Über Mitgefühl

Mitgefühl ist ein schwieriges Thema. Besonders für so einen egozentrischen Menschen wie mich. Ich denke viel an andere Menschen. So ist es nicht. Ich fühle mit, sorge mich und wünsche allen nur das Beste. Aber ich denke auch oft, dass ich etwas besser weiß. Das ich helfen kann, ja muss. Deswegen mache ich oft Vorschriften, statt Angebote. Selbst wenn ich recht habe, geht es darum nie. Ich habe nur aus meiner Position recht. Dabei geht es doch nicht mal um mich. Verrückt oder? Das sind die Täuschungen denen man sich hingeben kann.

Mit Sophie ist das alles geplatzt. Sie hat mich enttäuscht. Ich habe mich enttäuscht. Auf mehr als eine Weise. Ich wurde eben auch ent-täuscht. Eine Täuschung hat sich aufgelöst. Nicht zuletzt durch das Gespräch mit meinem Trainer. Seitdem bin ich frei. Ich denke nicht mehr nur an mich. Ich denke an Sie, an euch alle. Aber nicht mehr indem ich denke, so oder so muss es sein. Ich nehme nur noch was kommt und fühle mit.

Ich bin nicht transzendiert, was immer das bedeuten mag. Ich stehe nicht über meinen Bedürfnissen, meiner Gier. Aber ich bin einen Schritt weiter. Alles was ich für Sophie empfinde ist Mitgefühl. Sie ist in einer schweren Situation, nach einer schweren Entscheidung. Ich versuche nicht mehr zu Urteilen, obwohl ich natürlich meine Meinung habe. Nur ist sie eben das. Eine Meinung, keine Wahrheit, keine Regel, nur meine kleine Sichtweise aus meinem Mikrokosmos.

Das macht mich, wie gesagt, frei. Alles „muss“ hat sich aufgelöst. Ich bin frei von Angst, nicht frei von Trauer. Aber Leid ist ein Teil des L(i)ebens. Vor allem verstehe ich den folgenden Satz ein wenig mehr:

Ärger und Sorgen sind Teil des Lebens – betrachte sie als göttliche Geschenke.

Ich weiß nicht, ob ich irgendwann zurückfalle in alte Verhaltensmuster. Wahrscheinlich schon. Aber Mitgefühl befreit mich und das werde ich nicht vergessen. Es heißt nicht, dass ich meine Bedürfnisse aufgebe. Mitgefühl heißt auch, dass man für sich selbst sorgt, sonst schadet man irgendwann anderen. Ich glaube alle Menschen wollen nur glücklich sein. Wir wissen nur nicht wie und machen uns auf dem Weg oft unglücklich. Uns fehlen die Werkzeuge und die Weitsicht. Wir können auch nicht hellsehen, nur auf unserem Weg wachsen. Mein Lernauftrag wäre der folgende:

Wenn jemand, dem ich gut getan und Hoffnung gegeben, mich tief verletzt, Möge ich ihn zu meinem höchsten Lehrmeister machen.
– 6. Vers zum Üben des Geistes

Ich war mal, vor langer Zeit, ein sehr rachsüchtiger Mensch. Das liegt immer noch in meiner Natur. Aber Rache macht aus einem Leiden viele. Die wenigsten tun absichtlich weh und die meisten von denen, tun es aus Selbstschutz. Im Grunde kommt es aber darauf zurück, dass wir alle nur glücklich sein wollen. Und das kann ich nachfühlen.

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