Feb 17

Überall beklagen die Verlage, daß es ihnen schlecht geht. In Amerika sterben schon die Zeitungen. Das Internet ist schuld, die Menschen lesen zu wenig. Ist das so? Von Qualitätjournalismus fehlt heutzutage oft jede Spur.

Da hat sueddeutsche.de schon meinen Geschmack getroffen mit der Serie Wozu noch Journalismus? Der vierte Artikel der Reihe hat mich dazu gebracht ihn zu kommentieren. Aber auf der Homepage von der Hauseigenen Zeitung des Autors, der Freitag.

Aber da mein Interesse am Thema so groß ist, kopiere ich meinen Kommentar auch noch mal in den Blog. Viel Vergnügen.

Die Verlage liegen im Sterben, aber der Journalismus ist bereits verwest. Vielleicht verdirbt der Verwesungsgeruch den neuen Lesern die Lust?

Ich gehe besser einen Schritt zurück und schreibe ein verspätetes Vorwort. Ich habe den Artikel von JA und die Kommentare gelesen und zu diesem wichtigen Thema, muss ich meine Meinung noch dazuschreiben. Vielleicht finden sich nicht nur JA, sondern auch Frau Lack, Columbus und andere Kommentatoren wieder.

Zurück zur Kompostierung einer Kommunikationsform. Es ist natürlich richtig, dass Zeitungen sterben, weil zu wenige Exemplare gekauft werden. Woran kann das nur liegen – werden sich am Anfang der Debatte Viele gefragt haben. Den Blick nach außen gerichtet, wird geschaut, was sich verändert hat. Da fallen die neuen Medien so offensichtlich ins Auge, daß sie den Blick auf alles andere verdecken.

Natürlich hat sich die Medienlandschaft durch das Internet stark verändert. Stärker noch als durch das Fernsehen, weil es nun jedem möglich ist zu Publizieren. Und das tun die Menschen auch. Überall wird gebloggt, getwittert, kommentiert und provoziert. All das dient zwar auch, aber nicht nur der bloßen Kommunikation, wie eine SMS. Selbstverständlich twittern Menschen auch, weil sie dadurch Geld sparen können. Das ist trotzdem nicht alles. Bloggen und Twittern findet öffentlich statt und davon geht ein Reiz aus. Es ist der, auch unbewußte, Reiz am öffentlichen Diskurs, am zementieren seiner Meinung, die auch in der Flüchtigkeit des Internets eine Permanenz erlangt.

Es besteht ein großer Bedarf an Meinungen, an Kommunikation und Information. Sind das nicht Bestandteile einer Zeitung, eines Magazins oder auch einer Fachzeitschrift? Trotzdem werden weniger Zeitschriften verkauft. Das mag am Internet liegen. Aber weder Fernsehen noch Radio und im Übrigen auch nicht das Internet, haben es in einer gemeinsamen Anstrengung geschafft das Buch zu vernichten. Zwar erfordern neue Umstände neue Medien, aber der Blick darf nicht nur auf der Form des Vermittelns ruhen. Es muss geschaut werden, was vermittelt wird.

Genau da trifft Herr Augstein mit seinem Kommentar. Die Krise der Verlage liegt am Produkt mit dem sie Handeln. Egal, ob man durch die Überregionalen Zeitungen blättert oder durch verschiedene Nachrichtensendungen im Fernsehen zappt, es scheint alles ähnlich. Natürlich ist der Gegenstand des Berichtes immer dasselbe, aber die Tonart, die Sichtweise auch. Es ist richtig, daß objektiv berichtet werden muss, aber selbst wenn es vollkommene Objektivität geben würde, unterschieden sich die Autoren immer noch in Wort und Stimmung. Doch selbst sind wirkliche Unterschiede oft kaum noch vorhanden. Oft sind Artikel nichts weiter als leicht umformulierte DPA-Meldungen. Und so ein Produkt soll interessant sein?

Wieder zurück zur Objektivität. Es gibt sie nicht. Die Wahrheit zu finden, ist oft unmöglich. Selbst Fakten führen zur Subjektivität. Was erwähnt man, was nicht? Berichtet man nur, dass der Iran erfolgreich Uran anreichert oder erwähnt man noch, daß es sich um einen Bluff handeln könnte? Es sollen keine Grenzen zwischen Artikelgattungen verwischt werden. Nur das Mischverhältnis der Publikationen sollte angeguckt werden. Sind Kommentare wirklich noch Kommentare? Wo setzt sich jemand wirklich mit einem Thema auseinander und wo wird nur die Meinung eines Pressesprechers wiederholt? Ein Thema muss von vielen Seiten beleuchtet werden, aber der Platz für den Text ist oft begrenzt. Der Autor muss auswählen und filtern und dadurch entsteht unweigerlich seine Wahrheit. Das scheint keinem mehr bewußt zu sein. Wären Journalisten Schreiner, dann würden die meisten im Moment den vollkommen gleichen Stuhl herstellen.

Immer das gleiche zu sehen ist nicht interessant und gute Artikel müssen den Leser in seinen Bann ziehen. Von ihnen muss eine Anziehungskraft ausgehen, die sie lesenswert macht. Seine bloße Existenz kann nicht der einzige Grund zum Lesen sein. Die Faszination mit der Columbus hier in den Kommentaren von Journalisten spricht, kommt nicht auf. Wo nichts ist, was geliebt werden kann, entsteht keine (positive) Beziehung. Die Neon ist ein gutes Beispiel. Sie scheint die junge Generation wirklich anzusprechen, da ich überall junge Menschen über sie reden höre. In der Bahn wird die Neon gelesen und auf Blogs wird kommentiert, was die sie schreibt. Das ist eine intermediale Koexistenz, wie sie sich viele Verlage wünschen (sofern sie das Internet nicht verbieten können). Die Neon existiert nicht nur, sie spricht ihre (jungen) Leser an und das in Farbe und bunt, wie der Name schon sagt. Das ist nun auch nicht der Aufruf an sämtliche Printmedien zur BILD zur werden (bitte nicht). Aber Zeitschriften brauchen Charakter, ansonsten können alle problemlos durch Direktmeldungen der Nachrichteagenturen ersetz werden.

Die Jungen zwischen 16-20, die Frau Lack anspricht, sind es gewohnt bevormundet zu werden. Abgesehen von Eltern und Lehrern, tritt die Politik stärker denn je in die Rolle des Vormunds. Überall trifft auf die jugendlichen heute Zensur und vor allem Unverständnis. Ihnen nachzusagen, daß sie Komasäufer sind, ist noch eines der harmlosesten Dinge. Jugendliche sind gewaltbereite Amokläufer, deren Hobbies verboten werden müssen. Ihr Kommunikationsraum (das Internet) ist voller Kinderpornografen, Diebe, Terroristen und Dummschwätzer. Sie sind unmündig und die Kontrolle über sie muss erweitert werden. Heute bekommt man seine Mündigkeit nicht mit 18 Jahren. Man bekommt sie niemals. Spiele und andere Dinge werden in Deutschland verboten, ohne daß selbst Chance hat, für sich zu entscheiden. Was Stopp-Schilder angedeutet wurde, wird mit dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag ad absurdum geführt.

Heute heißt es eben nicht mehr „Poltiker lügen“ sondern „Politiker und Medien lügen“. Das Internet gilt als der letzte Platz, wo noch Wahrheiten oder Meinungen zu finden sind und wird von der jungen Generation deswegen mehr geschätzt, als ihnen vielleicht bewußt ist. Und die Zeitungen, Magazine und alle anderen Printmedien wundern sich, daß die Auflage sinkt? Sie sind doch nur Stimmen des Chors, der zerstören möchte, worauf eine Generation stolz ist.

So am Ende etwas zu mir, weil der Hintergrund des Autors oft wichtig ist für das Verständnis seiner Meinung. Mein Name ist Philipp Nordmeyer, ich gehöre selbst zur jungen Generation mit meinen 27 Jahren. Ich bin fast mit meinem Magister Studium der Geschichte und Politikwissenschaft fertig und schreibe nebenbei als C-Klasse-Journalist. Was meine literarische Erziehung angeht, bin ich wohl relativ unterbelichtet. Bis zum Alter von 20 Jahren habe ich vielleicht 10 Büchern aus Spaß gelesen (inzwischen sind es viel mehr). Auch wenn ich mich für Politik und Menschen interessiere, habe ich niemals regelmäßig eine Zeitung gelesen. Dafür hatte ich den Spiegel abonniert bis mich Hasstiraden gegen das Internet und meine Generation Doof vertrieben haben. Ich lese aber regelmäßig online, vor allem weil dort das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Hauptsächlich lese ich sueddeutsche.de, spiegel.de, welt.de und heise.de, um verschiedene Gesichtspunkte kennenzulernen und nicht nur eine Meinung zu hören. Allerdings gibt es, bis auf heise.de, kaum Meinungen. Ich frage mich warum der Heise Verlag als einziger mein politisches Interesse an Meinungsfreiheit vertritt.

Ich würde mich freuen, wenn mir jemand antwortet. Ganz abgesehen davon, meine Einstellung zum Beruf wird mir wohl nie einen richtigen Journalisten-Job bescheren.

.: MC Frontalot – I hate your Blog :.

Sep 25

Wer die Wahl hat, hat die Qual und wer nicht wählen geht, bekommt sie trotzdem. Am 27. September ist Bundestagswahl und wir wissen jetzt schon, dass mit aller Wahrscheinlichkeit Angela Merkel eine zweite Amtszeit bekommen wird. Nur ist nicht ganz klar, wer ihr Steigbügelhalter sein wird. Frustration könnte das Motto dieser Wahl sein. Frustration der Menschen fast jeder Ideologie mit der Politik der letzten Jahre, Frustration der Jungen über ihre Ausschlachtung als Wahlkampfthema und die Frustration all derjenigen, die etwas ändern wollen. Dieser Wahlkampf hatte mit einem eigentlichen Kampf so viel zu tun, wie Ursula von der Leyen mit Kinderschutz.

Verunsichert haben die beiden großen Parteien, wenn man sie noch so nennen kann, keinen richtigen Kurs gefunden, weil beide auch kein richtiges Ziel haben. Merkel hat dabei auch ohne Wahlkampf die Wahl wahrscheinlich für sich entschieden mit den anscheinend deutschen Grundgedanken “Bloß nicht anecken” und “Bloß nicht anders sein.” Keine Meinung haben bringt einen anscheinend auch an der Spitze der Politik noch weiter. Anstatt das Konkurenten die Messlatte höher heben, einigt man sich auf ein angenehmes Niveau, das keiner überschreitet, sonst wird es anstrengend. Das System regt Sophie und mich schon lange auf, aber gestern habe ich zum ersten Mal bemerkt, dass es diesen Wahlkampf  auch Kennzeichnet. Für den Einzelhandel in Hannover ist es zum Beispiel bezeichnend, dass wenn ein Geschäft seinen Service einschränkt, es die anderen auch tun. Anstatt, daß versucht wird den besten Laden zu haben, wird sich angepasst. Was die einen nicht tun, tun wir auch nicht.

Jetzt wird etwas weit gegriffen, Verzeihung im voraus. Aber das ist genau die Mentalität die bei Spieleentwicklern und Spielern (besonders Online Rollenspielern) inzwischen vorherrscht. Bloß nicht zu kompliziert, bloß nicht selbst nachdenken und wenn es nichts (fast) umsonst gibt, wird halt  aufgehört und gemault. Das ist genau einer der Gründe, warum Warhammer Online nicht funktioniert. Wie auch, wenn der Gegner auslogt, statt sich zu wehren? Genauso wie man immer einen Anreiz braucht, um zusammen zu spielen, weil man sonst die Gegenwart anderer Spieler in einem Multiplayerspiel nicht erträgt. Nicht nachdenken, nichts tun wo man nicht direkt einen Gegenwert erhält – das wird gefördert und verlangt.

Deswegen wird auch bei dieser Wahl die CDU/ CSU wieder die meisten Stimmen bekommen, während die Wähler anderer Parteien frustriert, desillusioniert und in einer tiefen Glaubenskrise sind. Kein Wunder, so kann sich die CDU/ CSU den Sieg zur Not auch mit den verfassungswidrigen Überhangmandaten sichern. Die sind laut Merkel ja auch keine Mandate zweiter Klasse und Schäuble meint, dass es ein Grundprizip der Demokratie sei nicht über das Wahlreicht zu streiten. Schäuble scheint eher die Grundprinzipien der Demokratie nicht verstanden zu haben. Vielleicht können wir ja unsere Exporte steigern indem wir zumindest ihn nach China oder Nord Korea exportieren, da würde seine Mentalität wenigstens nicht auffallen. Aber er hat ja Pläne für Deutschland. Schäuble will den Nachrichtenschutz der demokratischen Kontrolle entziehen, die stört ja auch nur und wenn man schon dabei ist, kann man direkt neue Kompetenzen einpflegen und eine Geheimpolizei daraus machen.

Klingt nicht so verlockend oder? Darum geht am 27.09.09 wählen. Nichtwählen hilft der CDU, weil ihre Anhänger eben wählen gehen. Wählt nicht einfach irgendetwas und überlegt euch eure Stimme, selbst wenn eure Partei nicht die Regierung stellt, in der Opposition kann man auch etwas erreichen.

Jetzt habe ich vor ein paar Tagen gehört, dass man ja nicht’s wählen kann. Die Aussage verstehe ich ziemlich gut. Aber die Schlußfolgerung nicht. Weil man eben nichts wählen kann, soll man die NPD wählen. Genau. Das ist die Lösung. Denkt ihr, die NPD verschwindet dann wieder, wenn man nicht mehr hinguckt? Sie gibt bestimmt auch die Macht wieder ab, weil sie ja weiß, dass sie Protestgewählt wurde. So ein Schwachsinn. Das hat den selben Nährwert, wie Geld verbrennen, weil Du es sowieso wieder ausgibst oder Frauen verprügeln damit sie mit Dir ausgehen.

Ich für meinen Teil wähle die Piraten, weil es vollkommen ok ist, dass eine Partei einen kleineren Themenkreis vertritt. Sie regiert ja nicht allein und im Fall der Piraten wohl auch eher gar nicht. Die Piraten vertreten meine Anliegen mehr als jede andere Partei, was wohl auch daran liegt, dass die restlichen Parteien entweder kein Konzept haben (SPD, Merkel-CDU), kein von mir vertretbares (CDU, Grüne, FDP) oder kein realistisches (LINKE, FDP). Passenderweise habe ich vor ein paar Tagen auch gehört, dass man die Piraten nicht wählen kann, weil sie einen Kinderschänder in der Partei haben. Zuerst will ich gar nicht wissen, wie viele Kinderschänder, Vergewaltiger und Mörder die anderen Parteien unerkannterweise in ihren Reihen haben. Die Verbrechen anderer man das mutmaßliche Verbrechen von Tauss aber nicht besser und ich will ihn gar nicht verteidigen. Aber für mich, wie für die Piraten gilt in Deutschland die Unschuldsvermutung. Solange Tauss nicht eines Verbrechens überführt wurde, ist es unschuldig und so zu behandeln. Des weiteren wählt man keine Person, sondern eine Partei. Das wurde zwar in den letzten Jahren immer weiter runtergespielt aber grundsätzlich ist es so.

Eure Stimme zählt und kriegt euren Arsch hoch und geht wählen. Es gibt kein “das geht mich nichts an” und auch kein “das interessiert mich nicht”. Wenn ihr nicht Wählen geht, dann seid ihr mitschuld an dem was in den nächsten Jahren passiert. Es ist nicht nur wichtig, ob man Erfolg hat, sondern das man etwas getan hat. Ohne eure Stimme seid ihr nichts und deswegen wird auch niemand beachtet. Selbst wenn es nichts bringt, glaubt ihr die Politik hat es nötig euch zu respektieren, wenn ihr es nicht mal schaft zwei Kreuze auf einem Blatt Papier zu machen? Macht ein Event draus, geht mit Freunden. Bei der Europawahl haben Sophie und ich uns Caipirinhas mitgenommen.

Wenn alle, die von der Politik frustriert sind wählen gehen würden, wenn die Jungen die gleiche Aktivität wie die Alten hätten, dann sähe die politische Landschaft schon ganz anders aus. Nehmt endlich eure Bürgerrechte in die Hand, anstatt nur darüber zu maulen, was die anderen mit Ihnen anstellen.

Ob Pirat oder nicht, geht wählen.

Aug 10

Die Schlacht bei Minden - Lokales Ereignis, globale Folgen

Weil ich so selten dazu komme, etwas zu schreiben im Moment, recycle ich ein wenig. Die Ausstellung zur Schlacht bei Minden ist seit vorletztem Samstag eröffnet und ich habe wenigstens mal Fotos hochgeladen. Die könnt ihr euch ganz einfach > hier < angucken.

Als Bonus gibt es noch den Text, den ich für die Einführung des Ausstellungskatalogs geschrieben habe. Er ist zwar auch etwas auf Mindener ausgerichtet aber natürlich für jeden geschrieben. Das hier ist die nicht redigierte, jungfräuliche Version.

Eine Schlacht um Minden?

Es gab keine Schlacht um Minden. Das Treffen beider Parteien nahe Minden scheint heute eher zufällig. Aber es gab nichtsdestotrotz eine Schlacht bei Minden. Auch wenn es dabei nicht um die Stadt Minden ging, so war die Schlacht für die Menschen in und um Minden nicht weniger bedrohlich. Sie wurden unweigerlich zu Schlachtteilnehmern. Sie versorgten die Soldaten mit Essen, boten ihnen Unterkunft und pflegten die Verwundeten. Ihre Ernte wurde zum Futter der Soldatenpferde und gleichgültig der Tatsache, daß die Einwohner Mindens nicht selbst kämpften, machten umherschwirrende Gewehrkugeln keinen Unterschied zwischen Soldat und Mutter. Not entstand nicht nur durch die Kämpfe, sondern auch durch Verknappung der Ressourcen, allem voran der Nahrung. Ungeachtet dessen, dass Minden nicht beabsichtigtes Ziel der Schlacht war, waren die Mindener ihre Opfer. Sie trugen ihren Teil zum Sieg gegen Frankreich und Österreich bei und dieser sollte seine Schatten bis nach Amerika werfen.

Die Schlacht bei Minden liegt nun 250 Jahre in der Vergangenheit. Aber sie ist alles andere als Vergessen. So erinnern sich heute auch noch Sieger, Verlierer und vor allem die Mindener „an einen nebligen Morgen“ im Jahr 1759. Aber wirklich erinnern kann sich keiner mehr von uns. Alle Informationen über die Schlacht wurden tradiert, überliefert, weil heute kein Zeuge der Schlacht noch am Leben ist. Niemand kann uns aus erster Hand erzählen, was damals geschehen ist. Alles was uns bleibt sind Berichte, Bilder, Überreste und viele andere Arten von Quellen, die wir richtig deuten müssen, weil auch diese nicht von selbst zu sprechen beginnen. Also liegt es an den Menschen aus den stummen Zeugen der Schlacht ihre Geschichte zu rekonstruieren. Hier klicken, um den ganzen Beitrag anzusehen

Jun 19

Ich musste mir in letzter Zeit ziemlich viel anhören. Ich bin z.B. ein diebischer Kommunist, weil ich für Open Access bin. Natürlich bin ich auch ein potentieller Serienmörder, weil ich Actionspiele kaufe und spiele. Aber jetzt bin ich auch noch pervers, geile mich an vergewaltigten Kindern auf und bin grundsätzlich für die Verbreitung solchen Materials. Bei so viel Provokation und einer derartigen Verleumdung, ist es wohl drin, dass ich nun mal zurückschießen.

Ich bin kein Patriot, aber trotzdem kann ich mich mit meiner Abstammung, meinen Mitmenschen und dem Land identifizieren. Nicht zuletzt, weil ich auch durch Wahlen versuche, mein demokratisches Mitbestimmungsrecht auszuüben. Es gibt Ereignisse, die den Charakter eines Landes oder seiner Regierung definieren. Wobei: Auch wenn jeder über die Regierung meckert, irgendwer scheint sie ja noch zu wählen oder? Also kann man, mit der Gefahr bösartiger Verallgemeinerungen, an der politischen Situation eines Landes dessen Charakter erkennen. Wir demonstrieren kaum noch, fallen uns in den Rücken und lästern in unseren Kleingärtner vereinen. Wir schimpfen über Killerspieler, saufen und schießen in unseren Vereinen. Wir sind faul, falsch und hohl. Wir sind: Merkel, Stoiber oder Schäuble. Im Iran, einer Quasi-Demokratur, protestieren Hunderttausende für ihr Recht auf Mitbestimmung. Sie werden geprügelt, getötet und eingesperrt für ein Recht auf dem wir uns ausruhen und was uns anscheinend nicht interessiert. Ähnlich sieht es auch in China gegen den Grünen Damm aus (weitere Internetzensur).

Woher kommt nun die basisdemokratische Wut? Gestern wurde das Gesetz zur Eindämmung von Kinderpornographie im Internet verabschiedet und das in einer Sitzung, die für sich schon verfassungswidrig war! Kinderpornographie gehört natürlich bekämpft. Aber bei diesem Gesetz ist das letzte worum es geht Kinderpornographie. Nein, falsch: Das letzte worum es geht, sind die Kinder. Es ist den Bundestagsfraktionen der großen Koalition sogar recht, dass Kinder vergewaltigt werden. Hier klicken, um den ganzen Beitrag anzusehen

Mai 25

Im Moment ist jeden Tag alles gleich und doch so anders. Meine Gedanken kreisen und die Gefühle schwanken von Hoffnung bis Verzweiflung, schaukeln immer wieder hin und her, wie ein Boot auf offener See. Ich weiß nicht was morgen ist und noch nicht ein mal, was heute Abend sein wird. Nichts ist sicher und alles kann sein.

Alles dreht sich immer wieder um die Frage: Was ist Liebe? Liebe ist, denke ich, nicht nur ein Gefühl, sondern auch eine Einstellung und etwas, das einander verbindet. Verknallt sein, Schmetterlinge und ein verrücktes Bauchgefühl, so fängt meißt alles an. Wir brauchen diese Energie, um vertrauen aufzubauen, sich füreinander zu interessieren und vertrauen zu lernen. Doch das ändert sich mit der Zeit, wenn mehr vertrauen und eine positive Art von Gewohnheit entsteht (Gewohnheit heißt nicht Gleichgültigkeit).

Irgendwann teilt man mehr als ein Gefühl, man teilt zwei Leben miteinander. Man darf sein eigenes dabei aber nicht vergessen, weil sonst der eigene Teil der zwei entfällt. Liebe heißt zu vertrauen, zu teilen, zu geben und auch zu nehmen – sich zu zweit im Leben zu verwurzeln, die Vergangheit zu teilen und die Zukunft zu erwarten.

Hier klicken, um den ganzen Beitrag anzusehen

Mai 12

Ich wollte nebenbei die ganzen verschlüsselten Postings erklären. Sophie und ich mussten miteinander reden, ohne reden zu können und da war das, aus der Ferne, die beste Plattform.

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Gibt es eine Beziehung die ewig hält? Nein, ich denke nicht. Aber ich glaube an Liebe als Gefühl und als Fertigkeit. Vor allem glaube ich daran, dass man bis zu seinem Tode mit einem Menschen zusammen sein kann. Wenn man jetzt mitgelesen hat und seine Aufmerksamkeitsspanne über zwei Sätze reicht, klingt das paradox. Ist es aber nicht. Menschen, die wirklich lange Zeit zusammen sind, eigenen guten Teil ihres Lebens miteinander verbracht haben, sind nicht mehr in der gleichen Beziehung, wie am Anfang. Also leben sie nicht in einer Beziehung die lange angedauert hat.

Was ich damit meine, ist ganz einfach, Menschen ändern sich. Damit ändern sich Interessen, Schwächen und vor allem auch Gefühle. Eine Beziehung baut auf Gefühlen auf. Neben Liebe, natürlich auch Vertrauen, Freude, Gutmütigkeit. Wenn sich die Gefühle eines Menschen ändern und auch, wie er sie wahr nimmt, was er fürchtet; wenn sich die Bedürfnisse ändern, ob er krank ist, ob er Hilfe braucht oder ob er viel zu geben hat, dann ändert sich auch das Verhältnis zu seinem Partner. Eine Beziehung ist wie die kleinste Band der Welt: Ändert der eine die Tonart, passt sich der andere an oder es klingt schief. Da man sich in einer funktionierenden Beziehung immer irgendwie ausgleicht, verändert sich mit den eigenen Gefühlen auch Gleichgewicht der Beziehung damit irgendwann auch die Beziehung selbst.

Apr 22

Ja ich räume auf, noch ein Posting von letzter Woche, das nicht fertig geworden war.

Anstatt heute direkt über Demokratie, politische Ideen und Willensbildung oder auch den politischen Prozess zu reden, streifen uns solche Themen nur, obwohl sie das Hauptthema offensichtlich stark betreffen. Um diese kryptische Formulierung mal aufzuschlüsseln: Ich schreibe heute über das Leben in der Demokratie.

Demokratie, das heißt in Deutschland, Volksherrschaft durch Wahlen und Mehrheitsentscheide (dort endet Demokratie aber nicht!). Das heißt die Mehrheit oder ein Bündnis, das eine Mehrheit bildet, gibt den Ton an. Natürlich üben viele Akteure Einfluss aus, aber Entscheidungen werden meistens von (oder unter der Kontrolle von) Mehrheiten durchgesetzt.

Genauer will ich das auch nicht aufschlüsseln, es reicht die Feststellung, dass es augenscheinlich politische Mehrheiten und Minderheiten gibt. Dasselbe kann man für kulturelle Strömungen sagen. Es gibt verschiedenste soziale Gruppen, ob das nun Goths, Punks, Prolls oder Ökos sind. Diese Gruppen sind natürlich verschieden groß und beeinflussen sich gegenseitig (durch positive oder negative Beispiele). Man kann auch teil verschiedener Gruppen sein, je nachdem wie sehr manche Charakteristiken in einer Gruppe dominant sind und zur Ausgrenzung neigen. Ein Goth könnte Mitglied eines Schützenvereins sein, aber würde wegen seinem Kleidungsstil wahrscheinlich auffallen oder auch ausgegrenzt werden. Man kann es niemals allen Recht machen.

Ich finde Menschen neigen dazu nicht anecken zu wollen. Sie wollen sich anpassen, gemocht werden und Anerkennung bekommen. Da noch keiner den Sinn des Lebens wirklich aufgeschlüsselt hat, abgesehen von einer unromantischen biologischen Erklärung, sucht man sich den Sinn vor allem auch in anderen Menschen. Das heißt nicht, dass man nur bei anderen Menschen sein möchte, mir geht es da weniger um die Nähe, nein man orientiert sich auch an anderen.

Das führt zu einem Problem: Was macht man, wenn man an der Gesellschaft teilhaben will, aber diese hoffnungslos den Verstand verloren zu haben scheint? Hier klicken, um den ganzen Beitrag anzusehen

Mrz 26

Es gibt ein paar Dinge, die man beim ernsthaften Schreiben beachten sollte. Man sollte einen klaren Kopf behalten, möglichst neutral beurteilen und einen gewissen emotionalen Abstand zum Thema halten. Das fällt mir ab und zu etwas schwer. Hinzu kommt jetzt gerade auch noch, dass ich vom Umfang des Ganzen so erschlagen bin, dass ich hier gar nicht genau auf alles eingehen kann und will. Immerhin ist das nur ein Blogeintrag und kein Buch. Also hier, nur einmal exemplarisch, ein paar Dinge, bei denen ich mich frage, was das noch mit Demokratie zu tun hat.

Was sind alles Vorraussetzungen für eine funktionierende Demokratie?

Ohne jetzt einmal die offizielle Liste demokratischer Eckpunkte rauszuholen, gehörten für mich vorallem die  folgenden Punkte dazu:

  • die Möglichkeit der Partizipation des Bürgers am Staat
  • die Informations- und Meinungsfreiheit
  • die Transparenz des politischen Prozesses
  • die Gleichheit der Menschen
  • die Gewaltenteilung
  • die Bildung, politische Meinungsbildung und Verantwortungsbewußtsein der Bürger

Das sind doch schon einige Punkte, wie sieht es denn damit bei uns aus? Neben der grundsätzlichen Möglichkeit der Partizipation, ist die Fähigkeit zur Partizipation eine wichtige Vorrausetzung. Darunter fällt die Bildung der Menschen und auch, was in Deutschland besonders schwer zu sein scheint, die Meinungsbildung. Zuletzt muss man auch noch das Gefühl haben, dass seine Meinung etwas bewirkt und sie aussprechen – oder grundsätzlich überhaupt erst das Interesse daran haben.

Bei uns ist Bildung immer noch eine Sache der Herkunft und des Geldes. Das zeigt sich nicht nur im Studium, sondern auch in der Schule. Es wird sich in einigen Jahren zeigen, was es für die Politik und die Gesellschaft bedeutet, dass so viele Hauptschüler auf einem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Abstellgleis landen. Dabei sind Hauptschüler alles andere nutzlos und dumm. Natürlich sind Hauptschüler schlechte Physiker und Geisteswissenschaftler, aber wenn unsere Welt nur aus Akademikern bestehen würde, wäre ihr sehr wenig geholfen. Der Zugang zu Bildung und die politische Meinungsbildung sind Schlüsselelemente einer funktionierenden Demokratie. Das Volk muss sich emanzipieren, da die Macht vom Volk ausgeht. Sonsten funktioniert Politik so, wie ein Gartenschlauch den niemand festhält, während er mit voll aufgedrehtem Wasser umherpeitscht.

Die öffentlich rechtlichen Medien sind auch ein Grundstein unserer Demokratie. Sie sollen uns Informieren, Unterhalten und auch den politischen Prozess transparenter machen. Der Staat hat keine Befugnisse bei ihnen und sie werden unabhängig vom Staat finanziert, um jede Kontrolle zu unterbinden und damit ein gefärbtes Programm zu verhindern. Warum sind dann z.B. Kurt Beck und Roland Koch im Verwaltungsrat des ZDF? In den anderen Medienanstalten sieht das nicht besser aus. Es gibt kaum eine Position, die nicht einer Partei zugehörig ist. Soviel dazu.

Aber was uns schon erschreckend stark vom demokratischen Prinzip abbringt, ist die Liebe der Politik zur Zensur. Volljährigen, mit allen Rechten und Pflichten ausgestatteten Bürgern, wird der Zugang zu Informationen verwehrt. Vorallem wird der Umgang mit solchen Medien (darunter fallen auch Texte) nicht gelehrt. Man kann sich keine eigene Meinung bilden, verstehen warum etwas schlecht ist oder vielleicht auch einen Kern Wahrheit enthält. Man kann von allem etwas lernen.

Es werden aber nur Tabous geschaffen. Ein “psst das sagt man nicht”, genau wie teilweise mit unserer Nazi Vergangenheit umgegangen wird. Das Verbot von Hakenkreuzen und das Schweigen über die Zeit, hat wohl den Rechtsradikalismus noch nicht besiegt. Genauso wenig, wie das Verbot von Killerspielen den Jugendlichen Hoffnung geben wird und in Zukunft Amokläufe verhindert. Nein es wird nur Medienpolitisch agiert. Man möchte sich nur Positionieren, den Schein eines wirksamen politischen Prozesses erwecken und so wird eine Subkultur unseres Landes stigmatisiert und kriminalisiert.

Eine weitere antidemokratische Tendenz ist für mich der Überwachungswahn. Es scheint so, als wäre das Internet, was den politischen Konsens angeht, grundsätzlich böse und als müsste man dort alles überwachen, weil dort jede Tat geplant wird. Aber ich denke es ist anders. Könnte man jedes Kneipengespräch, jedes Treffen zu Hause überwachen, wäre auch das schon geschehen. Voratsdatenspeicherung, das Prokollieren von Emails, IP Adressen und so weiter, wird immer weiter vorran getrieben. In England wird darüber nachgedacht, auch soziale Netzwerke wie Facebook zu überwachen. Das ist schon nicht mehr Stasi 2.0, das geht noch weit darüber hinaus. China und Australien haben es vor gemacht: Die Internet Zensur. Während man sich in China nicht viel um demokratische Prinzipien scherrt, sieht das in Australien normalerweise anders aus. Aber dort kam die Internetzensur zum Schutz der Bürger vor bösen Webseiten und ist nun bis ins perverse vorran getrieben worden. Gestern wurden die Eckpunkte für unsere, technisch ineffektive, Internetzensur beschlossen. Damit soll die Kinderpornographie besiegt werden. Völlig wirkungslos, wie Experten sagen, da sich die Zensur mit Proxyservern umgehen lässt und der Großteil der Kinderpornographie über private Computer- oder Handynetzwerke vertrieben wird.

Es wird wahlkampf getrieben, perverser Wahlkampf. Wahlkampf damit unsere freiheitliche demokratische Grundordnung abzuschaffen. Wer nicht dafür ist, ist ein Feind. Das Recht zur Ausübung einer Opposition wird moralisch unterbunden. Wer für die Informationsfreiheit und gegen die Internetzensur ist, wird zum Kinderficker degradiert, da er zulässt, dass die Kinderpornographie stattfindet. Dabei gehen viele davon aus, dass genau wie in Australien, das nur der Anfang ist. Bei dem Verbotswahn unserer Politik (und auch des Volkes) ist es kaum vorstellbar, dass es dabei bleibt. So fordert Ministerin Schavan auch prombt das Verbot von Gewaltseiten im Internet. Was sind nun Gewaltseiten? Gehören dazu auch eSports Seiten und Seiten von Actionspielen? Immerhin wurde in Stuttgart jetzt auch nach dem Amoklauf ein eSports-Tunier verboten.

Meinungen werden Manipuliert, die Grundrechte angegriffen und die Politik verkommt zur Show. Ich habe das Gefühl, dass das Widerstandsrecht eines meiner wichtigsten Grundrechte in der Zukunft sein wird. Ich würde gerne Anklage gegen viele Mitglieder des Bundestages und der Landesregierungen erheben. Allen vorran Ursula von der Leyen und Wolfgang Schäuble wegen Abschaffung der freiheitlich demokratischen Grundordnung.

Es gibt so viel zu sagen und so viel zu schreiben, aber das soll es erstmal gewesen sein. Denn leider gibt es genug Verpflichtungen, die einen von soetwas fern halten.

PS: Auch sehr schön ein passender Eintrag auf Spiegelfechter.de

.: He is Legend – The Seduction :.

Mrz 13

Ein gefundenes Fressen, anders kann man es wohl nicht beschreiben. Die Leichen sind noch nicht ganz kalt und schon werden sie geschlachtet und die Möglichkeit bis aufs letzte ausgeweidet. Amokläufe sind immer ein gefundes Fressen. Für Lobbies und Verbände, Zeitungen und Fernsehen und natürlich für die Politik.

Alle sind dankbar für ein neues Thema, denn die Finanzkrise nutzt sich langsam ab. Außerdem musste bei all der Diskussion um Computerspiele als Kulturgut, wieder ein Gegenbeispiel gefunden werden, sonst wären unsere Medienzecken wie Dr. Pfeiffer auf längere Sicht arbeitslos. Generell fehlt Medien und Politik wohl anscheinend das kreative Element. Sie schaffen keine Inhalte, sondern nutzen Geschehnisse wie Parasiten oder Aasfresser aus. Ob nun Dinge zur Chefsache erklärt werden oder wieder eine Reihe von Berichten auf Frontal über Killerspiele läuft.

Während in den ersten 36h noch der Fokus auf den Opfern lag, werden diese jetzt post mortem missbraucht. Ihr Tod dient nicht dafür das in der Zukunft zu verhinden, sondern allein um Geld mit ihrem Leiden zu machen oder Wahlkampf zu treiben. So geraten die vielen Initiativen zur besseren Betreuung der Kinder und der Prävention von Amokläufen wieder aus dem Fokus der Medien. Verbieten ist immer einfacher und im Falle der Medien sind Artikel mit gedroschen Phrasen und einfachen Feindbildern, weniger aufwändig zu schreiben, als richtiger fundierter Journalismus.

Und so beginnt alles wieder von Vorne. Solange den Menschen kein Gefühl von Hoffnung und einer Zukunft gegeben wird, werden weiter viele Kinder und erwachsene Menschen in Amokläufen umkommen. Ohne Spiele, werden auch nicht weniger sterben. Der Amokläufer war psychisch krank und hat die Therapie verlassen. Selbst das wird kaum noch thematisiert. Nach Ursachen wird nicht gesucht, sondern aus ausschlachtbaren Einzelheiten. Und genau diese Dummheit der Menschen löst die Wut aus, die irgendwann unerträglich wird.

Aber wenigstens schaffen die CDU und SPD nun ein Wahlkampfprogramm zu erstellen, dass sich letztendlich einmal unterscheidet. Dafür mussten auch nur 17 Menschen sterben. Während die CDU ganz klassisch ein Killerspiele-Verbot fordert, möchte die SPD stärkere Kontrolle über Schützenvereine. Könnte man sich auf die SPD verlassen, hätten sie wohl meine Stimme. Aber wer hilft den Opfern? Wer versucht über seinen Vorteil hinaus sowas in Zukunft zu verhindern?

Für mich bleibt außerdem noch eine Frage. Selbst mit den ganzen Verboten, warum laufen in Deutschland, dem Land mit der stärksten Gewaltzensur der Welt, mehr Menschen amok, als in anderen Ländern? Deswegen bin ich auch skeptisch, dass ein Verbot überhaupt etwas bewirkt.

Ich bin jedenfalls auch für solche Darstellungen dankbar: Für mich ist Tim K. irgendwie auch Opfer.

.: Rage Against the Machine – Wake Up

Mrz 9

Ich wundere mich ja immer wieder, wo meine alte Kraft denn hin ist. Bei jedem Anschein von Aufregung zucke ich heute zusammen, wo ich früher einfach draufgehalten habe. Die Welt ist voller Menschen, sie quillt praktisch über. Es ist eng und überall geraten die Interessen der Menschen aneinander. Es ist kein Konflikt zwischen Gut und Böse, sondern ein Aufeinanderprallen der Wünsche, Vorstellungen und Eigenheiten jedes Einzelnen.

Wir sind wer wir sind, wenn wir tun, was wir tun und denken, was wir denken. Dazu müssen wir nur eben etwas tun und uns nicht nur leiten lassen. Es ist was anderes zurückzustecken, wenn es nötig ist oder Kompromisse einzugehen, wenn so das Beste dabei rauskommt, als wenn man nicht denkt, sondern nur folgt und „ja“ und „amen“ sagt.

Zurück zu mir, ich gehe Problemen, Konfrontationen und Hürden in den letzten Jahren gerne aus dem Weg. Nicht, weil ich faul bin, sondern ich habe Angst durch das Gefühl nichts mehr Aushalten zu können. Früher war ich, wie oft wehmütig erwähnt, der Phönix aus der Asche. Heute habe ich nicht mehr die Kraft mich ständig wiederzuerwecken.

Wo ich früher durch Wände gebrochen bin, suche ich heute nicht mal mehr Türen, sondern drehe um. Aber wie auch schon öfter gesagt, das wird besser. Je mehr ich mache, desto mehr schaffe ich auch. Da liegt der Hund glaube ich begraben. Ich habe damals mein Momentum verloren, das ich mein Leben lang hatte. Mit dem Schwung ging immer alles, man hat mich vielleicht gebremst, aber nie gestoppt.  Seit ich mal gestoppt wurde, stehe ich und habe hier klein und erbärmlich Angst. Ich muss den Glauben an mich selbst finden, um wieder weiterzumachen und das tue ich so langsam auch.

Auch wenn die folgende Logik auf Star Trek Lyrik aufbaut (ja, oh Gott). Aber wir können nicht mit weniger aus unserem Leben gehen als wir gestartet sind. Wir Leben und wir Sterben, zwei Konstanten und was dazwischen ist, liegt hoffentlich an uns. Einen wirklichen Verlust gibt es kaum, auch wenn wir natürlich an Sachen hängen. Wir sind nicht am Leben, sobald wir geboren wurden. Wir sind tot, solange bis wir uns ein Leben geschaffen haben, ein Leben mit dem wir zufrieden sind. Wir kämpfen nicht jeden Tag, um zu überleben, sondern auch um überhaupt ein Leben zu haben. Egal ob Dozent an der Uni, Laborassistent, Werksarbeiter oder Codemonkey: Wir müssen etwas haben, was uns erfüllt und das muss nicht die Arbeit haben. Wir müssen etwas erkämpfen, dass uns auf dem Sterbebett sagen lässt: „Das war’s wert.“ Wo Menschen nur noch Ware oder Arbeitskraft sind und uns auf dem Papier nur noch unsere Ausfallquote unterscheidet, ist das besonders schwer und besonders wichtig.

Ich bin der Phoenix und ich bin tot. Ich kämpfe, um ein Leben zu bekommen.

.: Rise Against – Prayer of the Refugee :.

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