Gewalt ist die einfachste Lösung

Die neunziger sind wieder im kommen, das zeigt sich nicht nur in diversen Remakes und fragwürdigen Mottoparties, sondern auch in brennenden Flüchtlingsheimen. Hatten wir das nicht schon mal? Ja, aber wohl nicht hinter uns. Wie wenig wir an der Aufbereitung interessiert sind, zeigt sich im NSU Prozess. Wobei das schon eine Beschleunigung ist, wenn man bedenkt, dass andere Täter erst 93 Jahre alt waren bei ihrer Verhandlung. Der Rechtsradikalismus war niemals weg, wir werden nur gezwungen wieder hinzusehen. Andernfalls könnte man auch an eine überspitzte Ironie sehen, wenn wir erst unser Mitgefühl für ertrinkende Flüchtlinge ausdrücken, um dann ihre Unterkünfte in Brand zu stecken. Es wundert mich nur, dass kein Politiker die Erfolge seiner besonders trockenen Unterkünfte angepriesen hat.

Ich glaube trotz allem nicht, dass Fremdenfeindlichkeit immer mit Hass und Rassismus einhergehen muss. Man kann auch nüchtern und sachlich argumentieren. “Mut zur Wahrheit!”, wie es der gehobene Wutbürger propagiert. Das Boot ist eben voll. Daran lässt sich nichts rütteln. Es geht gar nicht gegen Hilfebedürftige und Ausländer, es ist nur eben kein Platz da und Geld sowieso nicht. Das kann ja ganz neutral sehen.

Aber ist das Boot denn voll? Egal ob Drohnen, Opern, Flughäfen oder Bahnhöfe – es ist so viel Geld da, dass es mehr oder weniger sinnlos zum Fenster rausgeworfen werden kann.  Gleichzeitig sparen wir bei Bildung und Sozialem. In Zeiten von Hartz IV sind Mehrausgaben für die Flüchtlingshilfe schwer zu verkaufen. Jedenfalls nicht, ohne seine Gesprächspartner erst zu nehmen und auf sie zu zugehen. Welcher Mensch gibt schon gerne zu, dass er gerade mal ein paar Hundert Millionen irgendwo versenkt hat, die auch Bedürftigen das Leben hätte retten können? Wenn wir ehrlich sind und es nur um Geld geht, dann müssten Ministerien brennen und keine Flüchtlingsheime. Es geht um Sündenböcke und einfache Antworten. Aber in einem Mehrparteienstaat mit 80.000.000 Einwohnern gibt es nicht eine einzige einfache Antwort, geschweige denn Lösung.

Darum fällt es immer leichter dumme Antworten auf wichtige Fragen zu geben. Wenn es gegen Ausländer geht, dann ist die CSU und der König von Bayern immer dabei. Das Seehofer plump kann, ist nichts Neues. Er muss auch nicht anders. So können die extremeren Rechten Demokraten immer noch mit Bundesadler um ihren Horst kreisen. Das ist eben auch noch der gefühlte Unterschied zur nicht ganz so gut gelaufenen alten Zeit. wobei einige mindestens gerne ein Kreuz im Kalender machen würden, wenn alles wieder so einfach ist wie früher.

Das Gefährliche ist aber, dass er Vielen aus der Seele spricht. Er gibt ihnen was sie hören wollen. Nicht allen Zuhörern ist dabei klar, dass es um Machtpolitik geht, ums Geld verdienen. Genau wie andere Prostituierten befriedigt er Bedürfnisse, nur eben seelische. Gleichwohl will ich hier nicht unterstellen, dass er nicht aus Überzeugung handelt. Ich denke nur, dass es ein glücklicher Zufall ist in diesem Fall sagen zu können was er denkt und nicht wieder spontan seine Meinung ändern muss. Wenn Multikulti noch nicht tot ist, kann man auch noch etwas nachtreten. Dabei wäre Vorsicht geboten. Anstatt auf dem Weg zur größeren politischen Macht weiter Öl ins inzwischen buchstäbliche Feuer zu gießen, sollte man Aufklären und Schlichten bevor der Brand außer Kontrolle gerät. Die Suche nach einfachen Lösungen läuft immer auf Sündenböcke hinaus. Und die einfachste Lösung von allen ist immer Gewalt. Bleibt nur zu hoffen, dass die Menschen der Verführung Widerstehen bevor Seehofer und Co. eine Endlösung für ihr Wahlprogramm gefunden haben.

Dann wiederum sollte man Demokratie nicht der Hoffnung überlassen.

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