Das Ziel ist der Weg

Projekt LeiterBewerbungen sind ein Nervenkitzel auf den ich inzwischen ganz gut verzichten könnte. Jedes Mal zu raten, was man den gerne von einem hören möchte und nie wirklich man selbst sein zu können, ist anstrengend. Sowohl man selbst als auch viele Unternehmen gehen in der Flut der Bewerber unter. Versucht man jetzt einfach nur besser zu sein als oder schwimmt man gegen den Strom und sticht so aus der Masse hinaus? Ich habe darauf keine Antwort, immerhin habe ich auch noch keine Festanstellung ohne befristeten Vertrag erreicht. Das liegt zwar einerseits an meinem universitären Arbeitsumfeld, andererseits geht es anderen auch nicht viel besser.

Hach, ich wurde gerade darauf hingewiesen, dass den Beitrag viele lesen, die mich nicht kennen (danke Kalle). Ich bin Geschichtswissenschaftler und arbeite viel mit digitalen Medien und dem Netz. Sowas wie ein digitaler Medientheoretiker + Historiker. Ich arbeite z.Zt. für Unis, Vereine, Interessenverbände und freier Autor. Aber jetzt weiter im Text:

Kommt man erst mal in die Gesprächsrunde hat man gute Chancen, solange nichts kurioses passiert. Einmal fingen sich die Interviewer bei mir an zu streiten, wo mir relativ schnell klar wurde, dass ich da nicht arbeiten möchte. Das andere Mal, wurde mir nach etwas extra Beratungszeit abgesagt mit der Begründung, dass ich zu viele Menschen von anderen Abteilungen kenne und die Befürchtung besteht, ich würde intern sofort wechseln. Diese Woche kam die bitterste Absage auf die bisher beste Stelle. Mir wurde versichert, ich habe keine Fehler gemacht, die Bewerbung, Qualifikation und das Gespräch waren perfekt. Allerdings war jemand ähnlich gut und dann wurde nach Kleinigkeiten gesucht. Am Ende fanden 2 von 3 seine Kleidung besser. Wegen meiner außerordentlichen Kompetenz soll man aber in Verbindung bleiben, weil ich sehr viel helfen könnte, nur nicht bezahlt. Den letzten Punkt habe ich übrigens auch schon von 3 universitären Instituten innerhalb der letzten 6 Monate gehört. Unter anderem, weil ich der einzige bin, der in Hannover freiwillig digitale Arbeitsmethoden lehrt.

Aber steigert das die Job-Chancen? Nein, es macht mich eher zu einer „valuable asset“, die gemietet werden kann, wenn man sie braucht. Was ich mir in letzter Zeit immer öfter überlegt habe ist das Feld komplett zu wechseln. Besonders, wenn es mit den nächsten Forschungsprojekten nicht klappt. Aber wie geht so etwas? Wie fängt man neu an? Geht es nach den Unternehmen müssen Lebensläufe gerader seins Lineale. Alles, was nicht in ein Schema passt, wird nicht eingeladen, schon alleine wegen der Bewerbungsflut.

Darum hoffe ich, dass dieses Posting einige Menschen erreicht und zum Kommentieren bringt. Meine Frage ist: Wo seid ihr, wie seid ihr dahin gekommen und wohin wollt ihr? Habt ihr Tipps? Nicht nur für mich, sondern auch für die vielen anderen, denen es so geht. Bitte sharen, liken, shariken, likesharefaven… verteilen halt.

7 Kommentare

  1. Dann mache ich mal den Anfang – allerdings einen unspektakulären. Hoffentlich kommen noch einige Erfahrungsberichte hinzu.

    Bei mir (Studentin der Geschichtswissenschaft) war es Vitamin B in Reinform: Ich hatte bereits in drei je vierwöchigen Praktika in den Semesterferien bei Boehringer in Ingelheim absolviert und dort in der Informationsverarbeitung eine Ausstellung über die Hard- und Software der letzten Jahre zusammengestellt. Während des Studiums habe ich aber meine Liebe für Paläographie und das Archivwesen gefunden. Meine Mutter hörte über Bekannte, dass für die Verzeichnung von Akten aus dem 19./20. Jahrhundert Praktikanten gesucht werden. Ich habe mich beworben und wurde sofort eingestellt – mit Honorar. Das Praktikum dauerte letztendlich 3 Monate (Ferien zwischen Sommer- und Wintersemester), in denen ich über 200 Akten samt Findbuch zusammengestellt habe. Im darauffolgenden Sommer fragte ich an, ob ich nicht erneut einen Praktikumsplatz bekommen könnte und mir wurde prompt eine halbe Stelle (18h/Woche) angeboten. So arbeite ich seit über 5 Jahren und verzeichne Akten und auch das Museumsinventar. 🙂

  2. Zwei Sachen.

    Eine Frage: Warum bist Du nicht Du selbst bzw. verstellst Dich?

    Ein Tip: Versuch es als unabhängiger Berater. Schick all den Instituten, die sich positiv geäußert haben ein Angebot mit Stunden / Tagessatz.
    Der Vorteil für die: Sie haben nicht den Riesenaufwand mit Einstellen, bei wenig Bedarf wieder kündigen etc.
    Der Vorteil für Dich: Du kannst breiter streuen, Netzwerk aufbauen, Kompetenzen verbreitern UND vertiefen und v.a.: Mehr verdienen 😉

  3. Und noch ein zweiter Tip:
    Mache nie NIEMALS etwas für lau. Außer der Lerneffekt oder der Spaß dabei wäre nicht mit Gold aufzuwiegen.

    • Ich antworte mal hier komplett. Ich bewerbe mich ja als ich selbst, nur muss man immer wieder Facetten besonders herausbringen und andere weglassen. Mir kommt es teilweise so vor, als haben Unternehmen inzwischen mehr Angst vor dem Bewerbungsprozess als die Bewerber. Bloß nicht den Falschen einstellen! Bloß keinen Fehler machen! Bloß kein Risiko eingehen!

      Ich arbeite nicht kostenlos, das würde alles noch weiter entwerten. Das hat aber zur Folge, dass ich mit dem was ich wirklich kann fast gar nicht arbeite. So paradox wie das klingt, für Experten ist an Unis und Instituten kein Platz. Zum einen haben Sie ja ihre festangestellten Experten, zum anderen selten Freiraum im Budget.

      Leider kennt sich keiner der vorhandenen Experten mit digitalen Sachen aus. Deutschland hat als einziges großes Wirtschaftsland den Trend zum Arbeiten mit dem Netz in vielen Bereichen komplett verschlafen. Mehr noch, ihnen fällt jetzt noch nicht mal auf, dass da was nachzuholen wäre ( http://www.criticalbits.org/2013/04/25/blogs-bucher-und-das-werkzeug-des-historikers/ ). Das führt dazu, dass mich entweder keiner bezahlen kann oder will. Ich bin an der gesamten Uni Hannover der einzige, der Workshops zu digitalen Arbeitsmethoden und Arbeiten in virtuellen Teams macht. Und das nicht in Geschichte, sondern am uniweiten Qualifikationszentrum.

      Und auch das ist wieder nur eine Randbeschäftigung. Das mache ich ganze 8 Tage im Jahr (krieg dafür aber Geld). Das schlimme ist nur, dass es sowohl keinen anderen dafür gibt als auch, dass ich trotz des Mangels keine Stelle mit sowas kriege.

      Und für einen Schritt in die Wirtschaft fehlen mir die richtigen Adressen und Connections. Ich höre in meinem Fall immer, dass ich a) Geisteswissenschaftler bin und damit nicht ins Muster passe, b) Überqualifiziert bin oder c) zu alt.

  4. Promovierst du zufällig. Dann wäre das Programm Promotion plus der Graduiertenakademie deine Uni eine ganz feine Sache. Nehme gerade selbst daran teil. Man bekommt nicht nur gute Methoden vermittelt, was z.B. Projektmanagement angeht, sondern gerade der Teil Bewerbungsstrategien, von dem ich dachte, da wüsste ich schon alles, war wirklich sehr bereichernd.

  5. Die HAB Wolfenbüttel hat da gerade etwas im Angebot und auch ansonsten lohnt es sich, mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Nimm mal Kontakt mit Herrn Dr. Stäcker auf. Der sucht immer gute Leute mit deinen Qualifikationen. Und du kannst sogar von deinem Gehalt leben 😉

    http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/chancen/id=9686&count=88&recno=15&type=stellen&sort=datum&order=down

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