Von Rechts nach Links

Von Rechts nach Links

Wegen der aktuellen Debatte über den Umgang mit rechtem Gedankengut, muss ich auch mal meine Meinung loswerden. Generell geht es darum, wie mit rechtsradikalem Gedankengut umgegangen werden soll. In diesem Fall geht es genauer darum, ob beispielsweise „Mein Kampf“ in Deutschland wieder verkauft werden kann. Das schlimme an der Debatte ist nicht das Thema, sondern die Debatte selbst. Als Deutsche haben wir ein großes Problem mit der Schuld am Holocaust umzugehen, so dass wir bei jedem Gespräch über das Thema empört die Arme in die Luft werden und jeden als Nazi bezeichnen, der eine eigene Meinung hat. Es findet kein Gespräch statt, es werden keine Argumente ausgetauscht und sich nur gegenseitig beleidigt. Ich bin für einen Verkauf des Buches an Volljährige und will hier mal darlegen warum. Es kann sein, dass ich meine Meinung später ändere, da ich mich gerne von anderen Argumenten überzeugen lasse. Ich denke den Verkauf des Buches zu ermöglichen, würde zur Entmystifizierung Hitler’s beitragen. Das Buch zeigt deutlich wie wirr und fernab jeder Realität Hitler war. Ich kann mir kaum vorstellen, dass durch eine freie Verfügbarkeit des Buches die Menschen auf einmal alle Rechtsradikal werden. Genauso wenig wie Shooter automatisch Amokläufer erzeugen. Letztendlich sind Bücher  anderer Massenmörder frei erhältlich und ich finde es scheinheilig wie beispielsweise mit China umgegangen wird, wenn man die Taten von Mao in Betracht zieht. Die völlige Tabuisierung eines Themas schafft für mich genau das, was die Befürworter vermeiden wollen: Raum. Man kann keine Argumente entkräften, sich den Ideen stellen, um sie zu widerlegen, ohne in eine gesellschaftliche Grauzone zu treten. Natürlich freuen sich unsere braunen Idioten ein Loch den Bauch, wenn man mit „Mein Kampf“ in der Öffentlichkeit rumlaufen kann. Aber die wirklichen Rechtsradikalen haben es entweder sowieso zu Hause oder gelesen – Verbot hin oder her. Das wichtige ist, dass man auch den Gegnern Zugang zum Wissen gibt. Wie soll man sonst vollständig verstehen, warum man dagegen ist? In Europa (außer Deutschland) sind seit langem die rechten Parteien auf dem Vormarsch. Ich denke es liegt weniger daran, dass man dort „Mein Kampf“ kaufen kann, sondern dass viele Probleme mit Fremdenfeindlichkeit gelöst werden. Wir Deutschen haben eine schlimme Erfahrung gemacht, deren Lehre uns im Moment davor bewahrt auf nationaler Ebene die rechten Parteien wieder aufstreben zu lassen. Aber wie lange hält diese Erfahrung vor? Wann folgt durch ein Tabu ein vergessen der Ursachen? Wenn ein einziges Buch einen Ausbruch von...

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Über Gauck und die Welt

Über Gauck und die Welt

Da ich in meinem eigenen Universum natürlich wichtig bin und mich schon mehrere Leute gefragt haben, wie ich denn zum Thema Gauck stehe, setze ich mich hier mal kurz damit auseinander. Für einen ausgefeilten Artikel mit Belegen und Referenzen habe ich leider gerade keine Zeit, trotzdem hoffe ich, dass hier ein wenig Inhalt für euch geboten wird. Joachim Gauck war für mich bei der letzten Nominierung des Bundespräsidenten die beste Wahl. Im Gegensatz zu Wulff schien er Charakter zu haben und damit auch mehr zu sein als eine Marionette. Inzwischen hat sich Wulff  beim Spielen in seinen Seilschaften verheddert und selbst erhängt. Jetzt ist Gauck wieder im Gespräch und wird mit aller Wahrscheinlichkeit unser neuer Bundespräsident werden. Einerseits ist er wesentlich besser als unser Interimspräsident Seehofer, andererseits bin ich alles andere als glücklich. Den Joachim Gauck den ich früher in ihm gesehen habe, gibt es heute nicht mehr. An der Stelle des Verteidigers der Demokratie steht für mich heute ein antiquierter, verbitterter Mann. Wie kam es dazu? 2010 war Gauck für mich durch seine Arbeit bei der „Stasi-Unterlagen-Behörde“ ein Begriff, seine Initiative „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ verstärkte den Eindruck eines aufrichtigen Demokraten. Aber gerade in den letzten zwölf Monaten wandelte sich das Bild stark, da meine Ansichten von seinen stark abweichen. Gauck betitelte die Kapitalismusdebatte durch die Occupy Wallstreet Bewegung als unsäglich albern. Gut, vielleicht sieht er weniger die Aussage, sondern das vielleicht als Laienhaft zu beschreibende Auftreten der Protestanten oder die dort durchaus vorhandenen Hippies, die gar nicht mehr so richtig auf diesem Planeten zu sein scheinen. Vielleicht ist das nicht seine Art Protest und er kann dabei nicht auf die grundlegende Botschaft schauen. Allerdings widerspricht er dieser Annahme selbst. Denn Sarrazins Aussagen fand er mutig und lobte seine offene Sprache, selbst wenn er nicht vollkommen seiner Meinung ist. Also kann er das ganze abstrakter betrachten. Findet er also Protest albern, wenn es seinen Ansichten widerspricht? Darüber hinaus redet er auch immer wieder über Innenpolitische Themen. Zum einen scheint er als ehemaliger Verwalter der Stasi-Akten keine Gefahren in der Vorratsdatenspeicherung zu sehen, während er sich gegen die Tätigkeit von Wikileaks wendet.  Zu seinen Lieblingsfeindbildern gehört die LINKE, er sprich sich wiederholt für eine Überwachung durch den Verfassungsschutz aus. Aber wie steht er denn zur NPD? Alles in allem hat sich durch diese Beispiele mein Bild von Gauck geändert. Für mich ist er kein Freiheitskämpfer mehr, sondern ein verbitterter...

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Gegen Windmühlen mit pipa in den Augen

Gegen Windmühlen mit pipa in den Augen

Gestern erlangte Ansgar Heveling im Internet einen gewissen Grad der Berühmtheit. Der Jurist, der weder als Urheberrechtler  des Rechtsausschusses im Bundestag, noch als Mitglieder Enquete-Kommission Internet bisher groß im Mittelpunkt stand, ist jetzt mit seinem Beitrag Thema vieler netzpolitischer Schlagzeilen. Wobei „Schlagzeilen“ durchaus bildlich zu verstehen ist, denn die meisten versuchen ihn irgendwo zu treffen. Heute ist der Tag danach. #Hevelingfacts wurden auf Twitter gesammelt, seine Seite gehackt, gespottet und gelacht. Doch was bleibt? Entweder tritt er nach und es erscheint noch ein Pro-Heveling Artikel in einer Welt.de-Kolumne oder es wird ganz schnell wieder still um den Abgeordneten aus Wahlkreis 111. Was ist passiert? Ansgar Heveling (CDU) prophetzeit das Ende des Web 2.0 und der damit verbundenen „verlorenen“ Generation. Er schreibt „Es lohnt sich, unsere bürgerliche Gesellschaft auch im Netz zu verteidigen!“ und übersieht in seinem möchtegern geekigen Text, dass auch das Digitale zur bürgerlichen Gesellschaft gehört. Dabei stellt er fest, dass wir netzaffinen Menschen uns in einem Herr der Ringe ähnlichen Kampf gegen das Böse sehen und die klassische Gesellschaft mit Mordor gleichsetzen. Auf diesem Weg wird aber unser digitales Blut vergossen werden. Er beschwört den Geist der französischen Revolution herauf, durch den die Bürger sich Wohlstand erarbeiten konnten. Wobei er geistiges Eigentum mit Geldwerten gleichzusetzen scheint und damit der französischen Revolution einen ungeahnten kapitalistischen Charakter gibt. Die Menschen sollen sich gegen die digitale Revolution wehren, bevor nur noch Trümmer von der Zivilisation übrig sind. Was Don Quijote zu einem liebenswert-tragischen Helden macht, ist hier nur noch traurig. Auch wenn Heveling wieder aus dem Fokus der Aufmerksamkeit verschwindet, löst er sich nicht in (heißer) Luft auf. Er ist weiterhin Mitglied des Bundestages und zwei wichtiger Internet relevanter Gremien. Dort wird er weiterhin mit PIPA in den Augen vorerst gescheiterten US Gesetzesinitiativen wie SOPA nachtrauern. Ich denke nicht, dass er der einzige mit dieser Einstellung ist und diese Menschen formen unser digitales Kulturmedium mit. Das ist einer der großen Unterschiede zu den Vereinigten Staaten. Dort hat man erkannt, dass das Internet zur Gesellschaft gehört. Man ist sich der Wichtigkeit bewusst und so kämpfen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft um die Kontrolle des Netzes. Hier wird der Kampf oft noch mit Heugabeln und Fackeln ausgetragen. Es ist ein Kampf der von Angst und Panik genährt wird, als wären wir auf dem Niveau von Heinrich Kramer stehengeblieben. Selbst die Wirtschaftsverbände, wie die GEMA, sehen das Internet mehr als Feind und nicht als Einnahmequelle, was wohl...

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Katastrophentouristen im Meinungspluralismus

Katastrophentouristen im Meinungspluralismus

Mit zwei Dingen wird man im Internet ständig konfrontiert. Erstens Aktfilmen zweifelhafter Qualität und zweitens Meinungen. Natürlich wären da noch Spam und Werbung, aber ich meinte nur sinnvolle Dinge. Auch wenn ich niemanden enttäuschen will, möchte ich an dieser Stelle über Meinungen reden und nicht über nackte Haut. Zu den meisten Dingen haben wir eine Meinung. Selbst wenn unsere Meinung ist, dass etwas einer Meinung unwürdig ist. Sie kommt durch Erfahrung zustande, basierend auf ähnlichen Erlebnissen, auf unserem kulturellem Hintergrund und auch durch die Meinung der Menschen denen wir vertrauen. Wir können Meinungen oft besser vertreten, je mehr wir über diese Wissen. Was spricht dafür? Was dagegen? Gibt es überhaupt eine richtige Meinung oder nur mehrere Sichtweisen? Trotz der Möglichkeit sich immer und jeder Zeit über ein Thema zu informieren, haben die Entwicklungen im Internet und Journalismus dazu geführt, dass es kaum noch begründete Meinungen gibt. Oder besser: Jeder wirft seine Meinungen in einen großen Topf, schaut sich aber weder nach anderen Meinungen um, noch diskutiert man wirklich darüber. Was hat zu dieser Entwicklung geführt? Zum einen haben wir die klassischen Massenmedien: Fernsehen, Radio und Print. Diese existieren zwar zur allgemeinen Unterhaltung, aber eben nicht nur. Ihr Angebot soll verkauft werden, egal ob Nachrichten oder Seifenoper, über die Einschaltquoten muss durch Werbung und Merchandising Geld in die Kasse. Das Programm muss so gestaltet werden, dass es möglichst vielen Menschen möglichst gut gefällt. Das sorgt zum einen für eine ständige Überprüfung der Sendequalität und zum anderen dafür, dass die Inhalte auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet werden. Wer mir jetzt am liebsten ins Wort fallen möchte, um mir dann den Widerspruch von Qualität und entweder Heidi Klums Kleiderständer Casting oder Dieter Bohlens Klonversuche um die Ohren zu schlagen, den kann ich verstehen. Dabei sind die beiden Shows aber eben der Beleg einer Qualitätssicherung für eine bestimmte Zielgruppe. Es wird meist versucht den größten Haufen an Zuschauern zu gewinnen und das ist selbst im geburtenarmen Deutschland die Mischung aus Teenies auf Identifikationssuche und Fernsehkatastrophentouristen, die sich ordentlich fremdschämen wollen. Aber genau da liegt der Hund begraben. Das Programm soll eben nicht allen gefallen, sondern nur bestimmten Gruppen, am besten der größten. Man tut natürlich alles um diese Zielgruppe zu pflegen und zu nähren und versucht sich nicht zu vergraulen. Durch das Vorenthalten von kontroversen, gegenteiligen Meinungen bestätigt man das Weltbild einer Gruppe, verhindert aber auch mehrere Seiten eines Problems kennen zu lernen. Das kann...

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Wohlstandsorakel

Die Börsen wurden die letzten Tage wieder kräftig durchgeschüttelt und die Prognosen überbieten sich in Weltuntergangsstimmung. Inzwischen ist es Gewohnheit. Für den Laien stellen sich viele Fragen über Sinn und Unsinn an den Börsen. Werden noch wirklich Geschäfte gemacht? Sind das alles nur Wetten oder Panik? Ob nun Bauern über miese Ernten klagen oder Unternehmen über den Fachkräftemangel, beschwert wird sich überall gern. Das heißt nun nicht, dass an den Beschwerden nichts dran ist. Aber vielleicht ist man auch selbst Schuld an der Lage in der man sich befindet. Trotzdem gibt es kaum klagen, die so ehrlich sind, wie die aus dem Bankensektor. Die Panik steht den Börsianern wie es so schön heißt ins Gesicht geschrieben. Das ist der Unterschied zwischen der erfolgreichen PR der Unternehmen und den Augenzeugenberichten der Aktiengeschädigten: Die Börsianer haben echte Angst, echte Panik. Das heißt aber nicht, dass diese berechtigt ist. Sie haben sich von der echten Welt entfernt, Leben in ihrer eigenen Parallelwelt in der sich alles um die Indexe dreht. Erstaunlicherweise dreht es sich oft wirklich nur um die Aktienkurse. Die Aktien sollen den Wert eines Unternehmens wiederspiegeln. Wenn der gesamte Markt um 5% einbricht, wie in den letzten Wochen, dann haben nicht alle Aktienunternehmen der Welt plötzlich real an Welt und Wirtschaftskraft verloren. Es ist nur eine Abbildung der Stimmung der Händler. Gerüchte verändern Kurse genauso sehr wie Tatsachen. Aktienhändler können eben nicht hellsehen und keiner will seine Papiere erst verkaufen, nachdem ein Unternehmen bankrott ist. Aber da kommt eben das Expertenwissen und der Instinkt der Händler ins Spiel. Das Gefühl drängt sich auf, das eben dieser nicht mehr vorhanden ist und von Software und Panik ersetzt wurde. Das ist einerseits kein Wunder, die Aufträge werden immer größer, die Verantwortung wächst gewaltig. Andererseits liegt dann der Fehler vielleicht auch im System. Was nutzt uns eine Handelsbühne, die keiner Logik mehr folgt und zwischen Lotterie und Billiarden-schwerem Stimmungsring schwankt? Die Politik, weltweit, legt jedenfalls Wert auf die Börsen und sieht sie als eine Art plakatives Barometer für den Zustand der Wirtschaft. Zusammen mit dem Bruttoinlandsprodukt und dem Wirtschaftswachstum wird bestimmt, wie gut es den Menschen geht. Diese Indikatoren versteht jeder, auch wenn er kein Wissenschaftler ist. Je größer die Zahl, desto besser. Aber jeder Mann hört immer wieder, das Größe eben nicht alles ist und vielleicht trifft es ja darauf zu. Es ist nicht nur wichtig, wie viel Geld im Umlauf ist,...

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Dem Rad in die Speichen fallen

Nachdem mir in der letzten Zeit schon nachgesagt wurde, dass ich Kommunist bin, nähere ich mich heute aber ein wenig dem Faschismus beziehungsweise der Diktatur an. Das bringt mich wahrscheinlich etwas näher zum Kommunisten Nazi. Yay. Heute geht’s ums Ausbildungsnirvana und Weisheiten made in China. Aus politischen und persönlichen Gründen ärgere ich mich im Moment täglich über die Arbeitsmarktsituation hier in Deutschland. Als Mitglied der Generation Praktikum regt es mich auf, wie oft man hört, wie Lebensläufe und Ausbildungswege kaputt geredet werden. Dabei geht es weder darum, dass man sich auf einen unpassenden Job bewirbt, noch dass man die zwei Jahre Leerlauf besser erklären sollte. Es geht um sinnlosen Perfektionismus. Beispielsweise, warum man eine bestimmte Schule besucht hat, wenn man doch später lieber [Traumjob hier] werden wollte. Weiß man denn als 12 jähriger denn schon genau, was man werden will? Haben vielleicht die Eltern nicht die Schule bestimmt? Eine längere Studiendauer kann an den Lebensumständen liegen. Manche müssen viel Arbeiten, um das Studium zu finanzieren. Andere sind ernsthaft krank gewesen (und jetzt bitte kein: Warum sind sie krank?). Wo wir schon bei Studieren sind. Warum haben sie denn [Traumstudium hier] studiert? Heute sind doch [Marktlückenstudium hier] so gefragt. Der Fehler den alle machen ist alles rückwirkend zu betrachten. Ungefähr als wäre man der von mystischen Kräften gesegnete Auserwählte dessen Schicksal es ist DEN EINEN JOB (nicht zu verwechseln mit DER EINE RING) zu bekommen. Der Arbeitsmarkt ist kein teleologisches System indem ein Weg immer zum selben Ziel führt. Genau das wird aber versucht zu vermitteln. Beruflicher Erfolg wird standardisiert. Wehe dem, der vom Standard abweicht. Unterschiede werden nicht oft nicht als herausstechende Merkmale gesehen, sondern als Fauxpas. Natürlich kann man an bestimmten Studiengängen oder Spezialisierungen zweifeln, soetwas könnte man aber auch im Gespräch klären anstatt die Menschen auszusortieren. Wobei das natürlich nicht alleine die Schuld der Unternehmen ist, da sie oft vor Bewerbern ersticken. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein der große Teil der Top-Unternehmer, die diese Standards mit geschaffen haben, sie selbst erfüllen. Alles läuft genormte Bahnen, die aus den aktuellen Anschauungen entwickelt wurden. Aber dabei wird kaum die Nachhaltigkeit des Systems gerichtet. Es geht immer nur darum aktuelle Bedürfnisse zu befriedigen. Die Menschen die 2-5 Jahre diesen Ausbildungsweg gegangen sind finden sich in einer Realität wieder, die vollkommen andere Bedürfnisse hat. Die Wirtschaft weiß das nur zu gut. Genau deshalb wird gefordert es zu erleichtern ausländische...

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