Waffen als Problemlöser

Waffen als Problemlöser

Es gibt Themen zu denen nichts mehr gesagt werden muss, weil schon so viele darüber reden. Allerdings gibt es Themen bei denen es sich noch falscher anfühlt gar nichts zu sagen. Ich denke hierbei natürlich an den Amoklauf in Newton. 28 Menschen sind dabei ums Leben gekommen, ein Großteil davon Kinder. Es ist ein Ereignis, das mich berührt, auch wenn ich bei solchen Dingen eher abgestumpft bin. Das Abstumpfen scheint wohl ein Nebeneffekt der geschichtswissenschaftlichen Arbeit zu sein. Ich empfinde tiefen Respekt vor den Lehrer(inne)n, die gestorben sind als sie die Kinder beschützt haben. Während die Umstände der Tat geklärt werden, entfacht wieder die alte Debatte über Für und Wider der amerikanischen Waffengesetze. Meine Position ist dabei klar auf der Seite der Waffengegner, auch wenn ich mich selbst für Waffen interessiere. Es geht hier aber nicht um meine Meinung, es sollte nie um eine einzelne Meinung gehen. Die wenigsten Menschen sind entweder vollständig für oder gegen Waffen. Trotzdem bilden sich diese absoluten Lager und machen Kompromisse unmöglich. Was beiden Parteien auch ganz recht ist. Beide Parteien sind unwillig den anderen zu verstehen und das ist für eine Lösung die Grundlage. Das gilt auch für uns Außenstehende. Die Haltung der Amerikaner erscheint uns oft verrückt und nicht zuletzt dumm. Wir können nur schwer nachvollziehen, was Waffen für die amerikanische Gesellschaft bedeuten. Sie sind ein Teil des kulturellen Selbstwertgefühls der Nation. Die Amerikaner haben oft für ihr Land (ob nun zurecht oder nicht) gekämpft und Waffen haben dadurch ein positives Bild bekommen. Sei es durch den Unabhängigkeitskrieg oder den Sieg der Greatest Generation über die Nazis. Für viele Amerikaner ist die USA ihr Land, ihr Grund und Boden und das möchten sie verteidigen. Nimmt man Ihnen die Waffen, nimmt ihnen ein Recht und lässt sie schutzlos zurück. Durch die Arbeit der Lobbys wie die NRA, sind Schusswaffen allgegenwärtig ins tägliche Leben integriert. Früh werden auf Volksfesten Hemmungen abgebaut. Hier macht die AWO kleine Grillfeste auf dem Dorf, in Amerika die NRA. Statt Dosenwerfen gibt es Schießstände und im Grunde sind beides Geschicklichkeitsspiele. So werden Gewehre  zu Gebrauchsgegenständen wie Messern und Baseballschlägern mit denen man auch ohne weiteres Menschen umbringen kann. Ich glaube kaum, dass ein Verbot von Waffen die Gewalt aus der Welt schaffen kann. Das muss es auch nicht. Wenn die Zahl der Gewalttaten dadurch zurückgeht, dann ist es das auch schon wert. Die Diskussion rund um die Waffengesetze lenkt tragischerweise...

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Der Digitale Widerstand

Der Digitale Widerstand

Wann kam eigentlich das letzte Mal etwas wirklich Gutes im Fernsehen? Vor allem etwas, dass man nicht schon im Internet, Kino oder auf DVD gesehen hat? Die meisten guten Sachen kommen jedenfalls nach Deutschland und werden hier nicht produziert – höchsten schlecht übersetzt. Was ist mit Musik? Wie viele wirklich kreative Musiker gibt es noch? Wie viele Lieder drücken wirklich aus, was ihr fühlt?  Solange man nicht auf RTL2 oder Casting-Shows steht, ist man außen vor. Wie sieht es mit Politik aus? Wer interessiert sich für Politik? Wer nicht und warum nicht? Politik geht jeden an. Aber wer fühlt sich von der Politik noch berücksichtigt? Die Gesellschaft klafft auseinander. Nicht nur zwischen Arm und Reich oder Modern und Konservativ, sondern auch zwischen Online und Offline. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Im Technologischen, wie Gesellschaftlichem. Und das Brechen, das Brechen tun wir. Wir sind die Jungen, die Alten, die Außenseiter, die Hipster, die Nerds, die Couchpotatoes und die Drama Queens. Wir arbeiten als Lehrer, sind Schüler und Rentner, schuften an der Kasse, am Band, Schreiben über Gott und die Welt oder verkaufen Versicherung. Wir sind alle und wir sind keiner. Keine Schublade ist groß genug, aber gemeinsam haben wir, dass wir digital Leben. Wir arbeiten online, schaffen Welten aus Bits & Bytes,  sind vernetzt, teilen, konsumieren, remixen und vor allem: Wir produzieren. Youtube, Vimeo, Scribd, Flickr, Deviantart, Blogger, WordPress, Reddit, Soundcloud, Github, sourceforge – unsere Kreativität füttert das Web. Natürlich auch mit viel Müll, aber hat jemand in der letzten Zeit Deutschland sucht den Superstar geguckt? Produziert wird fast nur noch für den Mainstream, was ihn nicht anspricht hat wenig Chance. Aber während wir unser Geld irgendwo in einem Büro verdienen, versuchen wir der Welt etwas von uns mitzugeben. Wir singen, zeichnen, schreiben und manche von uns schaffen etwas ganz Großes. Hier entstehen Spiele, die sonst keine Chance gehabt hätten, Serien, keiner ausstrahlen wollte und Genres, die vorher keiner kannte. Das Netz ist unser Medium, unser Werkzeug und unser home ground. Darum verteidigen wir es und nicht damit wir in einer kostenlos Kultur folgen können. Wir sind nicht dumm, wir wissen genau, dass Spiele, Filme und Musik produziert werden müssen. Deswegen geben wir auch unser Geld dafür. Wir haben nichts dagegen, dass jemand Reich und Berühmt mit einer Idee wird. Wir wundern uns höchstens warum Unternehmen, die von uns gerettet werden mussten, heute wieder große Gewinne machen und wir immer noch...

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Gegen Windmühlen mit pipa in den Augen

Gegen Windmühlen mit pipa in den Augen

Gestern erlangte Ansgar Heveling im Internet einen gewissen Grad der Berühmtheit. Der Jurist, der weder als Urheberrechtler  des Rechtsausschusses im Bundestag, noch als Mitglieder Enquete-Kommission Internet bisher groß im Mittelpunkt stand, ist jetzt mit seinem Beitrag Thema vieler netzpolitischer Schlagzeilen. Wobei „Schlagzeilen“ durchaus bildlich zu verstehen ist, denn die meisten versuchen ihn irgendwo zu treffen. Heute ist der Tag danach. #Hevelingfacts wurden auf Twitter gesammelt, seine Seite gehackt, gespottet und gelacht. Doch was bleibt? Entweder tritt er nach und es erscheint noch ein Pro-Heveling Artikel in einer Welt.de-Kolumne oder es wird ganz schnell wieder still um den Abgeordneten aus Wahlkreis 111. Was ist passiert? Ansgar Heveling (CDU) prophetzeit das Ende des Web 2.0 und der damit verbundenen „verlorenen“ Generation. Er schreibt „Es lohnt sich, unsere bürgerliche Gesellschaft auch im Netz zu verteidigen!“ und übersieht in seinem möchtegern geekigen Text, dass auch das Digitale zur bürgerlichen Gesellschaft gehört. Dabei stellt er fest, dass wir netzaffinen Menschen uns in einem Herr der Ringe ähnlichen Kampf gegen das Böse sehen und die klassische Gesellschaft mit Mordor gleichsetzen. Auf diesem Weg wird aber unser digitales Blut vergossen werden. Er beschwört den Geist der französischen Revolution herauf, durch den die Bürger sich Wohlstand erarbeiten konnten. Wobei er geistiges Eigentum mit Geldwerten gleichzusetzen scheint und damit der französischen Revolution einen ungeahnten kapitalistischen Charakter gibt. Die Menschen sollen sich gegen die digitale Revolution wehren, bevor nur noch Trümmer von der Zivilisation übrig sind. Was Don Quijote zu einem liebenswert-tragischen Helden macht, ist hier nur noch traurig. Auch wenn Heveling wieder aus dem Fokus der Aufmerksamkeit verschwindet, löst er sich nicht in (heißer) Luft auf. Er ist weiterhin Mitglied des Bundestages und zwei wichtiger Internet relevanter Gremien. Dort wird er weiterhin mit PIPA in den Augen vorerst gescheiterten US Gesetzesinitiativen wie SOPA nachtrauern. Ich denke nicht, dass er der einzige mit dieser Einstellung ist und diese Menschen formen unser digitales Kulturmedium mit. Das ist einer der großen Unterschiede zu den Vereinigten Staaten. Dort hat man erkannt, dass das Internet zur Gesellschaft gehört. Man ist sich der Wichtigkeit bewusst und so kämpfen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft um die Kontrolle des Netzes. Hier wird der Kampf oft noch mit Heugabeln und Fackeln ausgetragen. Es ist ein Kampf der von Angst und Panik genährt wird, als wären wir auf dem Niveau von Heinrich Kramer stehengeblieben. Selbst die Wirtschaftsverbände, wie die GEMA, sehen das Internet mehr als Feind und nicht als Einnahmequelle, was wohl...

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Besessenheit

Besessenheit

Oft setzt sich eine Idee in meinem Kopf fest. Unvermittelt springt sie mitten in meine Gedanken, ohne Rücksicht darauf, ob ich gerade mit jemandem rede oder in der Bahn sitze. Ersteinmal eingedrungen ergreift sie Besitz von mir und ich tue alles. Um sie zu verwirklichen. Sie lässt mich nicht mehr los bis ich sie verwirklicht habe. Ich bin besessen von ungeschriebenen Texten und bald geschossenen Bildern, von ungesehenen Plätzen und ungeschehenen Taten. Viele Menschen sehen in mobilen Geräten eine Erleichterung, für mich ist es jedoch eine lebensnotwendigkeit. Ohne einen Laptop oder ein iPad wäre die ganze zeit dabei meine Gedanken im psychokillerstil an Wände und sitze zu kritzeln. Bevor es jemand sagt, auf Blöcken kann ich schlecht schreiben, jedenfalls ohne Tisch. Diese besessenheit treibt mich und zerstört mich. Ohne sie wäre meine Magisterarbeit zwar auch fertig geworden, aber nicht so gut, wie sie es wurde. Ich habe nicht die letzten Wochen 14 Stunden am Tag damit verbracht, weil ich es musst, sondern da es mich mitgerissen hat. In der Arbeit ging ich auf, immer auf der Suche nach dem nächsten Detail, der nächsten Frage und deren Antwort, die unweigerlich wieder zu Fragen führte. Diese Besessenheit frisst einen Teil von mir. Aber gute Arbeit enthält immer ein Stückchen Seele. Sie enthält Blut und Wut und Hoffnung und Eitelkeit des Autors, sie ist ein Teil von ihm, der herausgerissen wird und nun für sich steht. Man lässt mit einem abgeschlossenen Projekt immer ein Fragment von sich zurück. Es ist keine Liebe. Liebe nimmt nicht, Liebe respektiert, Liebe gibt und Liebe sorgt. Aber Besessenheit nimmt, sie fordert. Es ist die Besessenheit, die Leiden schaft, dafür dass die eigene Arbeit am Herzen liegt, wichtig genug ist, um etwas Großes zu werden. Was bei aller Begeisterung aber wichtig ist, ist sich auszuruhen, die Lücken in einem selbst wieder zu schließen. Man darf in der Arbeit aufgehen, aber sich nicht auflösen. Das muss ich allerdings noch üben. Es ist, denke ich, auch das...

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Katastrophentouristen im Meinungspluralismus

Katastrophentouristen im Meinungspluralismus

Mit zwei Dingen wird man im Internet ständig konfrontiert. Erstens Aktfilmen zweifelhafter Qualität und zweitens Meinungen. Natürlich wären da noch Spam und Werbung, aber ich meinte nur sinnvolle Dinge. Auch wenn ich niemanden enttäuschen will, möchte ich an dieser Stelle über Meinungen reden und nicht über nackte Haut. Zu den meisten Dingen haben wir eine Meinung. Selbst wenn unsere Meinung ist, dass etwas einer Meinung unwürdig ist. Sie kommt durch Erfahrung zustande, basierend auf ähnlichen Erlebnissen, auf unserem kulturellem Hintergrund und auch durch die Meinung der Menschen denen wir vertrauen. Wir können Meinungen oft besser vertreten, je mehr wir über diese Wissen. Was spricht dafür? Was dagegen? Gibt es überhaupt eine richtige Meinung oder nur mehrere Sichtweisen? Trotz der Möglichkeit sich immer und jeder Zeit über ein Thema zu informieren, haben die Entwicklungen im Internet und Journalismus dazu geführt, dass es kaum noch begründete Meinungen gibt. Oder besser: Jeder wirft seine Meinungen in einen großen Topf, schaut sich aber weder nach anderen Meinungen um, noch diskutiert man wirklich darüber. Was hat zu dieser Entwicklung geführt? Zum einen haben wir die klassischen Massenmedien: Fernsehen, Radio und Print. Diese existieren zwar zur allgemeinen Unterhaltung, aber eben nicht nur. Ihr Angebot soll verkauft werden, egal ob Nachrichten oder Seifenoper, über die Einschaltquoten muss durch Werbung und Merchandising Geld in die Kasse. Das Programm muss so gestaltet werden, dass es möglichst vielen Menschen möglichst gut gefällt. Das sorgt zum einen für eine ständige Überprüfung der Sendequalität und zum anderen dafür, dass die Inhalte auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet werden. Wer mir jetzt am liebsten ins Wort fallen möchte, um mir dann den Widerspruch von Qualität und entweder Heidi Klums Kleiderständer Casting oder Dieter Bohlens Klonversuche um die Ohren zu schlagen, den kann ich verstehen. Dabei sind die beiden Shows aber eben der Beleg einer Qualitätssicherung für eine bestimmte Zielgruppe. Es wird meist versucht den größten Haufen an Zuschauern zu gewinnen und das ist selbst im geburtenarmen Deutschland die Mischung aus Teenies auf Identifikationssuche und Fernsehkatastrophentouristen, die sich ordentlich fremdschämen wollen. Aber genau da liegt der Hund begraben. Das Programm soll eben nicht allen gefallen, sondern nur bestimmten Gruppen, am besten der größten. Man tut natürlich alles um diese Zielgruppe zu pflegen und zu nähren und versucht sich nicht zu vergraulen. Durch das Vorenthalten von kontroversen, gegenteiligen Meinungen bestätigt man das Weltbild einer Gruppe, verhindert aber auch mehrere Seiten eines Problems kennen zu lernen. Das kann...

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Nori

Nori

Heute ist leider Nori gestorben. Jetzt wird es für immer ungeklärt bleiben, ob er nun Fußfetischist war oder nicht. Schade, dass ich nicht mehr Zeit mit ihm verbringen konnte, aber ich wünsche ihm alles Gute. Gute Nacht kleiner Bär. Du bist etwas ganz besonderes. Und wenn Du so traurig bist, wie ich, dass wir uns nicht mehr Streiten können, hör das...

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