Artikel mit dem angegebenen Tag "nazi"

Mit voller Kraft in den Untergang

Man, war das eine Woche. Ich gehöre, trotz allem, eher zu den gemäßigten Bloggern. Ich schreibe zwarüber so ziemlich alles, aber zweifle nicht gleich die sexuelle Ausrichtung anderer Leute an und denke auch nicht, dass alle Menschen schlecht sind, außer Mutti. Trotzdem habe ich eine Wut im Bauch, dieüber ein bloßes Aufflammen von Agression hinaus geht. Ich habe mich schon immer unregelmäßig kritischüber die politische Situation geäußert. Wo früher demokratietheorethische Fragen standen, kam dann das blanke Entsetzenüber Stoiber, Schäuble und von der Leyen. Das Entsetzen ist inzwischen mehr eine fassungslose Ratlosigkeit. Ich vertraue nur zwei Dingen in unser Demokratie. Wobei man auch nicht von einem wirklichen Vertrauen reden kann, sondern eher von einer positiven Haltung. Ich denke, dass Bundesverfassungsgericht ist eine der demokratischsten Intitutionen, die wir haben und dann ist da noch Wiki-Leaks. Wiki-Leaks sammelt geheime Dokumente und Informationen, wie zuletzt einen Teil des Vertrags zur geplanten Maut. Natürlich, darf man diesen Informationen nicht blind glauben, aber durch Wiki-Leaks kommt vieles zu Tage, was die Politik im demokratischen Prozess selbst offenlegen müßte, aber dann lieber doch nicht tut. Ansonsten kann ich nicht sagen, dass ich an eine Person oder Instution in diesem Land wirklich glaube. Zu recht. Mit Politikern wie Schäuble, Stoiber, Koch, von der Leyen oder Christina Köhler in den fordersten Reihen politischer Vertretung, ist das auch kein Wunder. Diese Woche ging es wirklich heiß her. Es begann am Montag damit, das von der Leyen das Internet mit der Entdeckung neuer Kontinente verglich. Als die Europäer die Neue Welt entdeckten, haben sie Gesetzlosigkeit, Gewalt und das Recht des Stärkeren abgeschaft. So habe es durchaus „positive Rückkopplungen“ für die Ureinwohner gegeben. Jemand sollte mal ihr Geschichtsverständnis prüfen. Ja, die armen, kulturlosen Inka und Indianer. Die waren ja nichts ohne uns. Von der Leyens Schluß daraus war, dass die Internet-Nutzer genausowenig (also gar nichts) zu befürchten haben, wie die Ureinwohner Amerikas. Ganz tief drinnen, fühle ich mich jetzt wirklich beruhigt. Sicher. Dann kam der Herr Stahl, dessen Name wohl Programm ist. Den Polizisten in NRW geht es furchtbar, darum brauchen sie Gestapo-ähnliche Befugnisse. Aber, er hat nicht vor, sie in Gestapo umzubenennen, Polizei reicht völlig. Stahl forderte eine bessere Videoüberwachungöffentlicher Plätze, das Recht Computer und Mailverkehr zuüberwachen und den neuen Typus des billig-Polizisten, der unbewaffnet für (noch) weniger Geld, einfache polizeiliche Tätigkeitenübernehmen kann. Aber mit soetwas ist er ja auch in guter Gesellschaft. De Maziére lies am Donnerstag auch seine...

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Messer, Schere, Gabel, Licht…

Selbst wenn ich nicht blogge, kann ich das Diskutieren nicht lassen. Diskutieren ist ehrlich gesagt, manchmal auch nichts anderes als fachwissenschaftliches Tratschen. Mein Spiegel Abo ist inzwischen gekündigt und er ist für mich inzwischen nur noch ein weiteres Nachrichtenmagazin. Aber trotzdem gefallen mir einige Rubriken noch sehr, wie z.B. „Eines Tages.“ In einem kleinen Anfall von Erstaunen, schickte ich Karl vor ein paar Tagen diesen Link, der dann auch sofort von ihm verarbeitet wurde. Ich konnte es kaum glauben: Ein offener Umgang mit der deutschen Geschichte? Zwar von einem Engländer iniziiert, aber immer noch in Deutschland. Unfassbar. Unmöglich? Denn heute ereilte mich an gleicher Stelle die nächste Nachricht in dieser Sache. Bayern verbietet den Druck der Zeitungszeugen. Bayern ist anscheinend Rechteinhaber des gedruckten Materials und untersagt den Druck. Bereits verkaufte Exemplare sollen vielleicht auch wieder eingezogen werden. Da sieht man doch, dass sich zwar die Politik geändert hat, die Methoden manchmal aber noch sehrähnliche sind. Verbieten statt Verstehen lehren. Verschweigen statt Verarbeiten. Aber das Zensurland Nummer 1 in Deutschland führt sein‘ Kampf gegen alles, was ihm nicht passt weiter. Wobei ich dachte, dass sich der Zensurwahn aus medienpolitischen Gründen nur auf elektronische Spiele erstreckt. Natürlich bergen abgedruckte Zeitungen der Nazi-Ära eine gewisse Gefahr. Genau wie Computerspiele, Filme und Bücher – oder sogar Gespräche und Meinungen. Eben deswegen ist es gut, dass die Zeitungen von Kommentaren und Analysen von Historikern begleitet werden. Keine dieser Zeitungen hätte Adolf zum Nazi gemacht, genauso wenig wie Robert durch Counterstrike Amok gelaufen ist. Diese Medien können aber ein vorhandes Potential ansprechen und Reaktionen beeinflußen. Gerade deswegen müssen solche Dingeöffentlich thematisiert werden. Es bringt wenig alles zu unterdrücken, bis es irgendwann platzt. So werden aus Fragen zu Ausländern und Arbeitslosigkeit durch unwissen Themen für Agitatoren. So wird die Wissenslücke, die entsteht „weil manüber manche Dinge nicht spricht!“, zum Nährboden für Bosärtigkeit. Messer, Schere, Gabel, Licht – sind für keine Kinder nicht. Aber nicht jeder Bürger ist ein Kind, nur weil er nicht zur Regierung gehört. Kindern wird der Umgang mit diesen Dingen gelehrt, da sie zum täglichen Leben gehören, auch wenn sie gefährlich sind. So gehört das Dritte Reich zu unserer Geschichte und macht uns hoffentlich heute schlauer gegen so eine Art von Manipulation. Es soll nicht wieder ein Zustand kommen, wo wir nicht wissen, wie mit solchen Dingen umzugehen ist und man erst aus Schaden wieder klug werden kann. Verbieten und Verschweigen führt zum...

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