Idealisierte Angst – Vom Wegwerfen und Stillstand

Angst ist ein essentieller Bestandteil unseres Lebens. Deswegen ist das bei weitem auch nicht das erste Posting über Angst. Angst bewegt uns, sie motiviert uns, sie kann uns ergreifen und ersticken. Angst kann aber auch gesund sein, ist sie aber selten. Was nicht als der Angst als solches liegt, sondern wie wir mit Ihr umgehen. Auch wenn ich nicht viel über Angst geschrieben habe, gibt es ein wunderbares Posting über die Natur der Angst:

Fear of failure, fear of not being good enough, fear of letting go of control, fear of being alone, fear of abandonment, fear of discomfort, fear of missing out, fear that you’re not OK as you are or your life isn’t OK as it is, fear that some ideal won’t come true.

And these all boil down to the same fear: fear that you won’t be OK, that you’re not good enough. A lack of trust in yourself, and in the present moment.

– Fear is the Root of Your Problems. http://zenhabits.net/fear-not/

Er beschreibt wie alle Alltagsängste eigentlich dieselbe Angst sind; und für mich stimmt diese Feststellung. Fast alle meine Ängste haben damit zu tun, dass ich Angst davor habe, dass mein Leben kaputt geht. Dass ich nicht das Maximum aus meinen Möglichkeiten heraushole. Ich habe wenig Angst etwas zu verpassen, wie viele andere meiner Generation. Aber eben Angst nicht das best mögliche Leben geführt zu haben, ich habe eben nur eines. Diese Angst ist irrational. Wie viele der Ängste.

Der größte Teil der negativen Dinge in unserem Leben haben mit Angst zu tun. Wann immer wir uns wegen Problemen unwohl fühlen, ist der wahre Grund die Angst. Werden wir gefeuert, haben wir wahrscheinlich Angst unseren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten zu können. Aber auch Angst davor nicht gut genug zu sein. Bewerben wir uns ständig, hängen aber im gleichen Job fest, ist es ähnlich. Aber auch die Angst etwas zu verpassen kommt dazu. Die Angst, sich falsch entschieden zu haben. Leid können wir in unserem Leben nicht verhindern. Aber Angst führt zu noch mehr Leid. Sie sorgt dafür, dass sich leiden verstetigt.

Angst muss sich nicht immer wie Angst anfühlen, nicht im klassischen Freitag der 13./ Kettensägenmassaker-Stil. Angst kann sich als Wut, Traurigkeit, Druck, Unbeständigkeit und ähnliches äußern. Aber auch durch eine gewisse Fröhlichkeit, das Ablenken von Problemen, falscher Optimismus und das Unterdrücken der eigenen Reflektion. Die Natur der Angst ist, dass sie uns zwar beeinflusst, aber meist unsichtbar ist. Angst äußert sich nur direkt in der extremsten und reinsten Form.

Was wir gegen Angst tun können, lest am besten auf Zenhabbits nach. Im Grunde geht es darum die Angst zu erkennen, die Gründe herauszufinden, sie zu akzeptieren und sich von unrealistischen Idealen zu verabschieden. Das ist sehr schwer. Angst entspringt im oft aus dem Missstand zwischen dem, wie wir uns eine Situation idealer Weise vorstellen.

Eine der häufigsten Ängste heutzutage ist die Angst stehen zu bleiben. Ich höre das immer wieder, von vielen Personen und nicht nur von einer bestimmten, falls Ihr das jetzt denkt. Die Angst hatte ich auch mal, bin aber seit langem drüber Weg. Die Wahrheit ist, wir bleiben nie stehen. Wir gehen immer weiter, entwickeln uns weiter, aber laufen vielleicht nicht unserem idealisierten von unserem zukünftigen ich entgegen. Das soll nicht heißen, dass wir in schädlichen Situationen verweilen sollen und wir nichts an unserem Leben ändern sollen. Das ist eben der schwierige Punkt. Wir sind mit unserem Leben in einer Beziehung und wie bei jeder Beziehung gehören zu allen Problemen zwei. Vielleicht sind nicht unsere Lebensumstände, was uns quält, sondern unser Bild vom dem wie es sein müsste. Dabei wissen wir doch gar nicht, ob es wirklich besser ist, wenn es anders wäre. Wir missbrauchen unsere Phantasie. Wir quälen uns wegen einer Theorie. Wir können nie genau wissen, wie wir uns fühlen, weil wir die neuen Umstände eben nicht kennen.

Um auf den Stillstand zurückzukommen. Manchmal sieht es nur aus, als stehen wir still. Wer ist schon mal auf der Autobahn gefahren und für eine längere Strecke war man zwischen den gleichen Autos. Fast wie in einem Konvoi. Ab und zu kommt eines dazu oder eines fährt ab. Aber die Gruppe bleibt dieselbe. Wenn wir alle gleich schnell fahren, sieht es nicht mal aus, als würden wir uns bewegen. Die Abstände bleiben die gleichen, die Menschen auch. Dabei fahren wir 200 km/h und haben gerade 300km runtergerissen.

So ist es auch in unserem Leben. Irgendwann ändern sich Freunde, Hobbies, Lebensumstände langsamer. Es wirkt als bewegen wir uns nicht mehr, weil sie mit uns reisen. Vielleicht müssen wir aber einfach auf die Landschaft, an den Rand oder auf unseren Tacho gucken, damit wir sehen, dass wir uns irren.

Stattdessen neigen wir zum wegwerfen von Dingen. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Wir ändern, was uns nicht mehr gefällt, indem wir es ersetzen. Wir haben heute so viel, dass das selten ein Problem ist. Ganz passend zu meinen eigenen Problemen habe ich in einem klugen Beitrag von Maren Schneider gelesen, dass wir dieses Verhalten auch auf zwischenmenschliche Beziehungen. Auseinanderleben kann auch als ein Stoppen des ständigen Kennenlernens gesehen werden. Natürlich haben Beziehungen immer noch ein Ende. Alles hat das. Aber das Wegwerfen ist das Schädliche. Wegwerfen achtet nämlich nicht auf heilsame oder schädliche Eigenschaften. Wegwerfen ist in dem Fall willkürlich. Wir würden nie etwas wegwerfen, was wir gut finden. Aber oft erkennen wir nicht, was wirklich gut und schlecht ist. Was uns bewegt. Wir drehen uns weg und gehen. Oft aus Angst. Angst sorgt dafür, dass wir uns Situationen nicht stellen, in der Hoffnung keinen Schaden zu nehmen. Angst versucht uns nämlich zu schützen. Auch das ist die Natur der Angst.

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