Okt 21

Ich bin, auch wenn es oft anders scheint, ein ausgeglichener Mensch. Dadurch, dass ich sage was ich denke, reflektiere was ich fühle und nichts verdränge (jedenfalls nicht bewußt), lässt sich eine Menge abfedern. Aber wenn ich mir die Welt dadraussen ansehe, kann ich nicht anders als böse zu werden. Das einzige, was da noch hilft, ist nur noch in seiner eigenen kleinen Welt zu leben und sich von der großen abzuwenden. Egal ob es mit Musik, Partys, Komasaufen, Sport, Spielen, Streit oder blindem Hass ist – irgendwann muss man sich den Frust über die ganze Scheiße aus dem Gehirn prügeln. Und Frust ist, was entsteht, wenn man sich umguckt.

Aber ich bin auch eher der Mensch der Magengeschwüre vom Nachdenken bekommt, als sich lieber mit etwas abzufinden oder sich wegzudrehen. Was geht mich das an? oder weiß nicht und ab und zu auch Mir doch egal! hört man heute öfter als Antworten auf Probleme, als irgendwelche ernstzunehmenden Gedanken. Ich kann das gut nachvollziehen. Das Leben ist kein Ponyhof, wie es so schön heißt, das soll es auch nicht sein. Aber Ungerechtigkeit kann ich nicht ausstehen. Jede Aktion erzeugt eine Reaktion, um gleich den nächsten schlauen Spruch loszuwerden – und genau darum geht es.

Entweder steigt die Ungerechtigkeit weiter so stark an, dass sich irgendwann alle Menschen nur noch ablenken und es ein paar wenige gibt, die aktiv Leiten und Lenken. Dazu kommt noch das immer miesere Bildungsniveau, die Politikverdrossenheit und die durch die beiden Punkte verkümmerte politische Partizipation. Das alles macht verwundbar für Führer aller Art. Egal ob das nun Institutionen, Firmen oder Personen sind.

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Okt 17

Es ist mal wieder Zeit, um etwas zu Reflektieren und zwar gleich in dreihunderfacher Weise. Ach Quatsch ich tue einfach nur das, wozu Blogs, also Weblogs, mal gedacht waren. Ich führe Buch über die Entwicklung eines Projektes, wenn auch rückwirkend.

Irgendwann im Mai habe ich mit den Überlegungen zur Studie Wie glaubwürdig ist Wikipedia? angefangen. Dazu gehörte es zu allererst John Willinsky’s Studie What open access research can do for Wikipedia zu analysieren. Ich habe Willinsky’s Studie so gut es ging rekursiv erschlossen und an den Punkten verändert, die mir unzureichend vorkamen. Trotzdem habe ich möglichst viel davon übertragen, damit man seine Ergebnisse mit meinen vergleichen kann.

Im Laufe dieses Prozesses musste ich mich unweigerlich mit einigen Fragen auseinandersetzen. Ich habe die Richtlinien des englischen mit dem deutschen Portal verglichen, um unterschiede in Qualitätsansprüchen herauszuarbeiten. Irgendwann mussten dann meiner Meinung nach ganz grundlegende Fragen geklärt werden. Kann man auf Überblicksseiten Referenzen erwarten? Wo fängt ein Open Access Artikel an und wo hört ein journalistischer Text auf? Was sind eigentlich Referenzen?

Irgendwann waren dann diese Fragen geklärt und es mussten einige hundert Einträge gesucht werden. Einhundert der Einträge wurden dann analysiert, in Tabellen übertragen und statistisch erfasst. Das war der leichteste Teil, aber auch einer der zeitaufwendigsten.

Dann ging es ans Auswerten, Schlüsse und Schreiben. Ganz ungewohnt verglich ich nicht die Ergebnisse von Wissenschaftlern, sondern schuf meine eigenen Ergebnisse. So kam wieder die Unsicherheit und die Methode wurde noch mal überprüft. Was kann man von Wikipedia erwarten? Was sollte Wikipedia erfüllen? Fragen, Fragen und irgendwann auch Antworten.

Der Arbeitsaufwand war vor allem so groß, weil ich mit dem Bereich keinerlei Erfahrung habe. Außerdem weil es paradoxerweise eine andere Arbeitsweise ist, seine Arbeitsweise und Ergebnisse zu belegen, als eine normale Hausarbeit zu schreiben und dort bekanntes Wissen mit Klassikern zu belegen. Ich denke so sollte es nicht sein und ist nicht im Sinne des Erfinders.

Diese Arbeit war irgendwie auch ein kleiner Selbsterfahrungstrip. Insgesammt war ich ganze vier Wochen krank, immerhin zwei nicht alleine ;-) . Ich hab es sogar bis 31.09. fertig bekommen, wie ich wollte. Nur das korrigieren hatte länger gedauert. Es wäre auch anders zu einfach gewesen. Mein PC musste neu gemacht werden. Ein abgestürztes Word für Mac, setzte mein Dokument auf eine alte Version zurück usw. Aber nach 14 Tagen zusätzlicher Odyssee war dann endlich alles fertig und ich kann zum nächsten Stress übergehen.

Warum die Mühe?

Honorata hat mich im Zuge dessen gefragt, ob ich es nicht etwas übertreibe und warum ich das mache. Ganz einfach, egal ob ich ein Referat, eine Hausarbeit oder irgendetwas anderes mache: Ich will wissen, was ich tue. Mir ist schon klar, dass keine große Chance besteht, dass irgendjemand mal liest, was ich in der Uni mache. Aber ich will begründen können, warum ich mich für eine Arbeitsweise entschieden habe. Man muss für sein Geschriebenes einstehen können oder die Glaubwürdigkeit ist nicht gegeben. Mehr noch, wenn man bewusst und logisch etwas erarbeitet hat, versteht man seine Fehler auch besser und kann mehr daraus lernen.

Irgendwann muss man anfangen für das was man schreibt Verantwortung zu übernehmen. Ein Blog hilft dabei weiter, finde ich – aber auf Ebene der Universität, würde es helfen, wenn dieses Gefühl für die Wichtigkeit der eigenen Arbeit mehr vermittelt wird. Mark Feuerle hat einmal gesagt, dass ich es mit meinen Themen nicht übertreiben soll, denn ich habe nach dem Studium genug Zeit, mir intelligente Gedanken zu machen. Da hat er auch vollkommen Recht, trotzdem ist er auf meine unwichtige Arbeit genau eingegangen und ich hab viel gelernt, das ist, finde ich, der richtige Weg.

Die Uni erscheint manchmal als der größte Papierverschwänder an sich.  Mein schreibt etwas, der Text wird überflogen und ab in den Müll (oder das Archiv). So verliert man vollkommen das Gefühl für die eigene Arbeit. Man distanziert sich, da es vollkommen unwichtig erscheint, wie viel Mühe man sich gibt. Meiner Überzeugung nach, ist es auch vollkommen unwichtig. Wenn man sieht, wie Menschen, denen die Themen völlig egal sind und einfach nur etwas auf das Papier würgen, die gleiche Leistungsbestätigung erhalten, wie die Verfasser qualitativ hochwertigerer Produkte, kann man schon zweifeln. Muss man auch. Im Studium geht doch alles nur noch um Effizienz. Das sieht man alleine am Bachelorstudiengang. Im Prinzip ist ein straffes Studium vollkommen richtig. Aber es wird nur schnell studiert, nicht gut. Man saugt Wissen auf und vergisst es wieder, um Platz für neues zu schaffen, als hätte man Bulemie.

Effizient ist es, Groschenromane zu schreiben, anstatt zu lernen, wie man wissenschaftlich Arbeitet. Man darf Arbeiten nur als angewandte Arbeitszeit sehen und nicht das Produkt im Auge haben. Hat man eine gewisse Zeit aufgewendet, um etwas zu schreiben, dann gibt es einen Schein. Kein wunder, dass so viel kopiert, geklaut und vernachlässigt wird. Es ist auch kein Wunder, dass so viele Studenten zweifeln und sich bestraft dafür fühlen, etwas lernen zu wollen. So wie ich.

.: Metallica – Broken, Beat & Scarred :.

Okt 15

Heute wurde nach mehrjähriger Bauphase die neue Ernst August Gallerie eröffnet. Nach dem Vorbild amerikanischer Malls entstand direkt neben dem Bahnhof ein neues Einkaufszentrum. Ohne große Generalprobe werden nun Geschäfte und Shops, Verkäufer und Köche, Speisen und Getränke der Öffentlichkeit zum Fraß vorgeworfen.

Der erste Eindruck nach Betreten der Mall war ein gemischter. Es erinnerte mich schon an z.B. die Manhatten Mall in New York, aber die Geschäfte waren auf den ersten Blick von allem preislich von einem höheren Niveau. Alles was Rang und Namen hat, ist hier vertreten. Von Esprit über Hilfiger bis hin zu Svarovski. Der Eindruck, der vermittelt wird ist ein durchaus vornehmer. Aber wie viele Kunden können sich diesen auch Leisten?
Je weiter ich mir den Weg durch die Menschenmassen bahnte, desto mehr wurde das Bild aufgelockert. Auf den drei verschiedenen Ebenen finden sich neben Tommy & Co. auch andere Dinge. Es gesellen sich die üblichen Verdächtigen hinzu. Nanu Nana, Buttlers oder Depot – für kreativen Kleinkram ist gesorgt. Reisebüros behandeln Fernweh und Gamestop sorgt für eine Befriedigung des Spieltriebs.

Besonders wichtig ist für mich vor allem immer eines: Das Essen. Wenn man an den reichlich vertretenen Kaffeemühlen vorbei geht (unter denen sich auch endlich ein Starbucks befindet), findet man neben der täglichen Dröhnung auch Nudeln, Unmengen an Eis, Kuchen, Shakes, Schokolade – und natürlich auch Sushi oder Burger. Obwohl ich im letzten Jahr besonders Sushi-Kritik betrieben habe, habe ich mich für heute ins Play Off gesetzt, einem Diner-ähnlich Fast Food Restaurant.
Es ist schneller zu Aufzuzählen was es hier nicht gibt, als umgekehrt. Es gibt kein dunkles Bier, außer Hefe und keinen Bacon & Cheeseburger, der aber auf Anfrage trotzdem gemacht wird. Es gibt natürlich Burger, Steaks, Pizza, Salate, Sandwhiches und allerlei Sidedishes. Aber neben umfangreichen Standardrogramm, gibt es auch Berliner Weiße und Orangina Roughe… für 1,97 Euro. Was heutzutage schon herausragend preiswert ist. Ein 200gr. Rumpsteak kostet z.B. 9,97, aber Beilagen weitere 1-3 Euro.

Wunderbar ist auch der WLAN Access Point mit kostenlosem Internet – sehr gut. Die Preise sind je nachdem was und wie man ist im mittleren bis schon fast günstigem Segment . Aber was ist mit dem Essen selbst? Ich hatte einen klassischen Cheeseburger und Onionrings. Das Fleisch war sehr gut, die Zutaten frisch, aber der Burger als Gesamtes nur mittel bis gut. Die Buns schmecken zwar gut, sind aber zu dünn und instabil um den Burger mit mehr als gutem Willen zusammenzuhalten. Dafür waren die Onion Rings aber sehr gut, besser geht es kaum. mäßigen Hunger ausreichend. Die Portion war vielleicht etwas klein für den Preis, aber für meinenInsgesamt die Burger im Lucky Stars Diner noch wesentlich besser, aber es gibt ja noch den Rest der Karte, den ich heute aber nicht probieren werde.

Ich lege jedem ans Herz mal im Play Off vorbeizukommen, sei es für einen Burger oder auf einen Kaffee mit einem Donut. Nebenbei könnt ihr dann im Internet surfen und selbst eure Gedanken zum Play Off veröffentlichen. Es bleibt aber natürlich abzuwarten, wie sich das Play Off nach der Eröffnung entwickelt und in wieweit der Schein vielleicht trügt.

.: Galloes – Belly of the Shark :.

Okt 8

Als hätte ichs geahnt. Das ZDF zeigt eine weitere Killerspiele Doku. Wer es sich angetan hat, kann sich ja mal melden.

.: Disturbed – Indistructable :.

Okt 7

Neben Brot, Schule und Killerspielen, müssen nun auch Aktien auf die Liste der gefährdenden Amokauslöser. Alle Amokläufer sind mal zur Schule gewesen und haben in ihrem Leben, neben Killerspielen und wahrscheinlich auch Super Mario, auch schon Brot gegessen.

Hier zeigt sich die Gefahr, die von Aktien ausgeht.

Etwas weniger makaber und mal im ernst. Ich denke, es ist Stress und Verzweiflung, die die Menschen zu solchen taten Treiben. Es muss Hilfe geleistet werden, sonst Landen wir alle nur präventiv in einer Gummizelle.

.: Eric Clapton – I Shot the Sherif :.

Okt 1

Irgendwie ist ja immer irgendwas. Nachdem meine Mini-Wiki-Studie schon fast fertig war, war ich erst einmal 2 1/2 Wochen krank. Wenigstens ging es Sophie ähnlich und das Kranksein war nicht so einsam.  Es kommt mir langsam ein wenig vor, als wird diese Arbeit meine unvollendete Symphonie.

Seit gestern sitze ich wieder am letzten Teil der Arbeit. In diesem Teil suche ich Open Access Material zu 20 zufällig ausgewählten Themen. Dabei wühle ich mich durch Google Scholar, DigiZeitschriften, JSTOR, arXiv und die elektronische Zeitschriften Bibliothek. Dabei helfen mir vor allem zwei Dienste Google Scholar und JSTOR. Aus den Quellen habe ich bis jetzt 100% meines Materials bekommen, alle anderen hatten nichts oder nichts gutes.

An sich muss ich sagen, dass ich den Arbeitsaufwand für die Studie unterschätzt habe. Inzwischen sitze ich weit über 40 Stunden daran und es werden noch einige dazukommen. Auf den 10-12 Seiten, die es am Ende werden, sieht man das eher weniger. Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass es etwas neues ist so eine Art Arbeit zu machen. Jedenfalls kostete die Vorbereitung auch schon viel Zeit. Die Richtlinien für das deutsche und englische Portal mussten analysiert werden und die Ergebnisse daraus auf die Studie übertragen werden. Was ist eine Referenz? Was will Wikipedia erreichen? Vorallem: Was will Wikipedia nicht? Dann kam das untersuchen von 254 Referenzen auf Open Access Material. Ist ein Artikel in der FAZ eine Open Access Quelle? Nein. Ist es eine sichere Quelle nach Wikipedias Statuten? Jein.

Aber der letzte Teil ist der langwierigste. Das Suchen von Open Access Literatur zu 20 Themen. Als Arbeitserschwernis kommen die vielen fragmentierten deutschen Dienste hinzu. Dann muss ich mich, zumindest ein wenig, über jedes Thema informieren, da ich ja nur relative Open Access Literatur nennen sollte, weil das Experiment sonst sinnlos wäre.

Ich finde zum Beispiel aus irgendeinem Grund nichts über die Stadt Cannes. Natürlich finde ich hunderte von Einträgen über die Filmfestspiele, aber das Thema ist die Stadt Cannes selbst. Anscheinend hat niemand einen Open Access Beitrag zu Cannes geleistet. Ist das wirklich so oder finde ich ihn nur nicht? Soll ich jetzt schreiben, dass es zu Cannes nichts gibt (was ich nicht glauben kann) oder besser suchen? Ich entschied mich für das Zweite. JSTOR ist gerade bei mir nicht zu erreichen und so lange mache ich gerade mal Pause. Wenn jemand noch gute deutsche Open Access Dienste kennt, immer her damit.

.: Donots – Stop the Clock :.