Über Glück… und Crack

Ich glaube was alle Menschen im Leben vereint ist das Streben nach Glück. Wir alle wollen glücklich sein. Jeder hat dafür seinen eigenen Weg und die eigenen Methoden, um das zu erreichen. Viele suchen ihre Erfüllung in einer Partnerschaft, andere in Hobbies oder in der Arbeit. Selbst Workaholics und Schwerverbrecher wollen am Ende nur irgendwie Glück erreichen. Im Ziel sind wir Menschen gleich, doch der Weg ist eben oft unterschiedlich.

Nicht jeder Weg führt zum Glück, viele sind Täuschungen. Wir tun vieles, um unsere Ängste zu lindern. Aber sind das wirklich Wege zum Glück oder gehorchen wir nur unserer Angst? Stattdessen ist es oft sinnvoller sich der Gründe der Ängste zu stellen und ihr damit den Nährboden zu entziehen. Wahres, echtes Glück darf keinen Ängsten gefolgt sein. Aber was ist es denn, was uns wirklich glücklich macht?

Die Frage muss am Ende jeder für sich selbst beantworten. Jedem Menschen bereiten andere Sachen Vergnügen. Ich habe Spaß an Videospielen, am Kochen, an Sex, an Märchenfilmen und an vielen anderen Dingen. Manchmal konkurieren diese Sachen mit anderen Dingen. Sei es Spaß gegen Spaß oder wie es öfter ist: Spaß gegen Arbeit. „Muss ja“ gibt es für mich nicht. Wir alle könnten zu Hause bleiben und den ganzen Tag entweder Sturm der Liebe oder Youporn gucken. Wir tun es aber nicht.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Glück und Vergnügen. Uns kann etwas Vergnügen bereiten und trotzdem nicht glücklich machen. Glück oder glücklich sein ist etwas langfristiges. Glück braucht immer wieder Zuwendung, Arbeit und Vernunft. Es sind oft die langweiligen, vorsichtigen Entscheidungen, die uns glücklich machen. Eines der einfachsten Beispiele ist wohl, ob man fremd geht. Für den Moment kann es ein Vergnügen sein, aber später wird es uns auf die eine oder andere Weise belasten und eben nicht glücklich machen. Glück entsteht aus den langfristigen, wohl überlegten Entscheidungen.

Zwar glaube ich auch, dass man manchmal einfach Springen muss und nicht immer nur vorsichtig gehen kann. Aber ich glaube das Springen, das ich meine, ist kein hinwegsetzen über Vernunft und Zweifel, sondern eher ein eingehen von Risiken und ein Trotzen der Ängste. Glück braucht eben Arbeit, Vergnügen nicht unbedingt. Vergnügen ist wie Crack. Wenn man sein Leben darauf aufbaut, lebt man immer von Dosis zu Dosis und zwischendurch fällt man tief. Wir fangen an unser Leben vollzustopfen mit Freunden, Hobbies und positiven Ablenkungen. Was natürlich nicht falsch ist, aber wegen der Gründe auch nicht richtig. Wenn man jeden Abend ins Pub geht, weil man möchte, ist es auch etwas anderes als es zu tun, weil einem sonst die Hände zittern.

Basiert man sein Glück auf Vergnügen, macht einen das abhängig und da spreche ich aus eigener Erfahrung. Wenn das Vergnügen nämlich ausbleibt, ist man auf Entzug. Irgendwann reichen einem die Reize auch nicht mehr. Man braucht immer mehr. Mehr Freunde, mehr Hobbies, mehr Spiele, mehr Spaß. Gerade in unserer heutigen Welt ist es besonders schlimm. Wir sehen in der Werbung, auf Facebook, bei Freunden und im Web immer nur das Vergnügen der anderen. Wir sind ewig dabei uns selbst zu verbessern, weil uns immer gesagt, wurde, dass wir jede Chance der Welt haben. Wir sind etwas besonderes, wir können alles werden, wir MÜSSEN alles werden, machen, testen, versuchen, leben und erreichen. Irgendwie haben wir aber auch dieses Anspruch an uns selbst. Selbstoptimierung steht vielen auf der Stirn geschrieben. Auch mir.

Aber wahres Glück finden wir vor allem in uns selbst. Das klingt etwas heuchlerisch, weil ich selbst noch Suche. Aber glücklich zu sein, kann nur aus uns selbst entspringen. Wir können unser Glück nicht nur von anderen Dingen abhängig machen, wie dem Beruf oder Menschen. Ansonsten verlieren wir in Krisen mit diesen Dingen alles. Wir haben Angst sie zu verlieren und können sie nicht mehr richtig genießen. Man selbst hat nichts in seinem Leben unter Kontrolle. Wir sind dem ständigen Wandel unterworfen, selbst wenn es sich manchmal nicht so anfühlt. Der Wandel wird kommen. Ihn nicht fürchten zu müssen, heißt frei und glücklich leben zu können. Es heißt loslassen zu können.

Das heißt nicht, dass wir keine Dinge oder Menschen mehr lieben können. Im Gegenteil, aber wir müssen auch immer uns selbst lieben und alles ein wenig abstrakter sehen. Beispielsweise, wenn es uns Vergnügen und Glück bereitet eine bestimmte Serie zu gucken. Dann sollten wir auch immer den Akt des Guckens verehren. Wir sollten uns freuen, dass wir so etwas machen können, eine emotionale Verbindung eingehen können. Die Fähigkeit geht uns mit dem Ende einer Serie nicht verloren. Das gleiche gilt auch für Menschen. Ich finde es schön, dass ich Menschen mit jeder Faser meines Körpers lieben kann. Selbst wenn das letzte Mal noch kein Happy End hatte.

Zu mir als liebenden, offenen Menschen zu stehen, das macht mich wirklich glücklich. Viel glücklicher als darüber nachzudenken, dass ich verletzt wurde oder mir Vorwürfe zu machen. Das heißt nicht, dass ich diese Dinge ignoriere, aber ich stehe zu mir. Und das bereitet mir Glück.

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