Es ist mal wieder Zeit, um etwas zu Reflektieren und zwar gleich in dreihunderfacher Weise. Ach Quatsch ich tue einfach nur das, wozu Blogs, also Weblogs, mal gedacht waren. Ich führe Buch über die Entwicklung eines Projektes, wenn auch rückwirkend.
Irgendwann im Mai habe ich mit den Überlegungen zur Studie Wie glaubwürdig ist Wikipedia? angefangen. Dazu gehörte es zu allererst John Willinsky’s Studie What open access research can do for Wikipedia zu analysieren. Ich habe Willinsky’s Studie so gut es ging rekursiv erschlossen und an den Punkten verändert, die mir unzureichend vorkamen. Trotzdem habe ich möglichst viel davon übertragen, damit man seine Ergebnisse mit meinen vergleichen kann.
Im Laufe dieses Prozesses musste ich mich unweigerlich mit einigen Fragen auseinandersetzen. Ich habe die Richtlinien des englischen mit dem deutschen Portal verglichen, um unterschiede in Qualitätsansprüchen herauszuarbeiten. Irgendwann mussten dann meiner Meinung nach ganz grundlegende Fragen geklärt werden. Kann man auf Überblicksseiten Referenzen erwarten? Wo fängt ein Open Access Artikel an und wo hört ein journalistischer Text auf? Was sind eigentlich Referenzen?
Irgendwann waren dann diese Fragen geklärt und es mussten einige hundert Einträge gesucht werden. Einhundert der Einträge wurden dann analysiert, in Tabellen übertragen und statistisch erfasst. Das war der leichteste Teil, aber auch einer der zeitaufwendigsten.
Dann ging es ans Auswerten, Schlüsse und Schreiben. Ganz ungewohnt verglich ich nicht die Ergebnisse von Wissenschaftlern, sondern schuf meine eigenen Ergebnisse. So kam wieder die Unsicherheit und die Methode wurde noch mal überprüft. Was kann man von Wikipedia erwarten? Was sollte Wikipedia erfüllen? Fragen, Fragen und irgendwann auch Antworten.
Der Arbeitsaufwand war vor allem so groß, weil ich mit dem Bereich keinerlei Erfahrung habe. Außerdem weil es paradoxerweise eine andere Arbeitsweise ist, seine Arbeitsweise und Ergebnisse zu belegen, als eine normale Hausarbeit zu schreiben und dort bekanntes Wissen mit Klassikern zu belegen. Ich denke so sollte es nicht sein und ist nicht im Sinne des Erfinders.
Diese Arbeit war irgendwie auch ein kleiner Selbsterfahrungstrip. Insgesammt war ich ganze vier Wochen krank, immerhin zwei nicht alleine
. Ich hab es sogar bis 31.09. fertig bekommen, wie ich wollte. Nur das korrigieren hatte länger gedauert. Es wäre auch anders zu einfach gewesen. Mein PC musste neu gemacht werden. Ein abgestürztes Word für Mac, setzte mein Dokument auf eine alte Version zurück usw. Aber nach 14 Tagen zusätzlicher Odyssee war dann endlich alles fertig und ich kann zum nächsten Stress übergehen.
Warum die Mühe?
Honorata hat mich im Zuge dessen gefragt, ob ich es nicht etwas übertreibe und warum ich das mache. Ganz einfach, egal ob ich ein Referat, eine Hausarbeit oder irgendetwas anderes mache: Ich will wissen, was ich tue. Mir ist schon klar, dass keine große Chance besteht, dass irgendjemand mal liest, was ich in der Uni mache. Aber ich will begründen können, warum ich mich für eine Arbeitsweise entschieden habe. Man muss für sein Geschriebenes einstehen können oder die Glaubwürdigkeit ist nicht gegeben. Mehr noch, wenn man bewusst und logisch etwas erarbeitet hat, versteht man seine Fehler auch besser und kann mehr daraus lernen.
Irgendwann muss man anfangen für das was man schreibt Verantwortung zu übernehmen. Ein Blog hilft dabei weiter, finde ich – aber auf Ebene der Universität, würde es helfen, wenn dieses Gefühl für die Wichtigkeit der eigenen Arbeit mehr vermittelt wird. Mark Feuerle hat einmal gesagt, dass ich es mit meinen Themen nicht übertreiben soll, denn ich habe nach dem Studium genug Zeit, mir intelligente Gedanken zu machen. Da hat er auch vollkommen Recht, trotzdem ist er auf meine unwichtige Arbeit genau eingegangen und ich hab viel gelernt, das ist, finde ich, der richtige Weg.
Die Uni erscheint manchmal als der größte Papierverschwänder an sich. Mein schreibt etwas, der Text wird überflogen und ab in den Müll (oder das Archiv). So verliert man vollkommen das Gefühl für die eigene Arbeit. Man distanziert sich, da es vollkommen unwichtig erscheint, wie viel Mühe man sich gibt. Meiner Überzeugung nach, ist es auch vollkommen unwichtig. Wenn man sieht, wie Menschen, denen die Themen völlig egal sind und einfach nur etwas auf das Papier würgen, die gleiche Leistungsbestätigung erhalten, wie die Verfasser qualitativ hochwertigerer Produkte, kann man schon zweifeln. Muss man auch. Im Studium geht doch alles nur noch um Effizienz. Das sieht man alleine am Bachelorstudiengang. Im Prinzip ist ein straffes Studium vollkommen richtig. Aber es wird nur schnell studiert, nicht gut. Man saugt Wissen auf und vergisst es wieder, um Platz für neues zu schaffen, als hätte man Bulemie.
Effizient ist es, Groschenromane zu schreiben, anstatt zu lernen, wie man wissenschaftlich Arbeitet. Man darf Arbeiten nur als angewandte Arbeitszeit sehen und nicht das Produkt im Auge haben. Hat man eine gewisse Zeit aufgewendet, um etwas zu schreiben, dann gibt es einen Schein. Kein wunder, dass so viel kopiert, geklaut und vernachlässigt wird. Es ist auch kein Wunder, dass so viele Studenten zweifeln und sich bestraft dafür fühlen, etwas lernen zu wollen. So wie ich.
.: Metallica – Broken, Beat & Scarred :.