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Gefühlte Klarheit

Gepostet von am Nov 16, 2016 in Artikelbild, Blog, Menschen, Politik | Keine Kommentare

Gefühlte Klarheit

Donald Trump wird Präsident der USA. Das ist weniger ein gelungener Einstieg in diesen Artikel als eine aktuelle Schreibübung für Autoren. Der Satz kostet Überwindung. Scheinbar haben diese Worte eine immanente Macht und als Schreibender muss man befürchten damit ein weiteres Unheil zu beschwören. In Feuilletons und Kommentaren scheint die Lösung dafür irgendwo zwischen dunkler Schokolade und Sloe Gin zu liegen. Ich selbst habe es mit dem Tod versucht, ein Fried Chicken nach dem anderen. Leider habe ich dadurch wahrscheinlich nur neun Minuten Lebenserwartung verloren. Deswegen muss ich mich jetzt damit auseinandersetzen, dass der mächtigste Mann der Welt eher Charakter einer politischen Satire sein könnte als Produkt des demokratischen Prozesses. Die Suche nach den Gründen für diese Entwicklung führt uns schnell zu den Themen wie postfaktisches Zeitalter, gefühlte Wahrheit und enttäuschte Mittelklasse. Es ist nicht zu bestreiten, dass diese Wahl auch ein Aufbegehren gegen die Eliten war. Aber diese augenscheinliche Klarheit ist irreführend. Nicht nur von den Abgehängten und Vergessenen, sondern von Vielen, die vom aufgedunsenen politischen Konvolut genug hatten. Diese Abscheu ging so weit einen Hass predigenden und verlogenen Mann zu wählen dessen krude Botschaften sich auch gegen das eigene Geschlecht und die eigene Herkunft gerichtet haben. Zwar haben ihn größtenteils weiße Männer gewählt, aber auch Frauen und Latinos gehörten zu seinen Unterstützern. Diesen Fakt auf Dummheit zu schieben die Amerikaner zu belächeln, wäre eitel und fatal. Das ist schon deshalb richtig, da es kein amerikanisches Phänomen ist. Wir brauchen nicht weit zu reisen, um mit dem Brexit eine ganz ähnliche Entwicklung zu finden. Dort wurde der Wahlkampf ebenso mit Gefühlen und ohne faktische Untermauerung geführt. Mehr noch: Experten werden verteufelt. Wenn man selbst für einen Moment die Fakten außen vor lässt, dann wird vielleicht nachvollziehbar, wie es sich anfühlt, von einem Außenstehenden die eigene Lebenswelt erklärt zu bekommen. Dieses Gefühl ist für jeden Nachvollziehbar, der schon beim Steuerberater war oder sich an die eigene Schulzeit erinnert. Die Forderung miteinander in den Dialog zu treten ist der richtige Weg. Doch wie? Die eine Seite erscheint rational, die andere irrational, panisch, wütend. Allerdings sollte man die Selbstanalyse mit der nötigen Ehrlichkeit anstellen, denn Angst und einen gewissen theatralischen Fatalismus können wir sehr wohl nachvollziehen. Gerade jetzt. Um den Gedanken weiterzutreiben: So wie wir uns jetzt fühlen, haben sich viele Republikaner gefühlt als Barack Obama gewählt wurde, besonders die Tea Party. Jeder Mensch erlebt seine eigene Realität. Alle Wahrnehmungen werden durch die eigenen Erfahrungen beeinflusst, gefiltert und gerahmt. Das hat schon Maurice Halbwachs vor gut 100 Jahren festgestellt. Dafür müssen wir ein offenes Ohr haben, genau wie für die Argumente der anderen. Ein ausgleichendes Element sollte die vierte Gewalt sein, die Presse. Leider ist sie auch in einer Mischung aus Schock und Gefühlsduselei versunken. Stündlich prasseln weitere Berichte über Proteste, Hillarys Tränen oder Trumps Unglaublichkeiten auf uns ein. Die wenigsten von Ihnen versuchen Inhalt in den postfaktischen Strom zu bringen. Dabei schaffen es diese Informationen, dass wir wieder Boden unter den Füßen bekommen. Sie sind die Grundlage für unser Denken, Handeln und Sprechen. Wie sollen wir von einer gefühlsbasierten Debatte auf konstruktive Diskussionen kommen, wenn selten über komplexe Inhalte informiert wird? Beispielsweise scheint noch niemand berichtet zu haben, dass die Wählerstimmen bei den Republikanern seit 2008 relativ gleichmäßig bei 60 Millionen stehengeblieben sind. Während der demokratische Anteil seit Obamas erster...

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Deutsche Neidkultur

Gepostet von am Jan 20, 2016 in Artikelbild, Blog, Das Wort, Menschen, Politik | Keine Kommentare

Deutsche Neidkultur

In den letzten Tagen wird viel darüber diskutiert, dass man in Deutschland nun auch deutsch sein müsste. Ansonsten ist es zweifelhaft, dass man überhaupt hierher gehört. Es geht bei dieser Einstellung darum die Lebensumstände zu schützen und zu sichern, das kann ich akzeptieren. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob sie überhaupt in Gefahr sind und ich die Chancen in einer Weiterentwicklung des eigenen Horizonts sehe. Was ich tue und gut finde, hängt für mich nicht davon ab, was die anderen tun und gut finden. Außerdem muss ich niemanden vorschreiben, was er zu mögen hat. Mehr möchte ich darauf an dieser Stelle auch nicht eingehen, es geht mir um etwas anderes. Was ist denn nun deutsch? Deutsche Werte, Deutsche Kultur und das Deutsche Abendland muss gesichert werden. Es ist Gefahr, da scheinen sich viele Menschen einig zu sein. Andere meinen sogar es wird angegriffen und einige sehen es schon verloren. Also was ist deutsch? Oktoberfest? Weißwürste? Schnitzel? Das sind zumindest unsere Exportschlager, aber für mich als Norddeutschen klingt es eher bayrisch. Schaue ich mich um, würde ich eher an Fischbrötchen, Currywurst und Helene Fischer denken. Genau da fangen auch schon die Probleme an. Zum einen will ich in den wenigsten Umständen mit Helene Fischer in Verbindung gebracht werden. Zum anderen liebe ich Currywurst, aber sowohl Curry als auch Ketchup haben wir dem asiatischen Raum zu verdanken. Und bevor ich ein Fischbrötchen esse, höre ich lieber einen Helene Fischer Song, obwohl ich mir der bleibenden Schäden bewusst bin. Fisch mag ich nur als Sushi, was mir ohne die kulturelle Globalisierung vorenthalten bleiben würde. Welche Dinge wirklich deutsch sind, welche Dinge man mag, das ist eben Geschmackssache. Es gibt natürliche regionale Ausprägungen, aber wirklich gesamt-deutsch ist das Wenigste. Aber was ist mit den Werten? Einigkeit, Recht und Freiheit, dem Grundgesetz, Moral, Pünktlichkeit und Genauigkeit? Hier übernimmt die CSU eine Vorreiterrolle. Lautstark und Dominant fordern sie ein Bekenntnis zur Fassung, zu den deutschen Werten und insbesondere den Rechten der Frau. Unklar bleibt dabei, ob die Rechte der Frau zum Thema werden, weil die Angst besteht, dass sie nicht mehr rechtzeitig zum Herd kommen. Das Abendessen wartet. Die jüngsten Vorschläge der CSU lesen sich ein wenig wie Satire. Freiheit, Respekt und Achtung – vor deutschen Werten und dem Christentum. Was ist mit atheistischen Homosexuellen? Auch die Forderung nach Recht und Rechtsstaat wirkt skurril, welche andere Partei scheitert mit ihren Initiativen so oft vor dem Verfassungsgericht wie die CSU? Ach ja, die CDU. Es wird gebogen und gebrochen, was einem nicht passt, ohne Unrechtsbewusstsein oder Reflexion. Es steht das Ich im Vordergrund ohne Blick über den Tellerrand. Ansonsten würde es auch auffallen wie unglaublich anmaßend es ist so zu tun, als wären die Grundrechte eine deutsche Erfindung. Ich möchte das nicht. Ich will, das sich nichts ändert. Ich will nichts abgeben. Ich habe Angst. Was wollen die von mir? Das sind die Triebe und Fragen, die die CSU, Pegida und ähnliche Parteien befriedigen. Sie bedienen Neid und das ist, was für mich persönlich momentan deutsch ist. Was hat der andere, was habe ich und warum habe ich das nicht? „Nach oben Buckeln, nach unten treten“, das ist kein neuer Ausdruck, aber für mich schon fast ur-deutsch. Aber was steckt dahinter? Die wenigsten Menschen sind von sich schlecht und was schlecht ist, das ist nun auch eine persönliche...

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Kein menschenrechtsfreier Raum

Gepostet von am Aug 4, 2015 in Artikelbild, Blog, Politik | Keine Kommentare

Kein menschenrechtsfreier Raum

Es zieht wieder schlechtes Wetter über Neuland auf. Das ist grundsätzlich nichts Neues, das Klima hier ist immer etwas unfreundlich. Aber der Shitstorm, der gerade aufzieht könnte auch in der alten Welt Verwüstungen hinterlassen. Was dort gerade passiert ist auf so vielen Ebenen unglaublich, dass es schon fast an Satire grenzt. Zwei Journalisten von Netzpolitik.org stehen unter Verdacht Landesverrat begangen zu haben. Der Generalbundesanwalt Range hat mit seiner Behörde Ermittlungen aufgenommen. Angestoßen wurde das durch Maaßen, den Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Auf Netzpolitik.org wurden interne Dokumente zur Ausweitung der Internetüberwachung veröffentlicht. Sehr zum missfallen der Geheimdienste. Maaßen, der sich anscheinend von Kakerlaken (und Feinden) umzingelt fühlt, ist das verständlicherweise ein Dorn im Auge. Es geht hierbei ganz klassisch um das Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Sicherheit. Insbesondere der Pressefreiheit und dem damit verbundenen öffentlichen Interesse, das für eine funktionierende Demokratie lebensnotwendig ist. Aber darüber hinaus geht es um Netzpolitik, um ein immer noch relativ neues Medium und die dadurch veränderten Spielregeln. Ein Teil eines Heise.de Artikels hat mich wieder aufhorchen lassen. Range erklärte, die Presse- und Meinungsfreiheit sei zwar „ein hohes Gut“, sie gelte aber nicht schrankenlos – „auch nicht im Internet“. – http://www.heise.de/newsticker/meldung/Ermittlungen-gegen-Netzpolitik-org-Generalbundesanwalt-greift-Justizminister-an-2768189.html Das erinnert mich stark an den Internet als rechtsfreien Raum. Egal ob Urheberrechtsschutz, Mobbing oder Pornographie. Die Saga vom Internet als rechtsfreien Raum ist im politischen Diskurs nicht totzukriegen. Immer wieder werden schärfere Gesetze mit der Begründung gefordert, dass im Netz Gesetze gelten müssen, obwohl dort natürlich dieselben Gesetze gelten, wie außerhalb des Netzes. Im Internet gelten inzwischen schärfere und zusätzliche Gesetze. Welcher Barkeeper ist dazu verpflichtet die Gespräche seiner Gäste zu belauschen und je nach Inhalt Gäste rauszuwerfen? Dazu gehört schon einiges mehr, in Blogs aber nicht. Wäre es genauso passiert, wenn es um Journalisten des Spiegels oder der Zeit ginge? Ich vermute nicht, jedenfalls nicht in dieser Art und Weise. Es zeigt schon ein gewisses Unverständnis und ein Maß an Frust, dass Range und Maaßen auf Netzpolitik.org losgehen. Neuland greift die BRD an, was erlauben die sich? Aber es geht um mehr als nur die Pressefreiheit. Vergessen wir die eigentliche Sache nicht, die Ausweitung der Internetüberwachung. Es geht um Netzpolitik und das Netz ist ein wenig, wie der eine Ring und jeder möchte ihn kontrollieren. Wer das Internet kontrolliert, es abhört, analysiert und für sich nutzt hat unglaubliche Macht. Das ist eben der Unterschied zur analogen Welt. Wir können nicht jede Kneipe, jedes Büro und jeden Menschen überwachen. Im Netz schon und einige Staaten tun das bereits. Dass hier mit harten Bandagen gekämpft wird, war zu erwarten. Das Netz hat das Kräfteverhältnis enorm verschoben. Wenn öffentliche, barrierefreie Kommunikation eine der wichtigsten Säulen einer Demokratie ist, dann ist das Internet eine der größten demokratischen Errungenschaften überhaupt. Jeder kann seine Meinung (im Guten wie im Schlechten) veröffentlichen. Selbst wenn nur auf eine Million Spiegel-Online-Trolle 1 Netzpolitik.org kommt, hat es sich gelohnt. Vor wenigen Jahren war es kaum möglich sich öffentlich Gehör zu verschaffen. Heute können wir Internet-Nutzer überall Sprechen. Und wir sind laut. Neuland ist nie eine andere Welt gewesen, genauso wie uns das Telefonieren nicht aus der Realität reißt. Aber wir dürfen niemals vergessen, dass wir digital Immigrants trotz allem nur einen Teil der Gesellschaft stellen und immer stellen werden. Auch wenn das Netz nahezu allgegenwärtig ist, werden sich dafür Menschen immer nicht interessieren. Das ist ihr gutes Recht....

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Gewalt ist die einfachste Lösung

Gepostet von am Jul 22, 2015 in Artikelbild, Blog, Politik | Keine Kommentare

Gewalt ist die einfachste Lösung

Die neunziger sind wieder im kommen, das zeigt sich nicht nur in diversen Remakes und fragwürdigen Mottoparties, sondern auch in brennenden Flüchtlingsheimen. Hatten wir das nicht schon mal? Ja, aber wohl nicht hinter uns. Wie wenig wir an der Aufbereitung interessiert sind, zeigt sich im NSU Prozess. Wobei das schon eine Beschleunigung ist, wenn man bedenkt, dass andere Täter erst 93 Jahre alt waren bei ihrer Verhandlung. Der Rechtsradikalismus war niemals weg, wir werden nur gezwungen wieder hinzusehen. Andernfalls könnte man auch an eine überspitzte Ironie sehen, wenn wir erst unser Mitgefühl für ertrinkende Flüchtlinge ausdrücken, um dann ihre Unterkünfte in Brand zu stecken. Es wundert mich nur, dass kein Politiker die Erfolge seiner besonders trockenen Unterkünfte angepriesen hat. Ich glaube trotz allem nicht, dass Fremdenfeindlichkeit immer mit Hass und Rassismus einhergehen muss. Man kann auch nüchtern und sachlich argumentieren. “Mut zur Wahrheit!”, wie es der gehobene Wutbürger propagiert. Das Boot ist eben voll. Daran lässt sich nichts rütteln. Es geht gar nicht gegen Hilfebedürftige und Ausländer, es ist nur eben kein Platz da und Geld sowieso nicht. Das kann ja ganz neutral sehen. Aber ist das Boot denn voll? Egal ob Drohnen, Opern, Flughäfen oder Bahnhöfe – es ist so viel Geld da, dass es mehr oder weniger sinnlos zum Fenster rausgeworfen werden kann.  Gleichzeitig sparen wir bei Bildung und Sozialem. In Zeiten von Hartz IV sind Mehrausgaben für die Flüchtlingshilfe schwer zu verkaufen. Jedenfalls nicht, ohne seine Gesprächspartner erst zu nehmen und auf sie zu zugehen. Welcher Mensch gibt schon gerne zu, dass er gerade mal ein paar Hundert Millionen irgendwo versenkt hat, die auch Bedürftigen das Leben hätte retten können? Wenn wir ehrlich sind und es nur um Geld geht, dann müssten Ministerien brennen und keine Flüchtlingsheime. Es geht um Sündenböcke und einfache Antworten. Aber in einem Mehrparteienstaat mit 80.000.000 Einwohnern gibt es nicht eine einzige einfache Antwort, geschweige denn Lösung. Darum fällt es immer leichter dumme Antworten auf wichtige Fragen zu geben. Wenn es gegen Ausländer geht, dann ist die CSU und der König von Bayern immer dabei. Das Seehofer plump kann, ist nichts Neues. Er muss auch nicht anders. So können die extremeren Rechten Demokraten immer noch mit Bundesadler um ihren Horst kreisen. Das ist eben auch noch der gefühlte Unterschied zur nicht ganz so gut gelaufenen alten Zeit. wobei einige mindestens gerne ein Kreuz im Kalender machen würden, wenn alles wieder so einfach ist wie früher. Das Gefährliche ist aber, dass er Vielen aus der Seele spricht. Er gibt ihnen was sie hören wollen. Nicht allen Zuhörern ist dabei klar, dass es um Machtpolitik geht, ums Geld verdienen. Genau wie andere Prostituierten befriedigt er Bedürfnisse, nur eben seelische. Gleichwohl will ich hier nicht unterstellen, dass er nicht aus Überzeugung handelt. Ich denke nur, dass es ein glücklicher Zufall ist in diesem Fall sagen zu können was er denkt und nicht wieder spontan seine Meinung ändern muss. Wenn Multikulti noch nicht tot ist, kann man auch noch etwas nachtreten. Dabei wäre Vorsicht geboten. Anstatt auf dem Weg zur größeren politischen Macht weiter Öl ins inzwischen buchstäbliche Feuer zu gießen, sollte man Aufklären und Schlichten bevor der Brand außer Kontrolle gerät. Die Suche nach einfachen Lösungen läuft immer auf Sündenböcke hinaus. Und die einfachste Lösung von allen ist immer Gewalt. Bleibt nur zu hoffen, dass die...

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Über Angst

Gepostet von am Mrz 11, 2015 in Artikelbild, Blog, Das Wort, In Meinem Kopf | 1 Kommentar

Über Angst

Angst ist ein wiederkehrendes Thema hier. Vielleicht sogar mein Lieblingsthema, wenn man es so nennen möchte. Ich halte den Angst und den Umgang mit ihr für einen der wichtigsten Aspekte des Lebens. Wir alle haben Angst, immer wieder. Sie ist einer unserer Grundinstinkte und zieht sich durch unser ganzes Leben. Jeder Mensch hat irgendwann an, garantiert nicht nur einmal . Mut zeigt sich meiner Meinung nach nicht in einem Fehlen von Angst, sondern daran, wie man mit ihr umgeht. Es hilft sich darüber klar zu werden was Angst überhaupt ist und wovor man im Moment Angst hat, um mutig zu sein. Also was ist überhaupt Angst? Ich verstehe Angst als eine Warnung an uns von uns selbst. Angst entsteht, wenn wir Gefahren befürchten, wenn wir etwas nicht verlieren würden oder uns Sorgen um etwas machen. Kurz gesagt: Wir haben Angst zu leiden, egal ob physisch, psychisch oder emotional. Wir erwarten, bewusst oder unbewusst, etwas Negatives und überlegen, wie wir dem entgehen können. Je weniger vermeidbar und schmerzhafter etwas aussieht desto größer wird die Angst. Sie kann uns bedrücken, sich wie eine Schlinge um den Hals legen und uns die Luft zum Atmen nehmen. Dadurch wird oft alles schlimmer, unser handeln verändert sich. Die ersten Schäden entstehen vielleicht dadurch, dass wir uns irrational verhalten und nicht durch das eigentliche Objekt unserer Angst. Sie ist nicht selten zusätzliches Leid, wenn wir nicht mit ihr umgehen können. Das ist schließlich was Angst gefährlich macht. Angst kann einen großen Nutzen haben, wenn sie uns als vorsichtige Warnung dient, aber ist vollkommen sinnlos, wenn sie uns nur behindert beschränkt und zusätzliches Leid verschafft. Ich kann immer nur von mir reden und was ich sage hat keine Allgemeingültigkeit. Aber für mich ist es eine Hilfe die Natur der Angst zu begreifen. Angst als Gefühl ist real, ihr Grund allerdings nie. Sie ist immer potentiell. Haben wir beispelsweise Angst davor uns beim Kochen zu verbrennen, endet die sie entweder mit dem Kochen oder mit der Verbrennung. Sie ist immer nur ein Platzhalter für was passieren könnte und löst sich letztendlich auf. Das heißt die Natur der Angst ist immer potentiell, sie ist eine Warnung, mehr nicht. Als genau das sollten wir sie nehmen: Als (un)freundlichen Hinweis. Wir sollten nicht unser Leben nach ihr richten. Denn genauso wenig wie Du wirklich sagen kannst was morgen passiert, kann es Deine Angst. Sie entspringt immer aus unserer Phantasie und ist nichts abgetrenntes von uns, auch wenn sie sich manchmal wie etwas fremdes anfühlt. Angst kann man nicht kontrollieren, umso mehr Angst hätte man davor die Kontrolle über seine Angst zu verlieren. Das macht schon rein mathematisch Angst2. Angst kann nur akzeptiert werden und das fällt, wie bei allem, leichter, wenn man sie auch versteht. Jeder Mensch nimmt, meiner Meinung nach, Angst anders wahr, weil sie etwas sehr persönliches ist. Ihre Natur bleibt allerdings gleich. Was passiert, passiert. Angst ändert daran wenig, außer uns auf das Schlechteste vorzubereiten. Aber es bedeutet nicht, dass es auch so eintritt. Oft geschieht auch das Schlechte anders ein als man dachte. Also macht euch nicht...

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The End of Days

Gepostet von am Mrz 10, 2015 in Blog, Das Wort, In Meinem Kopf | Keine Kommentare

The End of Days

Das mit dem Leben ist so eine Sache. Es bremst für niemanden und auch, wenn es dabei ab und zu jemandem überfährt, ist es gut so. Eben wegen dieser kompromisslosen Art heißt es immer: Das Leben geht weiter. Gut, Deins vielleicht nicht, aber generell schon. Scherz beiseite, auch wenn es manchmal den Anschein hat, die Welt bleibt nicht stehen. Daraus ergibt sich immer Neues, das von selbst weder gut noch schlecht ist. Es ist vielleicht einfach oder unbequem, aber ob es positiv oder negativ ist, hängt zum großen Teil von unserer Einstellung ab. Mir ist zwar in den letzten Monaten viel Schweres passiert, aber fast ausschließlich Gutes. Für mich beginnt jetzt ein neues Leben, nicht nur ein Lebensabschnitt. Schon lange bevor ich single war, zeichnete sich das ab. Allerdings sah es da eher nach einem Abschnitt aus und nicht nach dem Ende aller Tage. Neuer Job, neue Wohnung, keine Frau. Ab April bin ich wieder, was ich am besten kann: Klugscheißer. Ich bin für 3 + 2 Jahre mit einer vollen Stelle an der Hochschule und darf wieder lehren und forschen. Als Sahnehäubchen werde ich für meine Doktorarbeit bezahlt. Ich habe die Arbeit beim NHB gemocht, aber die Stelle ist großartig. Warum ausgerechnet ich so ein Glück habe, weiß ich nicht. Aber als jemand, der jahrelang laut und öffentlich über die prekäre Situation an den Hochschulen gemeckert hat, triffts natürlich mal den Richtigen. Heißt das jetzt man soll nicht jeden Job annehmen, sich nicht unter Wert verkaufen und ordentlich meckern? Ich glaube nicht. Am Ende war es einfach nur Glück, weil ich durch andere glückliche Zufälle das Stellenprofil zu 100% ausgefüllt hatte und mit noch mehr Glück auch darüber hinaus. Dafür muss ich jetzt komplett neue Sachen lernen, bewege mich in einem vollkommen anderen Arbeitsumfeld und weiß nicht, wie das alles funktioniert. Aber ich freue mich sehr auf die Herausforderungen. (Randnotiz für meine Studierenden: Das ist nicht meine erste Hochschule. Ich google euch auch.) Nachdem ich über vierzig Wohnungen angeguckt hatte, bevor mich mal jemand haben wollte und die Wohnung auch hübsch war, habe ich endlich eine gefunden. Innerhalb von zehn Tagen musste ich den Umzug organisieren und bin froh, dass ich so gute Freunde habe. Es gibt Menschen, die setzen für einen alles in Bewegung und dafür danke ich allen. Jetzt habe ich eine schöne, große, stille Wohnung an einem tollen Fleck in Hannover. Drumherum sind ganz viele hässliche Flecken, aber das werde ich wohl überleben. Die Wohnung gefällt mir jedenfalls richtig gut, auch wenn sie ein wenig auf der teuren Seite ist. Aber auch da hat sich das Warten eindeutig gelohnt. Auch hier endet etwas. Bald zwanzig Jahre habe ich hier gewohnt, in meinem eigenen Haus. Es waren meine Erde, meine Mauern, jetzt wohne ich zur Miete. Freiwillig, denn ich habe viel zu lange Wurzeln geschlagen. Auch dieser Entschluss kam schon im November, wurde nur jetzt beschleunigt. Wieder ein Ende, wieder lasse ich viel zurück, auch wenn ich die Erinnerungen mitnehme. Es ist das erste Mal, dass ich nicht versuche mich an etwas zu klammern. Ich lasse so viel wie möglich da, schmeiße viel weg und hebe auch kaum Andenken auf. Die Erfahrungen und Erinnerungen sind doch in mir, wozu brauche ich denk kram. Gegenstände ändern sich auch nicht. Sie vermitteln uns immer den Eindruck, das etwas...

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Here comes Chaos

Gepostet von am Feb 23, 2015 in Blog, In Meinem Kopf | Keine Kommentare

Here comes Chaos

„Lol, er hat rofl gesagt.“ – ChaosPhoenix Rückblickend sieht vieles immer sehr logisch aus. Gerade ist es für mich sehr logisch, dass nach meinem letzten Beitrag eben dieser kommt. Ich bin nach dem ganzen gespamme auch gar nicht mehr zum schreiben bekommen, was jetzt in einem dahingefaselten Beitrag endet. Ehrlich gesagt sind hier gerade viele Parallelen zu meiner letzten Trennung. Gleichzeitig aber auch keine. In mir drin sieht es von Anfang an besser aus. Ich bin zwar weder glücklich noch zufrieden, aber ich bin fröhlich und gut gelaunt. Sehr selten traurig, dafür in der letzten Woche öfter mal wütend. Da steigere ich mich zugegeben auch rein, habe es aber wieder unter Kontrolle. Wut schadet am Ende immer einem selbst. Manchmal wünsche ich mir nur einfach ein wenig Instant-Karma zum austeilen, allerdings bin ich nicht der Gott der Ausgleichenden Gerechtigkeit und sollte mich zumindest auch nicht so benehmen. Hier ist kurz gesagt Chaos. Die gute kreative Art von Chaos. Die Dynamik, die Überraschung, aber auch die Unbeständigkeit. Ich habe das vermisst. Es entspricht einfach meiner Art. Woher sonst kommt sonst mein Pseudonym. Und teilweise hasse ich es auch, denn ich mag Beständigkeit. Aber Chaos.. Chaos fordert alles was ich kann. Beständigkeit kann jeder. Ein kleiner innerer Konflikt deutet sich hier ein, wobei es in der Theorie natürlich alles ganz einfach ist. In Ruhe liegt die Kraft. Damit ist kein ruhiges Leben gemeint, welches Leben ist das wirklich schon immer zu jeder Zeit und ohne Pause. Die Ruhe muss im Geiste im Innern sitzen, also eine tiefe Geistesruhe sein. Dann klappt das auch, sowohl mit der Beständigkeit als auch mit meinem geliebten Chaos. Die letzten Jahre waren zwar kein Stillstand, aber eine angespannte Beständigkeit. Einfach war auch das nicht, nichts wirklich wichtige ist einfach, was allerdings nicht bedeutet, dass alles Schwere wichtig ist. Im Moment ist es schön sich einfach treiben zu lassen, wobei ich mich im Moment eher wie beim Rafting fühle und nicht entspannt im Toten Meer dahingleite. Irgendwann würde ich mich gerne wieder auf einen sicheren Hafen freuen, um die Analogie mal zu Tode zu reiten. Egal ob vor 8, 10 oder 14 Jahren, manche Dinge lerne ich wohl nie und möchte es auch nicht. Ich mag es chaotisch, romantisch und verrückt, die  Haken daran sind mir vollkommen bewusst. Zumindest bin ich mit mir und der Situation glücklich. Und da steckt auch wieder das Gleichnis drin, dass Probleme und Herausforderungen auch Geschenke sein können. Vielleicht verlaufen die Trennungsphasen deswegen bei mir immer so und es kommt komprimiert das, was bei anderen Jahre braucht. Eine Sache ist allerdings neu. Singles über dreißig haben fast alle einen Schaden. Was einerseits selbstverständlich ist, keiner übersteht dreißig Jahre ohne Gebrauchsspuren. Andererseits scheint dreißig wohl für viele zu bedeuten, dass man jetzt über gewissen Sachen steht, wie Gefühle, Ängste und das daraus resultierende Chaos. Aber, dass ich da anders (nicht unbedingt besser) bin, ist mir schon lange klar. Während die Welt wohl gerade Fifty Shades of Grey guckt, gucke ich Spongebob, esse dabei eine Currywurst und freue mich darauf zwischen den Laken selbst kreativ zu werden. Man ist wie man ist. Ich bin wie ich bin. Solange man weiß, was das bedeutet, solange ist es in Ordnung. Das meiste scheitert nicht daran, dass andere nicht mit einem umgehen können, sondern dass man es selbst...

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Here I go again

Gepostet von am Feb 6, 2015 in Artikelbild, Blog, In Meinem Kopf | Keine Kommentare

Here I go again

„The reports of my death are greatly exaggerated.“ – Mark Twain Jeder lebt in seiner eigenen Welt. Das ist nun mal so und das wird auch immer so bleiben. Durch unsere Erfahrungen sehen wir alles immer mindestens eine Nuance und manchmal eine ganze Welt anders. Wer das nicht versteht und akzeptiert, kann niemals wirklich im Einklang mit sich und seiner Umwelt im Einklang leben. Es ist wichtig immer empathisch sich selbst und anderen gegenüber zu sein, da man sonst die Verbindung zur Außenwelt und sich selbst verliert. Also wie sieht es in meiner Welt aus? Sehr gut. Nicht die Art von Regenbogen-kotzenden Einhörnern gut, aber viel besser als ich erwartet hätte. Immer noch und so langsam wird aus dem Trend die Regel. Das kann man mir glauben oder nicht, für mich stimmt es. Die letzten zwei Monate waren einfach und ich freue mich auf etwas Ruhe. Aber wenn ich könnte, würde ich nichts ändern, nichts rückgängig machen und alles noch mal wiederholen. Ich habe so viele wichtige Erfahrungen gemacht und die wichtigsten sind meistens nicht die schönsten. Die wichtigste ist, dass ich immer noch ich bin und das gut so ist. Es klingt so banal wie offensichtlich. Aber ich war lange nicht mehr ich selbst, ich wollte es auch nicht sein, weil ich irgendwann dachte es wäre nicht gut genug. Aber für mich ist meine Art die beste. Mit allen Vorteilen und den ganzen Nachteilen. Andernfalls wäre ich jetzt immer noch traurig, statt seit vier Wochen schon wieder zu lachen. Selbstverständlich gibt es auch wolkige Zeiten, aber das sind inzwischen nur noch kurze Augenblicke. Ich bin stolz darauf, dass ich mich nicht ducken muss, mich nicht verkrieche und nichts verdränge. Andere Methoden sind wahrscheinlich einfacher und meine grauen Haare kommen bestimmt nicht von ungefähr, aber so bin ich. Bis jetzt habe ich damit auch nur Freunde verstört und nicht vertrieben ;-). Durch diese Prüfung habe ich zu alter Stärke zurückgefunden und damit mein unendliches, egozentrisches und eingebildetes Selbstbewusstsein wiederentdeckt. Irgendwann muss ich dafür noch ein passendes Halsband finden, um es an die Leine zu legen. Wenn das losgelassen wird, hat es früher schon einigen Schaden angerichtet. Aber es geht nicht nur darum seine Stärken, Schwächen und Dämonen in Ketten zu legen. Eine Schwäche kann immer eine Stärke sein. Wer empfindlich und ängstlich ist, kann empathisch und einfühlsam sein. Wer öfter mal Kontrolle ausübt, kann jemanden unterbuttern, aber auch vorangehen, wenn jemand anders nicht mehr weiter weiß. Die eigenen Dämonen können uns und andere zerstören. Angst, Hass, Zorn, sind mächtige Feinde, aber auch gute Verbündete. Es gibt schlimmeres als einen 800 Pfund Gorilla, der auf meiner Seite steht. Man muss nur Frieden mit ihm schließen. Ich bin so unendlich froh über alle Menschen, die ich in der letzten Zeit kennengelernt habe. Über die Eindrücke, die ich sammeln konnte und die Momente, die ich andernfalls nie erlebt hätte. Ich müsste ganz schön feige und bequem sein, wenn ich mir wünschen würde die Zeit zurück zu drehen. Ich bin froh darüber, dass mein Leben kein einfaches ist und das auch nie war. Ich habe genug gesehen und gelebt für zwei Menschen Anfang Dreißig. Wer mich auf meine Extraversion und alberne Lockerheit reduziert, ist selbst schuld. Gerade, weil ich mir vertraue, ernst und analytisch sein kann, bin ich im Normalzustand locker. Kein Plan rettet einen durchs Leben,...

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Inneres Feuer

Gepostet von am Jan 21, 2015 in Artikelbild, Blog, In Meinem Kopf | Keine Kommentare

Inneres Feuer

Ich habe ein enormes Potential für Wut in mir. Früher, ganz früher trat das regelmäßig an die Oberfläche. Heute passiert das sehr selten, weil ich größtenteils im Frieden mit meiner Umwelt und insbesondere mit mir Lebe. Das Feuer in mir brennt aber immer noch, es zeigt sich in Leidenschaft, Dynamik, aber auch und oft in zu viel Reden und Schreiben ;-). Wut entsteht nur noch durch Ungeduld oder Enttäuschung. Wenn etwas sinnlos erscheint oder ich mich weigere den Sinn zu sehen. Gerade muss es wieder raus. Mich kotzt die ganze Sache im Moment an. (Wenn das der erste Beitrag ist, den Du von mir ließt… nimm mal einen anderen.) Mein Gott, ich versuche immer noch aus der ganzen Trennung einen Sinn zu ziehen. Gut, es hat ganz viel Sinn. Mir sind einige Sachen klar geworden, die ich sonst nie gewusst hätte. Ich denke, ich habe die wichtigsten Sachen schon gelernt und verstanden. Außerdem konnte ich mir so wirklich wichtige Fragen selbst beantworten, die wirklich wichtig für mich waren. Ich fühle mich jetzt komplett und im Frieden mit mir. Weshalb ich auch nicht wütend auf Sie oder irgendetwas anderes bin außer dem jetzigen Gefühl. Das sollte doch eigentlich genug Sinn ergeben und ich sollte zufrieden damit sein. Bullshit. Eine Sache bleibt unbeantwortet. Was ist mit der nächsten Beziehung und was ist mit den nächsten Problemen? Im Grunde hätten Sophie und ich uns auch schon nach einem Jahr trennen können. Nein, ehrlich gesagt, hätten wir die Beziehung gleich ausfallen lassen können. Die Gründe der Trennung sind auch die Gründe von damals. Aber was heißt das für die Zukunft? Was soll ich daraus für eine Lehre ziehen? Bitches be crazy. Bitches be crazy? Nein, das ist sowohl beleidigend als auch oberflächlich. Jeder hat eine Macke. Oder mehrere. Oder alle. In jeder Beziehung gibt es Probleme. Soll ich dann nächstes Mal gleich zu Anfang aufgeben, nur weil es Probleme gibt? So führt man auch kein konstruktives Leben und ich bin niemand, der aufgibt. Ich sage heute, rückblickend und in vollem Bewusstsein dafür, dass auch einiges richtig beschissen war: Ich würde alles wieder machen. Ich würde dieser Beziehung nicht aus dem Weg gehen und es ist kein Fehler es über acht Jahre versucht zu haben. Humans be crazy. So ist es nun mal. Mein einziges Fazit ist, dass es manchmal klappt und manchmal eben nicht. Auch nach sehr langer Zeit. Ich kann jetzt schauen, dass ich mich abschotte, nie wieder so viel gebe und versuche und mehr auf meine Bedürfnisse achte. Aber meine Bedürfnisse waren gedeckt und ich gebe gerne viel, aber niemals auf. Das ist nun mal so. Solange dieses innere Feuer in mir brennt, lebe ich gerne so. Das ist ehrlich zu mir selbst, auch wenn es mich manchmal wütend macht. Und verdammte Axt, bin ich gerade sauer. Ich brauche mal wieder laute Musik und viele Menschen um mich. Aber das ist ja das letzte Mal auch beschissen gelaufen. Mein Gott, immerhin treibt mich dasselbe Feuer, was die Wut auslöst auch an alles zu geben, immer besser zu werden und niemals stehen zu bleiben (außer in der Nähe eines Pubs). Natürlich sehe ich das Ganze im Moment wieder vernünftig. Wenn ich mich in die Wut hineinsteigere, mache ich aus einer Sache, die zwei Minuten gedauert hat und seit langer Zeit vorbei ist,...

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Warrior Spirit

Gepostet von am Jan 19, 2015 in Artikelbild, Blog, Bujinkan, In Meinem Kopf | 3 Kommentare

Warrior Spirit

Dieser Beitrag ist schon ein paar Monate alt, aber nie fertig geworden. Damals fühlte es sich auch scheinheilig an ihn zu schreiben. Mir ging es sehr gut und alles war in Ordnung. Da ist es einfach über Kampfgeist und eine positive Lebenseinstellung zu reden. Aber jetzt, wo es nicht mehr so toll ist, fühlt er sich immer noch richtig an. Deswegen poste ich ihn endlich. Alles hat sich ein wenig bestätigt. Dieser Beitrag stinkt vielleicht etwas nach Zen, wie mir jemand nahelegen würde, der diesen Blog wahrscheinlich nicht liest. Für mich geht es heute um etwas, worüber ich schon seit langem nachdenke. Es geht um Budō, etwas stumpf übersetzt: Den Weg des Kriegers. Wie bei den meisten japanischen Begriffen, ist das nicht wörtlich zu nehmen. Jedes japanische Schriftzeichen kann auf diverse Arten übersetzt werden. Das beinhaltet eine elementare Erkenntnis. Es gibt keine absolute Wahrheit, nur bestimmte Perspektiven aus denen heraus man etwas betrachtet. Es geht um mein Leben seit ich Bujinkan Budo Taijutsu angefangen habe. Heute fällt es mir schwer „seitdem ich trainiere“ zu sagen. Für mich ist es wirklich „dō“, ein Weg geworden. Das Training fängt nicht im Dojo an und Endet auch nicht mit einer Verbeugung und den Worten „domo arigato gozaimasu.“ Diesen Weg gehe ich, jeden Tag, auch wenn ich nicht physisch übe, wie in den letzten Wochen. Am Anfang habe ich mich nur auf das körperliche Training beschränkt und war immer frustriert, wenn ich keine Zeit hatte oder krank war. Das passierte in den letzten Jahren häufig, wie auch in den letzten Wochen. Mein Taijutsu ist starr und unaufmerksam geworden, noch mehr als es sowieso schon war. Das gefällt mir offen gesagt nicht. Aber ich gehe weiter meinen Weg und das jeden Tag. Budō ist eben nicht nur Kampf. Besser gesagt: Es ist nicht mal Kampf. Wer kämpft bringt sich in Gefahr. Es geht ums (Über)Leben. In der heutigen Welt sind Brutalität und Gewalt nicht so fern, wie es oft scheint. Aber der tägliche Kampf ist meist ein anderer. Wir sind jeden Tag sozialen und mentalen Konflikten ausgesetzt. Schon morgens auf dem Weg zur Arbeit, können Leute in der Bahn unfreundlich und störend sein. Kollegen können auf der Arbeit nicht nur stören, sondern auch Steine in den Weg legen und der Chef kann den Tag ganz versauen. Die Kunst ist eben nicht damit zu kämpfen. Man sollte sich einpassen, nicht an der Situation anhaften und nehmen was kommt, anstatt nur eine bestimmte Situation zu erwarten. Das ist analog zum physischen Training. Übt man eine bestimmte Technik in einer bestimmten Situation, wird man steif. Selbst bei der besten Technik muss sehr viel zusammenkommen, damit sie funktioniert. Stimmt ein Winkel, der Abstand oder das Timing nicht, wird die Technik nicht funktionieren. Da jeder Moment einzigartig ist, muss der Geist flexibel bleiben damit man sich immer an die Situation anpassen kann. Das bedeutet nun nicht, dass man es aufgeben sollte sein Leben zu formen. Allerdings haben wir die allerwenigsten Sachen in unserem Leben unter Kontrolle und das ist etwas, das wir akzeptieren müssen. Das ist auch nicht nur negativ. Durch die fehlende Kontrolle können auch Dinge passieren, die über unseren Horizont hinaus gehen. Es geschieht immer wieder etwas von Außen. Würde nur passieren, was wir planen und uns vorstellen, wäre unser Leben ziemlich eindimensional. Im Buddhismus heißt es: Wenn jemand, dem ich...

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