Konstruierte Wirklichkeit

Konstruierte Wirklichkeit

Die Welt wandelt sich von Territorialstaaten in eine globalisierte Welt. Firmen gehören nicht mehr nur einem Staat an, sondern vielen. Unternehmen bekommen mehr und mehr Macht, ihnen werden Rechte zugestanden, die vorher nur Menschen vorbehalten waren. Sie beeinflussen das politische Geschehen, machen und stürzen Könige. Die Menschen kommunizieren über ein weltweites Netz, das immer zentraler in der Rolle des täglichen Lebens ist. Einige der mächtigsten Firmen erhalten Immunität gegenüber den normalen Gesetzen. Es besteht die Möglichkeit, dass Konzerngelände zu einem extraterritorialem Gebiet wird. Und irgendwann bricht die Matrix zusammen und mit ihr die Welt. Das war ein kleiner, simpel-gehaltener Auszug aus der Geschichte von Shadowrun. Auch wenn es gegen Ende offensichtlich fiktional wurde, war der Anfang den heutigen Zuständen doch sehr ähnlich. In Shadowrun ist die Welt eine Konzern-gelenkte Dystopie. Geld regiert die Politik, die Menschen kann man meist zu Recht als Lohnsklaven bezeichnen und die Erde ist vernarbt von Naturkatastrophen und Umweltverschmutzung. Also ist die Welt unserer schon ähnlich, nur Shadowrun ist inzwischen 60 Jahre weiter in der Zukunft. Heute ein Bild von so einer Zukunft zu machen liegt nahe. Aber Shadowrun ist 1989 erschienen und hat damit eine gewisse Weitsicht gezeigt. Als Historiker stelle ich mir natürlich die Frage, wie man Geschichte so glaubwürdig und treffend konstruiert. Da habe ich hier auch keine Antworten drauf, aber wollte an dieser Stelle mal mutmaßen und die Welten vergleichen. Auf gewisser Ebene sind Menschen immer Menschen und wir als Menschheit bewegen uns in Zyklen. Wir haben einige Verhaltensmuster, die wir generationsübergreifend teilen. Shadowrun scheint einige davon als Grundlage zu nehmen und überlegt wie eine Gesellschaft so auf extreme Ereignisse reagiert. Krieg und Katastrophen sind z.B. zwei Ereignisse, die sowohl in der echten Welt als auch in Shadowrun die Gesellschaft stark beeinflussen. Dazu kommen aber auch fiktionale Zäsuren, wie das Auftreten von Magie, der Mutation der Menschheit und … Drachen. Durch all diese Einschnitte zieht sich aber eine Konstante: Die Konzerne. Angetrieben von Wachstumseifer versuchen sie aus jeder Situation ihren Vorteil zu ziehen und gestalten so die Welt mit. Wenn man sich anschaut, wie Lobbyarbeit in Amerika schon funktioniert und das dort auch Konzerne ein Recht auf freie Meinungsäußerung (durch Geldspenden an Politiker) haben, scheint das sehr realistisch. Die technische Seite der Shadowrun-Welt wurde vorher schon oft ausgefeilt. Globale Kommunikationsnetze, Virtual Reality, Cyber-Gliedmaßen und Drohnen – alles Sachen, die es vorher schon gab und die bei uns inzwischen zum greifen nah sind....

Mehr

Das soziale Brett vor dem Kopf

Schon mal vorweg, der Artikel wird im Verlauf unwissenschaftlicher, also keine Angst ;-). Im Rahmen meiner Prüfungsvorbereitung beschäftige ich mich mit der Quellenkritik von Internetquellen. Bei der Diskussion des Themas ist mir eines aufgefallen. Es wird festgestellt, dass man bei Internetquellen zwischen privaten/ kommerziellen Quellen und wissenschaftlichen Quellen unterscheiden soll.1 Dem Gedanken liegt natürlich zugrunde, dass private und kommerzielle Texte nicht den wissenschaftlichen Standards entsprechen können. Sie können subjektiv sein, methodisch unzureichend oder mit einer bestimmten Intention geschrieben worden sein. Dem stimme ich vollkommen zu. Aber die Betonung der Vorsicht bei unwissenschaftlichen Quellen klingt im Umkehrschluß wie eine Heiligsprechung der wissenschaftlichen Quellen. Der Eindruck wird noch verstärkt, da geschrieben wird, dass die Quellenkritik anzuwenden ist, wenn die Quelle nicht aus einer wissenschaftlichen Sammlung stammt.2 Dabei ist immer kritisch mit Quellen umzugehen. Auch Wissenschaftler machen Fehler und alles ist mit einer gesunden Skepsis zu betrachten. Das zeigt, was wohl bekannt ist, nämlich dass Gewohnheit fahrlässig macht. Das Neue, in diesem Fall das Internet, betrachten wir sehr genau und gehen hart mit ihm ins Gericht. Das Gewohnte, also traditionelle Medien, erscheint dabei nicht so schlimm. Vielleicht auch nur, weil wir uns lange keine intensiven Gedanken mehr darüber gemacht haben. Das gilt nicht nur für die Wissenschaft. Wie nehmen wir alle, also Du und ich – und der dadrüben, Informationen wahr? Das bestimmende Medium für den größten Teil der Gesellschaft ist das Fernsehen. Das wichtigste Medium für den einzelnen ist man selbst. Um das noch etwas zu erklären, werfe ich mal Maurice Halbwachs in den Raum. Was erstens gemein und zweitens ekelig ist, weil er vor gut 60 Jahren auf tragische Weise gestorben ist. Halbwachs hat Folgendes festgestellt. Wir verstehen Dinge indem wir sie mit anderen Vergleichen. Weil wir nicht jedes Ding selbst verstehen können, nehmen wir dazu auch das Wissen von anderen Menschen. Dazu lesen wir Bücher, gehen in die Schule, hören vom besten Freund warum seine Alte Lebensabschnittgefährtin so eine blöde Kuh wertvolle Person ist oder lernen aus den Fehlern anderer. Wir saugen ständig alles auf, packen es in Schubladen, die uns erleichtern neues Wissen zu verarbeiten. Im Endeffekt bedeutet das, dass wir nicht aus unser Haut können. Aber auch, dass die Gesellschaft das nicht kann. Wir sind alles Gewohnheitstiere und forcieren diese Gewohnheit auch. Gewohnheit macht das Leben möglich. Stellt euch vor, wir würden jeden fremden Menschen immer genaustens untersuchen. Jedes Auto, jedes Haus – alles was wir ständig...

Mehr

Digitale Geschichten

Wie man schon an den letzten Einträgen sieht, ist die Themenauswahl dieses Blogs eher chaotisch. Der einzige wirkliche rote Faden hier bin ich. Aber ein weiteres Thema dieses Blogs sollen geschichtswissenschaftliche Fragen sein. Eben auch ein Thema, das mir ständig durch den Kopf geht. Es ist nicht klar, ob es noch viele dieser Fragen in meinem Leben geben wird. Werde ich nach meiner letzten Prüfung eine wissenschaftliche Karriere einschlagen (können)? Zurück zu den Fragen. Im Moment untersuche ich die Geschichtsdarstellung in Computerspielen. Bei dem Thema stehe ich ganz am Anfang und arbeite an grundsätzlichen Überlegungen, wie ich an es herangehe. Was für Ergebnisse ich erwarte und wie ich diese analysieren kann. Dabei arbeite ich zuerst völlig alleine. Ich habe während meiner Magisterarbeit gemerkt, dass ich ganz gut auf eigene Ideen komme. Es ist, glaube ich, von Vorteil, wenn man zuerst eine eigene Position schafft, die man dann mit denen anderer Wissenschaftler vergleichen kann. Innovation tritt vor allem auch da auf, wo zwei gegensätzliche Meinungen aufeinandertreffen. Nicht dort, wo vorhandenes Wissen nur kanonisiert wird. Es hat sich schon gezeigt, dass ich hauptsächlich auf fremdsprachige Literatur zurückgreifen muss. In einem eJournal wurde Deutschland 2003 als weißer Fleck auf der wissenschaftlichen Landkarte unterhalb Dänemarks bezeichnet. Das scheint sich noch nicht sehr geändert zu haben. Schade. Manchmal habe ich das Gefühl, wir drehen uns wissenschaftliche immer nur um uns selbst. Wie ein Hund, der seinen Schwanz fängt. Aber das sind starke Worte, von einem nicht mal fertigen Studenten. Warum das Thema Geschichtsdarstellung in Computerspielen überhaupt relevant ist und (nicht nur) Nerd-Interesse von mir erkläre ich nächstes Mal. Heute geht’s um meine grundsätzlichen Überlegungen, weil der Blog meinem Arbeitsplan folgt und keiner redaktionellen Planung. Eine Erforschung der Geschichtsdarstellung in anderen Medien, wie Büchern oder Filmen, erfolgt schon regelmäßig. Wobei ich schon das Gefühl habe (mal wieder), das in der deutschen Forschung eine öffentliche Behandlung von Filmen durch Laien eher Ketzerei ist. Welche Charakteristika haben die jeweiligen Medien? Zuerst würde ich alles ganz grob unterteilen. Beim Buch, sowie bei allen anderen Medien, kommt die Erzählung. Egal welchen Mustern die Erzählung folgt, es wird ein Inhalt medial transportiert. Etwas wird weitergegeben. Dieser Inhalt kann objektiv oder subjektiv sein, distanziert erzählt oder persönlich. Während ein Lexikonartikel eher nüchtern ist, ist die Erzählung der Erfahrungen eines Familienmitgliedes eher persönlich. Mit dem vermittelten Inhalt ändert sich auch die Wahrnehmung der Empfänger. Als nächstes würde ich die Struktur betrachten. Der...

Mehr