Life happens

Life happens

Liebes Tagebuch, ich habe lange schon keinen richtigen Tagebucheintrag mehr geschrieben und jetzt bin ich wieder in der richtigen Stimmung dafür. Ich sitze draußen und mir ist kalt. Bei 9°C im T-Shirt ist das auch nicht anders zu erwarten. Allerdings drängt sich mir die Frage auf, was kann man erwarten und woran bin ich selbst Schuld. Beruflich bin ich immer noch in diesem Zustand irgendwo zwischen schwerelos und Streckbank. Mein Minivertrag an der Uni macht mir Spaß, gibt aber nicht viel Geld her. Dann arbeiten wir noch daran das Forschungsprojekt zu bekommen, über das ich dann auch meine Doktorarbeit schreiben würde. Aber die Mühlen mahlen langsam und so zieht die Zeit ins Land. Ich kann nicht mit meiner Doktorarbeit anfangen bevor ich nicht weiß, ob das klappt oder nicht. Genauso wenig bewerbe ich mich jetzt weiter, wo ich die Chance habe etwas Eigenes zu machen. Das blockt alles aber auch die Stipendien. In den meisten steht, dass ich nichts dazu verdienen darf. Also was nun? Eine Möglichkeit wäre in den Sack zu hauen und mir einen dämlichen Job zu suchen, wie jeder andere auch. Die andere Möglichkeit wäre durchzuhalten und sehen was rauskommt. Auch wenn ich immer mehr zu Nummer eins tendiere, will ich weiter durchhalten, andernfalls war alles umsonst. Richtig unzufrieden macht mich auch nur die private Situation. Von zu Hause arbeiten ist nicht unbedingt schön und das was man sich vorstellt. Es fehlt der Abstand, um gut arbeiten zu können, jedenfalls wenn viel passiert. Zum einen Nerven mich die Katzen im Moment furchtbar und ein- oder aussperren ist dabei auch keine Lösung. Zum anderen stören mich menschliche Beziehungen. Das klingt schrecklich, ist aber so. Ständig klingelt das Telefon, Freunde, Mieter, Familie. Ich bin ziemlich gut im Ignorieren, was ich aber nicht ignorieren kann oder möchte ist, wenn es einem Freund wirklich schlecht geht und er anruft. Leider passiert zeitweise vier Mal am Tag. Ich kann einfach oft keinen klaren Gedanken fassen. Aber klare Gedanken sind das, was ich hier machen muss. Ich muss selbstständig arbeiten, eigene Ziele und Projekte machen. Jeder Tag an dem ich nichts tue, ist ein Tag an dem ich weiter weg davon bin, einen guten Job zu haben. Das verstehen zwar viele, Verständnis hat aber fast keiner. Arbeit für die man nicht bezahlt wird, ist keine Arbeit. So denken zumindest viele. Aber ich mache mir viel Arbeit und es ist etwas, das mich...

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Katastrophentouristen im Meinungspluralismus

Katastrophentouristen im Meinungspluralismus

Mit zwei Dingen wird man im Internet ständig konfrontiert. Erstens Aktfilmen zweifelhafter Qualität und zweitens Meinungen. Natürlich wären da noch Spam und Werbung, aber ich meinte nur sinnvolle Dinge. Auch wenn ich niemanden enttäuschen will, möchte ich an dieser Stelle über Meinungen reden und nicht über nackte Haut. Zu den meisten Dingen haben wir eine Meinung. Selbst wenn unsere Meinung ist, dass etwas einer Meinung unwürdig ist. Sie kommt durch Erfahrung zustande, basierend auf ähnlichen Erlebnissen, auf unserem kulturellem Hintergrund und auch durch die Meinung der Menschen denen wir vertrauen. Wir können Meinungen oft besser vertreten, je mehr wir über diese Wissen. Was spricht dafür? Was dagegen? Gibt es überhaupt eine richtige Meinung oder nur mehrere Sichtweisen? Trotz der Möglichkeit sich immer und jeder Zeit über ein Thema zu informieren, haben die Entwicklungen im Internet und Journalismus dazu geführt, dass es kaum noch begründete Meinungen gibt. Oder besser: Jeder wirft seine Meinungen in einen großen Topf, schaut sich aber weder nach anderen Meinungen um, noch diskutiert man wirklich darüber. Was hat zu dieser Entwicklung geführt? Zum einen haben wir die klassischen Massenmedien: Fernsehen, Radio und Print. Diese existieren zwar zur allgemeinen Unterhaltung, aber eben nicht nur. Ihr Angebot soll verkauft werden, egal ob Nachrichten oder Seifenoper, über die Einschaltquoten muss durch Werbung und Merchandising Geld in die Kasse. Das Programm muss so gestaltet werden, dass es möglichst vielen Menschen möglichst gut gefällt. Das sorgt zum einen für eine ständige Überprüfung der Sendequalität und zum anderen dafür, dass die Inhalte auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet werden. Wer mir jetzt am liebsten ins Wort fallen möchte, um mir dann den Widerspruch von Qualität und entweder Heidi Klums Kleiderständer Casting oder Dieter Bohlens Klonversuche um die Ohren zu schlagen, den kann ich verstehen. Dabei sind die beiden Shows aber eben der Beleg einer Qualitätssicherung für eine bestimmte Zielgruppe. Es wird meist versucht den größten Haufen an Zuschauern zu gewinnen und das ist selbst im geburtenarmen Deutschland die Mischung aus Teenies auf Identifikationssuche und Fernsehkatastrophentouristen, die sich ordentlich fremdschämen wollen. Aber genau da liegt der Hund begraben. Das Programm soll eben nicht allen gefallen, sondern nur bestimmten Gruppen, am besten der größten. Man tut natürlich alles um diese Zielgruppe zu pflegen und zu nähren und versucht sich nicht zu vergraulen. Durch das Vorenthalten von kontroversen, gegenteiligen Meinungen bestätigt man das Weltbild einer Gruppe, verhindert aber auch mehrere Seiten eines Problems kennen zu lernen. Das kann...

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Dem Rad in die Speichen fallen

Nachdem mir in der letzten Zeit schon nachgesagt wurde, dass ich Kommunist bin, nähere ich mich heute aber ein wenig dem Faschismus beziehungsweise der Diktatur an. Das bringt mich wahrscheinlich etwas näher zum Kommunisten Nazi. Yay. Heute geht’s ums Ausbildungsnirvana und Weisheiten made in China. Aus politischen und persönlichen Gründen ärgere ich mich im Moment täglich über die Arbeitsmarktsituation hier in Deutschland. Als Mitglied der Generation Praktikum regt es mich auf, wie oft man hört, wie Lebensläufe und Ausbildungswege kaputt geredet werden. Dabei geht es weder darum, dass man sich auf einen unpassenden Job bewirbt, noch dass man die zwei Jahre Leerlauf besser erklären sollte. Es geht um sinnlosen Perfektionismus. Beispielsweise, warum man eine bestimmte Schule besucht hat, wenn man doch später lieber [Traumjob hier] werden wollte. Weiß man denn als 12 jähriger denn schon genau, was man werden will? Haben vielleicht die Eltern nicht die Schule bestimmt? Eine längere Studiendauer kann an den Lebensumständen liegen. Manche müssen viel Arbeiten, um das Studium zu finanzieren. Andere sind ernsthaft krank gewesen (und jetzt bitte kein: Warum sind sie krank?). Wo wir schon bei Studieren sind. Warum haben sie denn [Traumstudium hier] studiert? Heute sind doch [Marktlückenstudium hier] so gefragt. Der Fehler den alle machen ist alles rückwirkend zu betrachten. Ungefähr als wäre man der von mystischen Kräften gesegnete Auserwählte dessen Schicksal es ist DEN EINEN JOB (nicht zu verwechseln mit DER EINE RING) zu bekommen. Der Arbeitsmarkt ist kein teleologisches System indem ein Weg immer zum selben Ziel führt. Genau das wird aber versucht zu vermitteln. Beruflicher Erfolg wird standardisiert. Wehe dem, der vom Standard abweicht. Unterschiede werden nicht oft nicht als herausstechende Merkmale gesehen, sondern als Fauxpas. Natürlich kann man an bestimmten Studiengängen oder Spezialisierungen zweifeln, soetwas könnte man aber auch im Gespräch klären anstatt die Menschen auszusortieren. Wobei das natürlich nicht alleine die Schuld der Unternehmen ist, da sie oft vor Bewerbern ersticken. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein der große Teil der Top-Unternehmer, die diese Standards mit geschaffen haben, sie selbst erfüllen. Alles läuft genormte Bahnen, die aus den aktuellen Anschauungen entwickelt wurden. Aber dabei wird kaum die Nachhaltigkeit des Systems gerichtet. Es geht immer nur darum aktuelle Bedürfnisse zu befriedigen. Die Menschen die 2-5 Jahre diesen Ausbildungsweg gegangen sind finden sich in einer Realität wieder, die vollkommen andere Bedürfnisse hat. Die Wirtschaft weiß das nur zu gut. Genau deshalb wird gefordert es zu erleichtern ausländische...

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Das Geld der Anderen

Wer von euch macht gemeinnützige Arbeit? Oder niedrig bezahlte Arbeit für einen sozialen Zweck? Wenige bis gar keine, denke ich, ohne jemanden bleidigen zu wollen. Dabei sind wir generell ein tüchtiges, auf die Arbeit stolzes Volk. Vielleicht liegt es daran, was Arbeit beschreibt. Arbeit ist in erster Linie was Geld bringt. Gemeinnützige Arbeit fällt zumindest aus dieser Definition raus, auch wenn man natürlich arbeitet. Bleiben wir kurz bei dieser viel zu engen Definition von Arbeit. Hier arbeitet man zwar nicht gemeinnützig, aber zum Nutzen eines Anderen. Ob Abteilungsleiter oder Geschäftsführer, alle profitieren indirekt von der Angestellten und die Angestellten natürlich auch von ihrer. Eben darum geht es ja, man selbst verkauft seine Arbeitskraft und erhält dafür den Lohn. Trotzdem hat der alltägliche Arbeitsplatz einen sozialen Charakter. Da man inzwischen mehr gibt als man bekommt. Ein Arbeitsvertrag ist für mich ein Vertrag zwischen zwei Parteien, die beide diesen Vertrag respektieren müssen. Aber dieser Respekt ist oft nur einseitig, da man gerne auf die Arbeitsmarktsituation und Hartz IV verwiesen wird, wenn man mal aus der Reihe schlägt. Andererseits werden Überstunden vorrausgesetzt, sogar einkalkuliert, aber nicht bezahlt. Meine Abneigung richtet sich nicht dagegen mehr zu arbeiten, sondern jemandem etwas zu schenken, der einem selten etwas schenkt. Ein Blumenstrauß oder eine Flasche Sekt ist etwas schönes, aber wie viele Blumen könnte man sich kaufen, wenn die 50 Überstunden innerhalb eines Projektes gezahlt worden wären? Zu der Verbesserung der Situation tragen dann auch keine Fragen, wie „Warum liegt ihr Mutter ausgerechnet jetzt im Sterben?“ oder „Warum waren sie krank?“ bei. Oft wird darauf eingeschworen, dass man sich in der schwierigen Lage zusammenreißen muss und das Beste für die Firma geben soll. Man muss guten Willen beweisen. Aber dabei vergessen anscheinend viele Geschäftsführer, dass es sich um ihre Firma handelt und nicht um unsere. Und guten Willen erfährt man auch nicht selbst, wenn jemand entlassen wird, um 40.000€ im Jahr zu sparen, die Firma aber viele Millionen Gewinne macht und der Vorstand sich gerade das Gehalt erhöht hat. Andererseits kann man sagen, dass leitende Angestellte und Geschäftsführer mehr verdienen müssen, weil sie auch die ganze Verantwortung tragen. Das stimmt natürlich und ich finde es nicht schlimm, wenn irgendwer mehrere hunderttausend Euro im Jahr verdient. Es muss nur in Relation zum Betrieb und den Bilanzen stehen. Vor allem tragen sie zwar das Risiko die Firma in den Sand zu setzen, kriegen dann aber komischerweise immer wieder...

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Vom Streben nach Glück

Dumm sein macht glücklich. Nach tausenden Jahren des Gefressen werdens geben wir schließlich der Evolution nach und fingen an zu denken. Neben der Möglichkeit Werkzeuge herzustellen und Feuer zu machen, kamen wir dadurch zur Selbsterkenntnis und dem Interesse am Ich. Damit fingen die Probleme richtig an. Für das Jagen und Sammeln waren wir gut geeignet, aber mit Neid, Angst oder Wut können wir auch heute nicht umgehen. Immer wieder begehen wir Menschen schreckliche Taten, nur weil wir mit etwas nicht klarkommen. Wir denken viel und wissen gleichzeitig nicht was. Wir bewegen uns immer, aber wissen nicht wohin. Wir Menschen scheinen manchmal ständig verwirrt, so scheint es schon ein Wunder zu sein, daß wirüberhaupt ein geregeltes Leben führen können. Wir machen uns Gedankenüber unsere Freunde,über Geld,über Familie,über die Liebe und nicht zuletzt auchüber uns selbst. So viele Gedanken, daß wir kaum die Stimme in uns hören, was wir wirklich wollen. Dafür gibt es Bücher, Fernsehsendungen, Seminare und Psychologen – alles Wegweiser zum Ziel. Trotzdem hilft keine detailierte Karte weiter, wenn man nicht weiß wo man steht und wo man hin möchte. Aus dieser Verwirrung entsteht der Weltschmerz, die Malaise oder auch the Angst (aus dem Englischen). Wir sind alle so erpicht alles richtig zu machen, daß wir ständig daran denken. Ob wir nunüber uns nachdenken oder anderen Vorschriften machen. Viele unserer Erfahrungen sind inzwischen nicht unsere eigenen. Wenn man ein Baby bekommt, wird sich zuerst darauf vorbereitet. Man sucht nach Ratgebern, das richtige Spielzeug und am Ende kommt alles doch ganz anders. Nun sollen wir nicht auf den Rat anderer verzichten, im Gegenteil man sollte immer für das Wissen anderer offen sein. Trotzdem darf man nicht aufhören seine eigenen Erfahrungen zu machen. Man weiß nie wohin eine Entscheidung am Ende führt, man kann immer nur die nächste Station sehen. Gerade das macht das Leben heute so schwer. Früher hatten wir keine Zeit zum Denken, mußten es auf das nächstlegende Ziel beschränken. Heute bekommen 20-Jährige keine Arbeit, weil ihr Lebenslauf nicht gradlinig genug ist. Außerdem stirbt man alleine, wenn man die falschen Klamotten trägt und die wichtigsten Beziehungstipps nicht beherzigt. Zurück zum Anfang. Dumm sein macht glücklich. Wer sich weniger Gedanken macht, belastet sich weniger und macht sich weniger selbst kaputt. Das wichtigste am Denken ist, es wieder abschalten zu können. Wenn es gut ist, wo man ist, warum muß man es dann immer begründen? Wenn man einen Traum hat, muß...

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Wozu noch Journalismus?

überall beklagen die Verlage, daß es ihnen schlecht geht. In Amerika sterben schon die Zeitungen. Das Internet ist schuld, die Menschen lesen zu wenig. Ist das so? Von Qualitätjournalismus fehlt heutzutage oft jede Spur. Da hat sueddeutsche.de schon meinen Geschmack getroffen mit der Serie Wozu noch Journalismus? Der vierte Artikel der Reihe hat mich dazu gebracht ihn zu kommentieren. Aber auf der Homepage von der Hauseigenen Zeitung des Autors, der Freitag. Aber da mein Interesse am Thema so groß ist, kopiere ich meinen Kommentar auch noch mal in den Blog. Viel Vergnügen. Die Verlage liegen im Sterben, aber der Journalismus ist bereits verwest. Vielleicht verdirbt der Verwesungsgeruch den neuen Lesern die Lust? Ich gehe besser einen Schritt zurück und schreibe ein verspätetes Vorwort. Ich habe den Artikel von JA und die Kommentare gelesen und zu diesem wichtigen Thema, muss ich meine Meinung noch dazuschreiben. Vielleicht finden sich nicht nur JA, sondern auch Frau Lack, Columbus und andere Kommentatoren wieder. Zurück zur Kompostierung einer Kommunikationsform. Es ist natürlich richtig, dass Zeitungen sterben, weil zu wenige Exemplare gekauft werden. Woran kann das nur liegen – werden sich am Anfang der Debatte Viele gefragt haben. Den Blick nach außen gerichtet, wird geschaut, was sich verändert hat. Da fallen die neuen Medien so offensichtlich ins Auge, daß sie den Blick auf alles andere verdecken. Natürlich hat sich die Medienlandschaft durch das Internet stark verändert. Stärker noch als durch das Fernsehen, weil es nun jedem möglich ist zu Publizieren. Und das tun die Menschen auch.überall wird gebloggt, getwittert, kommentiert und provoziert. All das dient zwar auch, aber nicht nur der bloßen Kommunikation, wie eine SMS. Selbstverständlich twittern Menschen auch, weil sie dadurch Geld sparen können. Das ist trotzdem nicht alles. Bloggen und Twittern findetöffentlich statt und davon geht ein Reiz aus. Es ist der, auch unbewußte, Reiz amöffentlichen Diskurs, am zementieren seiner Meinung, die auch in der Flüchtigkeit des Internets eine Permanenz erlangt. Es besteht ein großer Bedarf an Meinungen, an Kommunikation und Information. Sind das nicht Bestandteile einer Zeitung, eines Magazins oder auch einer Fachzeitschrift? Trotzdem werden weniger Zeitschriften verkauft. Das mag am Internet liegen. Aber weder Fernsehen noch Radio und imübrigen auch nicht das Internet, haben es in einer gemeinsamen Anstrengung geschafft das Buch zu vernichten. Zwar erfordern neue Umstände neue Medien, aber der Blick darf nicht nur auf der Form des Vermittelns ruhen. Es muss geschaut werden, was vermittelt wird. Genau...

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