Über Liebe/ Über Uns #update

Die Beiträge der letzten Tage sind schon fast ein kleines Buch oder eine Abhandlung darüber, wie ich mit allem Umgehe. Was ich denke und versuche anders zu sehen. Über eine Sache habe ich bis jetzt wenig nachgedacht und das ist die Liebe an sich. Das wäre dann auch das nächste logische Kapitel in meinem Verarbeitungsmarathon. Aber es hat sich gezeigt, dass ich an dem Punkt sehr wenig zweifle, sehr wenig daran ändere. Ich sehe Liebe heute noch genauso, wie vor zwei Jahren, wie vor sechs Jahren, wie vor acht Jahren. Ich fühle mich höchstens, selbst durch die Trennung, bestätigt.

Ich kann nur davon sprechen was ich denke, was Liebe ist. Kein Gefühl ist stärker, komplexer, verwirrender und vielfältiger. Liebe steht für mich nicht im Gegensatz zu sexueller Anziehung und Schmetterlingen im Bauch, aber es ist für mich etwas anderes. Ich flirte sehr gerne, lerne sowieso gerne Menschen kennen und wenn daraus dann Schmetterlinge und guter Sex entstehen, dann ist das doch etwas Schönes. Aber Liebe kommt später. Liebe entsteht, wenn die Schmetterlinge langsam verschwinden. Wenn man über den Punkt der puren Leidenschaft hinaus ist.

Wer das jetzt unromantisch, vernünftig und langweilig findet, hat unrecht und ich hoffe, ich kann das gut genug darstellen. In jeder Beziehung gibt es den Punkt an dem die Schmetterlinge dauerhaft oder zeitweise weg sind. Das ist ein Punkt vor dem ich Angst habe, ein Punkt an dem ich auch zwei, vielleicht drei Mal in meinem Leben war. Bei einer acht-jährigen Beziehung kommt das natürlich auch vor. Genauso wie es vorkommt, dass man auch Gefühle für jemand anderen entwickelt, von einer gewissen Anziehung bis hin zu Schmetterlingen.

Warum sollte man in einer Beziehung bleiben, wenn die Gefühle woanders zeitweise intensiver sind? Das kann ich niemandem sagen, ich kann wieder nur sagen, wie es für mich ist. Ich habe irgendwann von der Vorstellung losgelassen, immer Schmetterlinge haben zu wollen. Was desillusioniert klingt, war einer der größten Segen für mich. Meine Ansprüche sind nicht niedriger geworden, aber meine Erwartungen haben sich geändert. Durch diese innere Freiheit konnte sich das Gefühl in mir von Schmetterlingen zu tiefer Verbundenheit, Mitgefühl und Vertrauen entwickeln. Zu Liebe. Eine Liebe, an die ich keine Erwartungen habe. So hat sich die Liebe immer entwickelt. Wenn ich mehr mit mir Probleme hatte, habe ich kaum gespürt, dass da etwas ist, außer einer guten und beruhigenden Gewohnheit. War ich freier und offener, habe ich mich auf Sie konzentriert, kam irgendwann ein tiefes, warmes Gefühl an vielen Tagen.

Für mich ist es schwer zu sagen, wann man liebt. Selbst für mich, der jetzt sehr traurig ist, war es oft genug unsichtbar. Aber ich bin mir inzwischen trotzdem sicher, dass es Liebe war. Wo es vorbei ist, empfinde ich nur Mitgefühl und Fürsorge. Zum ersten Mal in meinem Leben, keine Wut, sondern nur der Gedanke, was man tun kann, nicht tun sollte. Das ist kein falsches Mitleid oder ein letztes klammern. Ich kümmere mich genug um mich. Es ist einfach, was acht Jahre lieben hinterlassen haben. Jetzt bin ich auch oft genug verwirrt und bin unsicher über meinen Weg. Aber ich denke, dass das wahre Liebe ist. Es kommt nur darauf an, was man damit anfängt.

Liebe und Verknallt sein, sind ein wenig wie Glück und Vergnügen. Wenn man sich auf Liebe einlässt, wird sie, finde ich, irgendwann erfüllender und zu mehr. Aber man muss sich trauen zu lieben.

Post Scriptum

Ich habe auf diesen Beitrag ziemlich viel Feedback bekommen und möchte deshalb noch etwas nachtragen.

Diese Art zu Lieben musste ich auch erst lernen, richtiger ich musste lernen loszulassen. Das war ein Prozess der viele Jahre gedauert hat. Es ist etwas, dass sich vor zwei Jahren mit großer Zufriedenheit eingestellt hat. Da waren wir immerhin schon sechs Jahre zusammen. Aber es gab diesen Punkt, wo ich wirklich intensiv drüber nachgedacht habe, was ich für mich will. Auch danach habe ich immer wieder über den Sinn der Beziehung reflektiert. Früher habe ich gesagt, ich habe gezweifelt. Aber ein Zweifel war das selten. Eher ein Suchen nach Ursachen und Wirkungen. Zu einem Problem gehören zwei und wenn jeder seinen Teil tut, sind Probleme für mich auch in Ordnung. Das ist was ich geprüft habe.

Trotzdem gehört zu einer Beziehung mehr als Liebe und Arbeit. Das ist etwas, was ich schon lange wusste, aber erst in den letzten zwei Jahren gelernt habe. Mit dem Schlußmachen von Sophie ist der Groschen bei mir gefallen. Ich war schon immer sehr mitfühlend, weshalb ich mich gut in andere Menschen hineinversetzen kann. Mitfühlend ist eine der wichtigsten Sachen, die wir als Mensch tun können. Es tut anderen gut und befreit uns selbst. Wenn wir verstehen, dass es allen Menschen nur darum geht glücklich zu sein und wenig Leid zu erfahren, haben wir mit jedem anderen etwas grundlegendes Gemeinsam.

Schwer ist es, wenn unsere Interessen mit jemand anderem konkurrieren. Genau das passiert in einer Beziehung immer wieder. Bei Gefühlen wird das extra schwer. Man hat immer im Kopf sein Herz zu schützen und seine Interessen zu vertreten. Selbst bei Kompromissen, wo beide ein Stück aufeinander zugehen, geht es auch immer um einen selbst. Das ist natürlich auch gut so, aber nicht immer.

Das ist aber ein Prozess, den beide mitmachen müssen. Ich habe das nur gelernt, weil auch ich ihr immer wieder weh getan habe. Nie mit Absicht, aber es passiert trotzdem. Wenn man betrachtet, wie man Leiden in anderen auslöst, darf man sich demgegenüber nie verschließen, sondern muss daraus lernen. Der andere ist nie man selbst, egal wie ähnlich man sich ist. Deswegen nimmt er auch immer alles anders war, weil er im Leben andere Erfahrungen gemacht hat.

Wegen der wiederkehrenden Zukunftsfragen hatte ich Angst und Angst verdreht immer ein wenig die Wahrnehmung. Die (vorerst) letzte Stufe der Liebe und auch der guten Beziehung habe ich erst wenige Tage vor dem Schlußmachen erreicht und ihr Gehen hat es bestätigt.

Natürlich bin ich traurig und habe ich geweint. Aber ich fühle keine Wut, keinen Zorn, keine Missgunst und keine Eifersucht. Nur Mitgefühl. Nachdem die Angst über ein Ende verschwand, wurde ich wirklich frei. Ich akzeptiere, dass sie glücklich sein will und wünsche ihr nur das Beste.

Ich weiß heute, dass ich mich entfernen würde, wenn ich schlecht für sie wäre. Ich denke noch das Gegenteil. Auch wenn durch ein „uns“ einige Probleme verschlimmert werden, werden doppelt so viele erleichtert. Aber jeder muss seinen eigenen Weg finden und ihn auch selbst gehen. Wenn man wie wir, solange in die gleiche Richtung geht, kann sich die Illusion einschleichen, dass man sich gar nicht bewegt. Wie dem auch sei. Ich hoffe mein Weg verliert nicht wieder das Mitgefühl, und dass ich es auch genauso gut auf andere übertragen kann.

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