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Zorn

Ich bin, auch wenn es oft anders scheint, ein ausgeglichener Mensch. Dadurch, dass ich sage was ich denke, reflektiere was ich fühle und nichts verdränge (jedenfalls nicht bewußt), lässt sich eine Menge abfedern. Aber wenn ich mir die Welt dadraussen ansehe, kann ich nicht anders als böse zu werden. Das einzige, was da noch hilft, ist nur noch in seiner eigenen kleinen Welt zu leben und sich von der großen abzuwenden. Egal ob es mit Musik, Partys, Komasaufen, Sport, Spielen, Streit oder blindem Hass ist – irgendwann muss man sich den Frustüber die ganze Scheiße aus dem Gehirn prügeln. Und Frust ist, was entsteht, wenn man sich umguckt. Aber ich bin auch eher der Mensch der Magengeschwüre vom Nachdenken bekommt, als sich lieber mit etwas abzufinden oder sich wegzudrehen. Was geht mich das an? oder weiß nicht und ab und zu auch Mir doch egal! hört man heuteöfter als Antworten auf Probleme, als irgendwelche ernstzunehmenden Gedanken. Ich kann das gut nachvollziehen. Das Leben ist kein Ponyhof, wie es so schön heißt, das soll es auch nicht sein. Aber Ungerechtigkeit kann ich nicht ausstehen. Jede Aktion erzeugt eine Reaktion, um gleich den nächsten schlauen Spruch loszuwerden – und genau darum geht es. Entweder steigt die Ungerechtigkeit weiter so stark an, dass sich irgendwann alle Menschen nur noch ablenken und es ein paar wenige gibt, die aktiv Leiten und Lenken. Dazu kommt noch das immer miesere Bildungsniveau, die Politikverdrossenheit und die durch die beiden Punkte verkümmerte politische Partizipation. Das alles macht verwundbar für Führer aller Art. Egal ob das nun Institutionen, Firmen oder Personen sind. Oder die andere Möglichkeit tritt ein. Ich denke nicht, dass sich die Menschen so verführen lassen könnten, wie vorüber 70 Jahren. Dazu sind alle zu passiv und zynisch. Klar, ich denke schon, dass viele hörig sind, aber es fehlt die konstruktive Energie. Aber was vorhanden ist, ist destruktive Energie. Die Dummen hassen die Andersartigen. Die Hoffnungslosen hassen SAART. Die Liberalen hassen Korruption. Irgendwann wird Frust zu Hass. Selbst wenn der Frust in Passivität resultiert, irgendwann reicht ein kleiner Funke dafür, dass die Hölle losbricht. Gemeinsame Feinde schweißen zusammen und die Zahl der Hassendenübersteigt die, der Feindbilder bei weitem. Politiker, Reiche, Firmen, Lehrer – irgendwann entläd sich die Wut auf sie und was dann kommt, das weiß heute keiner. Gerade deshalb ist eine ehrliche, transparente und Wahlperiodenübergreifende Politik im Sinne des Staates. Die Regierung sollte dem deutschen...

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