Deutsche Neidkultur

Deutsche Neidkultur

In den letzten Tagen wird viel darüber diskutiert, dass man in Deutschland nun auch deutsch sein müsste. Ansonsten ist es zweifelhaft, dass man überhaupt hierher gehört. Es geht bei dieser Einstellung darum die Lebensumstände zu schützen und zu sichern, das kann ich akzeptieren. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob sie überhaupt in Gefahr sind und ich die Chancen in einer Weiterentwicklung des eigenen Horizonts sehe. Was ich tue und gut finde, hängt für mich nicht davon ab, was die anderen tun und gut finden. Außerdem muss ich niemanden vorschreiben, was er zu mögen hat. Mehr möchte ich darauf an dieser Stelle auch nicht eingehen, es geht mir um etwas anderes. Was ist denn nun deutsch? Deutsche Werte, Deutsche Kultur und das Deutsche Abendland muss gesichert werden. Es ist Gefahr, da scheinen sich viele Menschen einig zu sein. Andere meinen sogar es wird angegriffen und einige sehen es schon verloren. Also was ist deutsch? Oktoberfest? Weißwürste? Schnitzel? Das sind zumindest unsere Exportschlager, aber für mich als Norddeutschen klingt es eher bayrisch. Schaue ich mich um, würde ich eher an Fischbrötchen, Currywurst und Helene Fischer denken. Genau da fangen auch schon die Probleme an. Zum einen will ich in den wenigsten Umständen mit Helene Fischer in Verbindung gebracht werden. Zum anderen liebe ich Currywurst, aber sowohl Curry als auch Ketchup haben wir dem asiatischen Raum zu verdanken. Und bevor ich ein Fischbrötchen esse, höre ich lieber einen Helene Fischer Song, obwohl ich mir der bleibenden Schäden bewusst bin. Fisch mag ich nur als Sushi, was mir ohne die kulturelle Globalisierung vorenthalten bleiben würde. Welche Dinge wirklich deutsch sind, welche Dinge man mag, das ist eben Geschmackssache. Es gibt natürliche regionale Ausprägungen, aber wirklich gesamt-deutsch ist das Wenigste. Aber was ist mit den Werten? Einigkeit, Recht und Freiheit, dem Grundgesetz, Moral, Pünktlichkeit und Genauigkeit? Hier übernimmt die CSU eine Vorreiterrolle. Lautstark und Dominant fordern sie ein Bekenntnis zur Fassung, zu den deutschen Werten und insbesondere den Rechten der Frau. Unklar bleibt dabei, ob die Rechte der Frau zum Thema werden, weil die Angst besteht, dass sie nicht mehr rechtzeitig zum Herd kommen. Das Abendessen wartet. Die jüngsten Vorschläge der CSU lesen sich ein wenig wie Satire. Freiheit, Respekt und Achtung – vor deutschen Werten und dem Christentum. Was ist mit atheistischen Homosexuellen? Auch die Forderung nach Recht und Rechtsstaat wirkt skurril, welche andere Partei scheitert mit ihren Initiativen so oft vor dem Verfassungsgericht...

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Über Angst

Über Angst

Angst ist ein wiederkehrendes Thema hier. Vielleicht sogar mein Lieblingsthema, wenn man es so nennen möchte. Ich halte den Angst und den Umgang mit ihr für einen der wichtigsten Aspekte des Lebens. Wir alle haben Angst, immer wieder. Sie ist einer unserer Grundinstinkte und zieht sich durch unser ganzes Leben. Jeder Mensch hat irgendwann an, garantiert nicht nur einmal . Mut zeigt sich meiner Meinung nach nicht in einem Fehlen von Angst, sondern daran, wie man mit ihr umgeht. Es hilft sich darüber klar zu werden was Angst überhaupt ist und wovor man im Moment Angst hat, um mutig zu sein. Also was ist überhaupt Angst? Ich verstehe Angst als eine Warnung an uns von uns selbst. Angst entsteht, wenn wir Gefahren befürchten, wenn wir etwas nicht verlieren würden oder uns Sorgen um etwas machen. Kurz gesagt: Wir haben Angst zu leiden, egal ob physisch, psychisch oder emotional. Wir erwarten, bewusst oder unbewusst, etwas Negatives und überlegen, wie wir dem entgehen können. Je weniger vermeidbar und schmerzhafter etwas aussieht desto größer wird die Angst. Sie kann uns bedrücken, sich wie eine Schlinge um den Hals legen und uns die Luft zum Atmen nehmen. Dadurch wird oft alles schlimmer, unser handeln verändert sich. Die ersten Schäden entstehen vielleicht dadurch, dass wir uns irrational verhalten und nicht durch das eigentliche Objekt unserer Angst. Sie ist nicht selten zusätzliches Leid, wenn wir nicht mit ihr umgehen können. Das ist schließlich was Angst gefährlich macht. Angst kann einen großen Nutzen haben, wenn sie uns als vorsichtige Warnung dient, aber ist vollkommen sinnlos, wenn sie uns nur behindert beschränkt und zusätzliches Leid verschafft. Ich kann immer nur von mir reden und was ich sage hat keine Allgemeingültigkeit. Aber für mich ist es eine Hilfe die Natur der Angst zu begreifen. Angst als Gefühl ist real, ihr Grund allerdings nie. Sie ist immer potentiell. Haben wir beispelsweise Angst davor uns beim Kochen zu verbrennen, endet die sie entweder mit dem Kochen oder mit der Verbrennung. Sie ist immer nur ein Platzhalter für was passieren könnte und löst sich letztendlich auf. Das heißt die Natur der Angst ist immer potentiell, sie ist eine Warnung, mehr nicht. Als genau das sollten wir sie nehmen: Als (un)freundlichen Hinweis. Wir sollten nicht unser Leben nach ihr richten. Denn genauso wenig wie Du wirklich sagen kannst was morgen passiert, kann es Deine Angst. Sie entspringt immer aus unserer Phantasie und...

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The End of Days

The End of Days

Das mit dem Leben ist so eine Sache. Es bremst für niemanden und auch, wenn es dabei ab und zu jemandem überfährt, ist es gut so. Eben wegen dieser kompromisslosen Art heißt es immer: Das Leben geht weiter. Gut, Deins vielleicht nicht, aber generell schon. Scherz beiseite, auch wenn es manchmal den Anschein hat, die Welt bleibt nicht stehen. Daraus ergibt sich immer Neues, das von selbst weder gut noch schlecht ist. Es ist vielleicht einfach oder unbequem, aber ob es positiv oder negativ ist, hängt zum großen Teil von unserer Einstellung ab. Mir ist zwar in den letzten Monaten viel Schweres passiert, aber fast ausschließlich Gutes. Für mich beginnt jetzt ein neues Leben, nicht nur ein Lebensabschnitt. Schon lange bevor ich single war, zeichnete sich das ab. Allerdings sah es da eher nach einem Abschnitt aus und nicht nach dem Ende aller Tage. Neuer Job, neue Wohnung, keine Frau. Ab April bin ich wieder, was ich am besten kann: Klugscheißer. Ich bin für 3 + 2 Jahre mit einer vollen Stelle an der Hochschule und darf wieder lehren und forschen. Als Sahnehäubchen werde ich für meine Doktorarbeit bezahlt. Ich habe die Arbeit beim NHB gemocht, aber die Stelle ist großartig. Warum ausgerechnet ich so ein Glück habe, weiß ich nicht. Aber als jemand, der jahrelang laut und öffentlich über die prekäre Situation an den Hochschulen gemeckert hat, triffts natürlich mal den Richtigen. Heißt das jetzt man soll nicht jeden Job annehmen, sich nicht unter Wert verkaufen und ordentlich meckern? Ich glaube nicht. Am Ende war es einfach nur Glück, weil ich durch andere glückliche Zufälle das Stellenprofil zu 100% ausgefüllt hatte und mit noch mehr Glück auch darüber hinaus. Dafür muss ich jetzt komplett neue Sachen lernen, bewege mich in einem vollkommen anderen Arbeitsumfeld und weiß nicht, wie das alles funktioniert. Aber ich freue mich sehr auf die Herausforderungen. (Randnotiz für meine Studierenden: Das ist nicht meine erste Hochschule. Ich google euch auch.) Nachdem ich über vierzig Wohnungen angeguckt hatte, bevor mich mal jemand haben wollte und die Wohnung auch hübsch war, habe ich endlich eine gefunden. Innerhalb von zehn Tagen musste ich den Umzug organisieren und bin froh, dass ich so gute Freunde habe. Es gibt Menschen, die setzen für einen alles in Bewegung und dafür danke ich allen. Jetzt habe ich eine schöne, große, stille Wohnung an einem tollen Fleck in Hannover. Drumherum sind ganz viele...

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Ebbe und Flut

Ebbe und Flut

Das Leben dreht sich immer ein wenig im Kreis, bewegt sich in bestimmten Zyklen. Manche davon bekommen wir nicht vollständig mit. Von der Geburt bis zum Sterbebett ist zum Beispiel einer, den wir nur bei anderen vollständig beobachten können. Andere haben wir schon hinter uns. Ein immer wiederkehrender Zyklus ist laut Desmond Morris „Halt mich fest“, „lass mich los“, „lass mich allein“, wie bei aufwachsenden Kindern sehr schön zu beobachten ist. Bedürfnisse und Wünsche ändern sich mit den Lebensphasen und jeder durchläuft diese drei Phasen immer wieder in zwischenmenschlichen Beziehungen. Oft wird gesagt, man trennt sich, weil man sich auseinander gelebt hat. Man fühlt sich mehr als Freunde oder Geschwister. Das Gefühl kenne ich gut. Das hatte ich nicht nur bei Sophie, auch bei anderen Frauen schon. Aber eben phasenweise. Das wichtigste ist für mich, sich nicht darauf zu konzentrieren, sondern es zu beobachten und zu akzeptieren. Irgendwann geht es dann wieder. Manchmal nach ein paar Wochen, manchmal nach einigen Monaten. Lieben zu können, heißt den Wandel akzeptieren zu müssen. Auch den Wandel des eigenen Herzens. Nichts ist ewig, auch kein Gefühl und auch kein negatives Gefühl. So kam es auch immer wieder zu „Halt mich fest“ Phasen bei mir, auch nachdem schon länger „lass mich los“ und manchmal „lass mich alleine“ den Ton angaben. Wer diesen Wandel nicht akzeptieren kann, kann keine dauerhafte, glückliche Beziehung führen. Sorgen und Panik zerstören alles. Wenn wir Ebbe und Flut beobachten, befürchten wir ja auch nicht, dass das Wasser irgendwo in einen magischen Abfluss läuft. Jedenfalls nicht nachdem man es ein paar mal beobachtet hat. Aber meistens scheint heute das Vertrauen und die Ruhe für so eine Beobachtung zu fehlen. Ich habe jetzt schon öfter gelesen, dass sich bei uns die Wegwerfgesellschaft auch auf zwischenmenschliche Beziehungen erstreckt. Das ist schade, weil unser Leben, unsere Erfahrungen und unsere Erinnerungen durch diese kurze Zeit begrenzt ist, die wir Leben dürfen. Für mich ist der Wandel in einer Beziehung von Vorteil. Wenn man sich liebt (wie auch immer die Definition ist) und in einer der nicht so anhänglichen Phasen ist, kann man die Zeit doch gut für das eigene Leben nutzen. Man konzentriert sich wieder auf das Individuum, das man ist. In einer späteren Phase, wenn die Bedürfnisse befriedigt sind, kommt man sich wieder näher. Nicht jede Beziehung macht das mit, nicht jeder Partner ist damit glücklich. Aber wenn beide den Wandel akzeptieren, ist es...

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Über Liebe/ Über Uns #update

Über Liebe/ Über Uns #update

Die Beiträge der letzten Tage sind schon fast ein kleines Buch oder eine Abhandlung darüber, wie ich mit allem Umgehe. Was ich denke und versuche anders zu sehen. Über eine Sache habe ich bis jetzt wenig nachgedacht und das ist die Liebe an sich. Das wäre dann auch das nächste logische Kapitel in meinem Verarbeitungsmarathon. Aber es hat sich gezeigt, dass ich an dem Punkt sehr wenig zweifle, sehr wenig daran ändere. Ich sehe Liebe heute noch genauso, wie vor zwei Jahren, wie vor sechs Jahren, wie vor acht Jahren. Ich fühle mich höchstens, selbst durch die Trennung, bestätigt. Ich kann nur davon sprechen was ich denke, was Liebe ist. Kein Gefühl ist stärker, komplexer, verwirrender und vielfältiger. Liebe steht für mich nicht im Gegensatz zu sexueller Anziehung und Schmetterlingen im Bauch, aber es ist für mich etwas anderes. Ich flirte sehr gerne, lerne sowieso gerne Menschen kennen und wenn daraus dann Schmetterlinge und guter Sex entstehen, dann ist das doch etwas Schönes. Aber Liebe kommt später. Liebe entsteht, wenn die Schmetterlinge langsam verschwinden. Wenn man über den Punkt der puren Leidenschaft hinaus ist. Wer das jetzt unromantisch, vernünftig und langweilig findet, hat unrecht und ich hoffe, ich kann das gut genug darstellen. In jeder Beziehung gibt es den Punkt an dem die Schmetterlinge dauerhaft oder zeitweise weg sind. Das ist ein Punkt vor dem ich Angst habe, ein Punkt an dem ich auch zwei, vielleicht drei Mal in meinem Leben war. Bei einer acht-jährigen Beziehung kommt das natürlich auch vor. Genauso wie es vorkommt, dass man auch Gefühle für jemand anderen entwickelt, von einer gewissen Anziehung bis hin zu Schmetterlingen. Warum sollte man in einer Beziehung bleiben, wenn die Gefühle woanders zeitweise intensiver sind? Das kann ich niemandem sagen, ich kann wieder nur sagen, wie es für mich ist. Ich habe irgendwann von der Vorstellung losgelassen, immer Schmetterlinge haben zu wollen. Was desillusioniert klingt, war einer der größten Segen für mich. Meine Ansprüche sind nicht niedriger geworden, aber meine Erwartungen haben sich geändert. Durch diese innere Freiheit konnte sich das Gefühl in mir von Schmetterlingen zu tiefer Verbundenheit, Mitgefühl und Vertrauen entwickeln. Zu Liebe. Eine Liebe, an die ich keine Erwartungen habe. So hat sich die Liebe immer entwickelt. Wenn ich mehr mit mir Probleme hatte, habe ich kaum gespürt, dass da etwas ist, außer einer guten und beruhigenden Gewohnheit. War ich freier und offener, habe ich mich...

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Weltübergang

Weltübergang

Es ist wieder die Zeit des Rückblickens und der Top 100 Listen, des Hoffens und des Bedauerns. In diesen Chor stimme ich jetzt auch mit ein. Weniger weil das Jahr zu Ende ist, sondern mehr weil sich mein Leben im Umbruch befindet. Von 2011 und 2012 habe ich nicht viel mitbekommen. Sie waren so schnell vorbei, dass ich nicht viel zum Bloggen und auch wenig zum reflektieren kann. Mehr noch: Sie waren so schnell vorbei, dass ich sie kaum wahrgenommen habe. Es fing eigentlich mit der Magisterarbeit, also schon 2010 an. Ich habe mich in meinen Elfenbeinturm zurückgezogen und meine Gedanken sind nur um die Arbeit gekreist. Danach kam der fließende Übergang zwischen lernendem und lehrendem Universitätsmitglied, der einen Bruch, wie er nach der Uni üblich ist, verhinderte. Ich arbeite immer noch mit den gleichen Leuten, nur stehe ich auf einer anderen Seite. Als dann noch das Dach kaputt ging und ich viel, viel Geld auftreiben musste, war ich sowieso wieder im Überlebensmodus. Panischer und extremer, aber der Magisterphase ähnlich. Dieser wurde dann immer wieder verstärkt, erst durch den Unfall meiner Oma, dann durch die zweite Rieseninvestition in das Haus und letztlich durch die Jobprobleme an der Uni. Es ist immer noch alles sehr kritisch und nicht im grünen Bereich, aber es ist nicht mehr extrem. Jedenfalls für den Moment. Darum habe ich schließlich mein Leben eingeholt und fange wieder an es zu führen. Wenn man ständig um das Überleben kämpft, lebt man irgendwann nicht mehr, sondern kämpft nur. Natürlich wäre ich in den letzten Jahren nicht gestorben, aber zum Leben gehört mehr als zu atmen. Jetzt wird mir langsam bewusst, dass ich kein Student mehr bin, dass es ein Leben außerhalb der Universität gibt. Das ist auch nötig, da mir an der Uni ein paar Dinge Angst machen. Zum einen die unsicheren Jobverhältnisse und die (nicht immer realen) Geldprobleme der Universitäten. Zum anderen die Zwölf-Jahres-Regel. Sie ist auch der eigentliche Hauptgrund, da ich zwar Unmengen an Ausdauer habe, sie aber mein Durchhaltevermögen zum nebensächlichen Faktor degradiert. Vereinfacht besagt sie, dass man nach 12 Jahren unbefristeter Beschäftigung an keiner deutschen Universität mehr arbeiten darf. In einem Arbeitsumfeld wo Professuren selten und befristete Verträge die Regel sind, ist das ein Damoklesschwert von enormen Ausmaßen. Besonders, da meine „finale“ Arbeitslosigkeit mit knapp über 40 eintreten würde. Wer nimmt dann einen Dozenten mit völlig wirtschaftsfremden Fertigkeiten? Darum habe ich mich jetzt vereinzelt in...

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