Vom Streben nach Glück

In den Zeiten der schnellen Informationen, dem Leben irgendwo zwischen Facebook, Youporn und Bauer sucht Frau, liegt es Nahe die Gesellschaft als oberflächlich zu beschreiben. Tinder ist dabei vielleicht die Krönung. Zwei Menschen entscheiden anhand ein paar gestellter Bilder, ob es die Liebe des Lebens ist. Gut, wenn ich jemanden bei Happy Döner anspreche, liegt das auch nur daran, dass ich sie süß finde. Aber es ist weniger gestellt, weniger künstlich. Genauso werden auf Facebook nur die Sonnenseiten des Lebens gezeigt. Der Alltag versteckt sich irgendwo hinter Urlaubs- und Partyfotos, Jubiläen und Geburtstagswünschen. Aber schon bei 100 Freunden, wird man nur mit regelmäßigen Ausnahmezuständen konfrontiert. Party und Urlaub erscheint als Dauerzustand.

Das Problem ist nur, dass wir keine oberflächlichen Wesen sind. Wir können uns zwar so verhalten aber unsere Natur ist anders. Ich glaube das Streben danach Glücklich zu sein, ist etwas was in unserer Natur liegt. Jeder hat dafür seine eigenen Wege und ich glaube die meisten von uns auch sehr ungesunde Wege. Ich übrigens auch.

Wir machen unser Glück immer an externen Dingen fest. Job, Geld, Personen, Liebe. An den Orten wo wir sind. An der Freude auf die Orte. Glücklich zu sein heißt heute vor allem sich zu verwirklichen. Seine Persönlichkeit entfalten zu können in allen Bereichen seines Lebens. In uns steckt so viel. Wir sind alle gebildet und oft überqualifiziert und das macht das Entfalten unseres vollen Potentials schwer. Die meisten Jobs sind nicht eher simpel und eine zu finden, der einen völlig erfüllt ist schwer.

Nur was soll man tun? Noch mal studieren, was anderes anfangen? Ein ganz neues Leben? Eine andere Stadt? Wir sehen bei anderen immer was klappt, die Häuser, die Autos, die Pferdepflegerinnen. Aber selten, was nicht klappt. Gerade wenn es sich um die Gefühlswelt handelt. Wir versuchen auch immer nach außen glücklich zu wirken, was es nicht einfacher macht. Gerade deswegen haben viele Menschen gerade unter #notjustsad über Twitter versucht auf Depressionen aufmerksam zu machen. Es ist wichtig zu sehen, dass bei anderen auch viel falsch Läuft.

Ich verstehe vollkommen, dass man Angst hat die falschen Wege zu gehen. Für jede Tür durch die man geht, macht man viele Türen zu. Aber immer alles als Verlust zu betrachten zerstört was man hat. Man wird immer mehr verpassen als man erlebt. Es kann nicht immer nur darum gehen, wo man hin will. Sonst ist man nie glücklich, weil man nirgends ankommt. Der Weg, also das hier und jetzt, ist eben auch das Ziel, weil er das einzige ist, das real ist. Alles andere ist entweder nicht mehr oder wird erst noch werden. Und nur wer weiß wo er ist, kann einschätzen in welcher Richtung sein Ziel liegt.

Ich glaube Glück kommt von Innen. Alles andere kann uns zwar glücklich machen, bietet aber kein wahres, beständiges Glück. Solange wir es von äußeren Sachen abhängig machen, haften wir immer Dingen an und an diesen Dingen liegt dann unser Glück. Wahres Glück erfahren wir nur, wenn wir glücklich mit uns sein können. Dann sind wir zufrieden, gelassen und flexibel.

Nur wie man dieses Glück in sich findet, kann ich auch nicht sagen. Für mich ist es besonders schwer den Frieden mit Fehlern zu machen, die ich gemacht habe. Besonders wenn sie anderen weh getan haben. Ich verzeihe mir Fehler nicht, aber anderen sofort. Niemand macht Fehler mit Absicht. Ich auch nicht, aber an mich habe ich höhere Ansprüche.

Genau das ist das Problem. Hohe Erwartungen, zu hohe Erwartungen. Wir treiben uns immer weiter voran, wollen uns selbst optimieren, um alles so gut wie möglich zu machen und nichts dabei zu verpassen. Aber umgekehrt, was mir auch schwer fällt, wie niedrig sollen meine Erwartungen denn sein? Soll ich keinen Ehrgeiz haben? Und um Silvesterweisheiten zu zitieren „Soll ich mich jetzt auch übers Kacken freuen?“ Die Antwort ist, ich weiß es nicht. Vielleicht ist die Wahrheit auch beides. Wenn man zufrieden mit sich ist, verkraftet man eher Rückschläge, aber das heißt nicht seine Ansprüche wegzuwerfen. Es heißt aber zufrieden mit dem zu sein, was man hat. Es heißt auch sich realistische Ziele zu setzen.

Wir dürfen eben nicht vor Zielen, Träumen und Ansprüchen das Jetzt vergessen. Sonst leben wir nie und planen nur. Sonst nehmen wir nie etwas an, was schon da ist. Wenn woanders die Wiesen grüner sind, ist man sein Leben lang niemals auf einer grünen Wiese gewesen.

Ich liebe dieses Leben, auch mit dem Schmerz. Ich liebe das Leben wegen der Momente, wegen der anderen Menschen und wegen mir. Alles hört mit dem Tod auf, wir nehmen nichts mit. Also keine Angst, kein Schamgefühl. Hört lernt auf eure Stimme zu hören oder redet einfach nur mal mit ihr. Aber lasst euch nicht von eurem Streben nach Glück gefangen nehmen. Egal wie ihr euer Glück nennt, Freiheit, Selbstverwirklichung, Liebe, nehmt einfach einmal euch und euer Leben so wie es ist. Kommt zur Ruhe, guckt ganz ruhig was ihr mögt und ob euch etwas fehlt. Wenn euch etwas fehlt, dann versucht es einmal in euch zu finden. Seit euch niemals zu Schade auch mal umzudrehen auf eurem Weg. Denn es ist wirklich so, der Weg ist das Ziel. Also habt nicht so viel Angst wo ihr ankommt. Es geht darum was man Unterwegs erlebt. Und seit darüber einfach mal froh.

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