden großen Parteien, wenn man sie noch so nennen kann, keinen richtigen Kurs gefunden, weil beide auch kein richtiges Ziel haben. Merkel hat dabei auch ohne Wahlkampf die Wahl wahrscheinlich für sich entschieden mit den anscheinend deutschen Grundgedanken „Bloß nicht anecken“ und „Bloß nicht anders sein.“ Keine Meinung haben bringt einen anscheinend auch an der Spitze der Politik noch weiter. Anstatt das Konkurenten die Messlatte höher heben, einigt man sich auf ein angenehmes Niveau, das keinerüberschreitet, sonst wird es anstrengend. Das System regt Sophie und mich schon lange auf, aber gestern habe ich zum ersten Mal bemerkt, dass es diesen Wahlkampf  auch Kennzeichnet. Für den Einzelhandel in Hannover ist es zum Beispiel bezeichnend, dass wenn ein Geschäft seinen Service einschränkt, es die anderen auch tun. Anstatt, daß versucht wird den besten Laden zu haben, wird sich angepasst. Was die einen nicht tun, tun wir auch nicht. Jetzt wird etwas weit gegriffen, Verzeihung im voraus. Aber das ist genau die Mentalität die bei Spieleentwicklern und Spielern (besonders Online Rollenspielern) inzwischen vorherrscht. Bloß nicht zu kompliziert, bloß nicht selbst nachdenken und wenn es nichts (fast) umsonst gibt, wird halt  aufgehört und gemault. Das ist genau einer der Gründe, warum Warhammer Online nicht funktioniert. Wie auch, wenn der Gegner auslogt, statt sich zu wehren? Genauso wie man immer einen Anreiz braucht, um zusammen zu spielen, weil man sonst die Gegenwart anderer Spieler in einem Multiplayerspiel nicht erträgt. Nicht nachdenken, nichts tun wo man nicht direkt einen Gegenwert erhält – das wird gefördert und verlangt. Deswegen wird auch bei dieser Wahl die CDU/ CSU wieder die meisten Stimmen bekommen, während die Wähler anderer Parteien frustriert, desillusioniert und in einer tiefen Glaubenskrise sind. Kein Wunder, so kann sich die CDU/ CSU den Sieg zur Not auch mit den verfassungswidrigenüberhangmandaten sichern. Die sind laut...

Mehr

Aasgeier-Methodik

Ein gefundenes Fressen, anders kann man es wohl nicht beschreiben. Die Leichen sind noch nicht ganz kalt und schon werden sie geschlachtet und die Möglichkeit bis aufs letzte ausgeweidet. Amokläufe sind immer ein gefundes Fressen. Für Lobbies und Verbände, Zeitungen und Fernsehen und natürlich für die Politik. Alle sind dankbar für ein neues Thema, denn die Finanzkrise nutzt sich langsam ab. Außerdem musste bei all der Diskussion um Computerspiele als Kulturgut, wieder ein Gegenbeispiel gefunden werden, sonst wären unsere Medienzecken wie Dr. Pfeiffer auf längere Sicht arbeitslos. Generell fehlt Medien und Politik wohl anscheinend das kreative Element. Sie schaffen keine Inhalte, sondern nutzen Geschehnisse wie Parasiten oder Aasfresser aus. Ob nun Dinge zur Chefsache erklärt werden oder wieder eine Reihe von Berichten auf Frontalüber Killerspiele läuft. Während in den ersten 36h noch der Fokus auf den Opfern lag, werden diese jetzt post mortem missbraucht. Ihr Tod dient nicht dafür das in der Zukunft zu verhinden, sondern allein um Geld mit ihrem Leiden zu machen oder Wahlkampf zu treiben. So geraten die vielen Initiativen zur besseren Betreuung der Kinder und der Prävention von Amokläufen wieder aus dem Fokus der Medien. Verbieten ist immer einfacher und im Falle der Medien sind Artikel mit gedroschen Phrasen und einfachen Feindbildern, weniger aufwändig zu schreiben, als richtiger fundierter Journalismus. Und so beginnt alles wieder von Vorne. Solange den Menschen kein Gefühl von Hoffnung und einer Zukunft gegeben wird, werden weiter viele Kinder und erwachsene Menschen in Amokläufen umkommen. Ohne Spiele, werden auch nicht weniger sterben. Der Amokläufer war psychisch krank und hat die Therapie verlassen. Selbst das wird kaum noch thematisiert. Nach Ursachen wird nicht gesucht, sondern aus ausschlachtbaren Einzelheiten. Und genau diese Dummheit der Menschen löst die Wut aus, die irgendwann unerträglich wird. Aber wenigstens schaffen die CDU und SPD nun ein Wahlkampfprogramm zu erstellen, dass sich letztendlich einmal unterscheidet. Dafür mussten auch nur 17 Menschen sterben. Während die CDU ganz klassisch ein Killerspiele-Verbot fordert, möchte die SPD stärkere Kontrolleüber Schützenvereine. Könnte man sich auf die SPD verlassen, hätten sie wohl meine Stimme. Aber wer hilft den Opfern? Wer versuchtüber seinen Vorteil hinaus sowas in Zukunft zu verhindern? Für mich bleibt außerdem noch eine Frage. Selbst mit den ganzen Verboten, warum laufen in Deutschland, dem Land mit der stärksten Gewaltzensur der Welt, mehr Menschen amok, als in anderen Ländern? Deswegen bin ich auch skeptisch, dass ein Verbotüberhaupt etwas bewirkt. Ich bin jedenfalls auch...

Mehr