Artikel von Januar 8th, 2015

Über das Anhaften und den klebrigen Geist

Über das Anhaften und den klebrigen Geist

Meine größte Charakterschwäche ist das Anhaften. Also der Wunsch Situationen, Menschen, Ideen und Dinge festzuhalten. Dazu gehört das Klammern an Menschen genauso wie sich von Wahrheiten abzulenken. Ich habe früher in Beziehungen immer sehr geklammert und war, generell aufs Leben bezogen, ein ziemlicher Kontrollfreak. Ich dachte, wenn ich mir die größtmögliche Mühe gebe und immer das richtige tue, wird alles klappen. Selbst wenn man immer das richtige tun könnte, hätte das nicht funktioniert. Das Leben hängt nie von einem alleine ab. Keine Beziehung hängt nur von zwei Menschen ab. Grundsteine für den eigenen Erfolg können von anderen gelegt werden. Fallen für eine Beziehung entstehen schon bevor man sich kennengelernt hat. Alles ist vergänglich. Das ist eine Tatsache gegen die ich mich immer noch wehre. Jede Situation ist vergänglich, jeder Gegenstand ist es, jeder Mensch und jede Beziehung. Selbst wenn eine Freundschaft oder eine Liebe bis zum Tod hält, verändert sie sich genau wie die Menschen. Man empfindet nicht mehr so wie am Anfang, neben Schmetterlinge kommt ein tiefes Gefühl des Vertrauens. Irgendwann brennt vielleicht kein Feuer mehr, dafür ist es wie Sonnenschein, der einen wärmt, schützt und nährt. Aber Veränderung kann man nur akzeptieren, wenn man die Vergänglichkeit akzeptiert. Das Leben kann man nur akzeptieren, wenn man sich der Endlichkeit aller Dinge bewusst ist. Wenn ich die Menschen auf der Straße sehe, merke ich, dass Veränderung gut ist. Stellen wir uns einmal vor, jede Situation würde ewig währen. Wir würden nicht mal von A nach B kommen. Wir würden immer Kinder sein, im gleichen Restaurant sitzen oder ewig streiten. Aber auch auf weniger extremer Ebene ist es gut, dass alles endet. Selbst das schönste Gespräch wird irgendwann langweilig. Würde nichts enden, würden wir uns auch nicht weiterentwickeln. Nicht nur die guten Dinge sind vergänglich, sondern auch die schlechten. Nach jeder Zeit, kommt eine andere. Schlechtes wird nicht unbedingt durch Gutes abgelöst, aber auch Schlechtes endet. Eben deswegen ist Anhaften schädlich. Es produziert Leid, weil man sein Herz an Dinge heftet, die endlich sind. Aber was heißt das für den Alltag? Soll man immer gleich aufgeben? Für nichts kämpfen? Ich habe den richtigen Weg nicht gefunden. Aber natürlich soll man sich für Dinge und Menschen einsetzen. Das ist aber der schmale Grad. Für etwas arbeiten, aber nicht daran kleben. Ist man sich der Vergänglichkeit bewusst, werden auch Alltagssituationen zu etwas besonderen. Man kann vielleicht Ärger eher ziehen lassen, weil man...

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