Here I go again

„The reports of my death are greatly exaggerated.“
– Mark Twain

Jeder lebt in seiner eigenen Welt. Das ist nun mal so und das wird auch immer so bleiben. Durch unsere Erfahrungen sehen wir alles immer mindestens eine Nuance und manchmal eine ganze Welt anders. Wer das nicht versteht und akzeptiert, kann niemals wirklich im Einklang mit sich und seiner Umwelt im Einklang leben. Es ist wichtig immer empathisch sich selbst und anderen gegenüber zu sein, da man sonst die Verbindung zur Außenwelt und sich selbst verliert.

Also wie sieht es in meiner Welt aus? Sehr gut. Nicht die Art von Regenbogen-kotzenden Einhörnern gut, aber viel besser als ich erwartet hätte. Immer noch und so langsam wird aus dem Trend die Regel. Das kann man mir glauben oder nicht, für mich stimmt es. Die letzten zwei Monate waren einfach und ich freue mich auf etwas Ruhe. Aber wenn ich könnte, würde ich nichts ändern, nichts rückgängig machen und alles noch mal wiederholen. Ich habe so viele wichtige Erfahrungen gemacht und die wichtigsten sind meistens nicht die schönsten.

Die wichtigste ist, dass ich immer noch ich bin und das gut so ist. Es klingt so banal wie offensichtlich. Aber ich war lange nicht mehr ich selbst, ich wollte es auch nicht sein, weil ich irgendwann dachte es wäre nicht gut genug. Aber für mich ist meine Art die beste. Mit allen Vorteilen und den ganzen Nachteilen. Andernfalls wäre ich jetzt immer noch traurig, statt seit vier Wochen schon wieder zu lachen. Selbstverständlich gibt es auch wolkige Zeiten, aber das sind inzwischen nur noch kurze Augenblicke. Ich bin stolz darauf, dass ich mich nicht ducken muss, mich nicht verkrieche und nichts verdränge. Andere Methoden sind wahrscheinlich einfacher und meine grauen Haare kommen bestimmt nicht von ungefähr, aber so bin ich. Bis jetzt habe ich damit auch nur Freunde verstört und nicht vertrieben ;-).

Durch diese Prüfung habe ich zu alter Stärke zurückgefunden und damit mein unendliches, egozentrisches und eingebildetes Selbstbewusstsein wiederentdeckt. Irgendwann muss ich dafür noch ein passendes Halsband finden, um es an die Leine zu legen. Wenn das losgelassen wird, hat es früher schon einigen Schaden angerichtet. Aber es geht nicht nur darum seine Stärken, Schwächen und Dämonen in Ketten zu legen. Eine Schwäche kann immer eine Stärke sein. Wer empfindlich und ängstlich ist, kann empathisch und einfühlsam sein. Wer öfter mal Kontrolle ausübt, kann jemanden unterbuttern, aber auch vorangehen, wenn jemand anders nicht mehr weiter weiß. Die eigenen Dämonen können uns und andere zerstören. Angst, Hass, Zorn, sind mächtige Feinde, aber auch gute Verbündete. Es gibt schlimmeres als einen 800 Pfund Gorilla, der auf meiner Seite steht. Man muss nur Frieden mit ihm schließen.

Ich bin so unendlich froh über alle Menschen, die ich in der letzten Zeit kennengelernt habe. Über die Eindrücke, die ich sammeln konnte und die Momente, die ich andernfalls nie erlebt hätte. Ich müsste ganz schön feige und bequem sein, wenn ich mir wünschen würde die Zeit zurück zu drehen. Ich bin froh darüber, dass mein Leben kein einfaches ist und das auch nie war. Ich habe genug gesehen und gelebt für zwei Menschen Anfang Dreißig. Wer mich auf meine Extraversion und alberne Lockerheit reduziert, ist selbst schuld. Gerade, weil ich mir vertraue, ernst und analytisch sein kann, bin ich im Normalzustand locker. Kein Plan rettet einen durchs Leben, sondern die ständige, achtsame Anpassung von Moment zu Moment. Dabei hilft mir eben meine offene Art, das ich mich selbst kenne und mein 800 Pfund Gorilla.

Jedes Problem hat mich am Ende stärker gemacht. Jedes Hindernis hat mich Achtsamer gemacht. Jeder Stolperstein hat mich Einfühlsamer gemacht. Jede Herausforderung hat mir bewusster gemacht, wer ich bin. Nach langer Zeit denke ich wieder: Ich bin wer ich bin und das ist gut so. Das ist jedes Problem, jeden Schmerz, jeden Ärger und jedes Hindernis wert. Ich gehe lieber barfuß einen steinigen Weg als vom Glück von Ort zu Ort getragen zu werden.

 

„Destiny
Wherever you are taking me
Whatever you’ve arranged for me
I don’t want your goodness for free
I wanna earn what i want

I will fight again
I will fail again
I will regret
I will forget
You surely know my name“

– Emil Bulls, Between the Devil and the deep blue sea

And here I go again.

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