Artikel von September, 2013

Bundestagsqual

Bundestagsqual

Ich weiß schon warum ich von der Politikwissenschaft zur Geschichtswissenschaft gewechselt bin. Selbst hier, im historischen Gebiet, ist es für mich oft nervenaufreibend. Aber im politischen Feld wäre ich jetzt schon grau mit tiefen Depressionen. Aber das hält mich jetzt nicht davon ab meinen Senf ausgiebig dazu zu geben. Die CDU ist ganz knapp an der absoluten Mehrheit vorbeigeschrammt. So einfach, wie das aussieht, ist es allerdings nicht. Die CDU gibt es meiner Meinung nach nicht mehr. Es gibt die Merkel-Partei, die mit den Leitlinien der einstigen Christdemokraten nichts mehr zu tun hat. Im Falle der Union wählt man entweder Merkel, die CSU oder etwas anderes. Die Partei schwimmt immer noch auf der Welle der Sympathie für Merkel. Darüber hinaus ist die absolute Mehrheit im Moment ungefähr bei 42%, was ich für sehr bedenklich halte. Knapp 15% der Stimmen wurden dieses mal wegen der 5-Prozent-Hürde nicht gezählt. Während ich die Hürde selbst für sinnvoll halte, sind einige Millionen Wähler ohne Repräsentation ausgegangen und das ist zu viel. Was bringt jetzt die Zukunft? Merkel braucht einen Koalitionspartner und egal wer das ist, dem Partner wird es nicht gut ergehen. Natürlich hat sich die FDP ihr eigenes Grab geschaufelt, aber alle ehemaligen Oppositionsparteien können sich eigentlich nicht mit Merkel verbrüdern. Wie können sie jahrelang einen Regierungswechsel herbeiwünschen, um dann die Monotonie zu unterstützen? Sie wurde klar auch gewählt als Alternative zu Merkel und nicht ihr Königsmacher. Ohne Zweitstimmenausleihe wäre die FDP heute wahrscheinlich bei 2-3%. Das heißt wiederum, dass die FDP einerseits noch viel schlechter dastehe als es jetzt aussieht und andererseits, dass die CDU nur deswegen keine absolute Mehrheit hat. Schade. Und das meine ich inzwischen ernst: Schade. Jetzt brauchen sie wieder einen Koalitionspartner auf den sie am Ende alles schieben können. An Merkel bleibt nichts haften, weil es immer andere waren. Aber an der CDU schon. Vielleicht hätte eine Alleinregierung auch ihren Muttibonus verspielt. Jetzt liegt alles wieder am Partner. Oder sehen wir doch noch Rot + Rot + Grün? Wie dem auch sei, Streit ist vorprogrammiert. Egal wer die letzten fehlenden Sitze dazugibt, sie werden teuer. Dazu profiliert sich die CSU extrem, die schon vor der Wahl eine größere Rolle Bayerns in der Bundespolitik wollte. Wenn Merkel einen ähnlich wendigen Machtpolitiker als Gegner hat, dann ist das Seehofer. Das könnte lustig werden. Im Endeffekt bewegt sich dann wieder wenig und wenn dann in die falsche Richtung. Es geht...

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Das Ziel ist der Weg

Das Ziel ist der Weg

Bewerbungen sind ein Nervenkitzel auf den ich inzwischen ganz gut verzichten könnte. Jedes Mal zu raten, was man den gerne von einem hören möchte und nie wirklich man selbst sein zu können, ist anstrengend. Sowohl man selbst als auch viele Unternehmen gehen in der Flut der Bewerber unter. Versucht man jetzt einfach nur besser zu sein als oder schwimmt man gegen den Strom und sticht so aus der Masse hinaus? Ich habe darauf keine Antwort, immerhin habe ich auch noch keine Festanstellung ohne befristeten Vertrag erreicht. Das liegt zwar einerseits an meinem universitären Arbeitsumfeld, andererseits geht es anderen auch nicht viel besser. Hach, ich wurde gerade darauf hingewiesen, dass den Beitrag viele lesen, die mich nicht kennen (danke Kalle). Ich bin Geschichtswissenschaftler und arbeite viel mit digitalen Medien und dem Netz. Sowas wie ein digitaler Medientheoretiker + Historiker. Ich arbeite z.Zt. für Unis, Vereine, Interessenverbände und freier Autor. Aber jetzt weiter im Text: Kommt man erst mal in die Gesprächsrunde hat man gute Chancen, solange nichts kurioses passiert. Einmal fingen sich die Interviewer bei mir an zu streiten, wo mir relativ schnell klar wurde, dass ich da nicht arbeiten möchte. Das andere Mal, wurde mir nach etwas extra Beratungszeit abgesagt mit der Begründung, dass ich zu viele Menschen von anderen Abteilungen kenne und die Befürchtung besteht, ich würde intern sofort wechseln. Diese Woche kam die bitterste Absage auf die bisher beste Stelle. Mir wurde versichert, ich habe keine Fehler gemacht, die Bewerbung, Qualifikation und das Gespräch waren perfekt. Allerdings war jemand ähnlich gut und dann wurde nach Kleinigkeiten gesucht. Am Ende fanden 2 von 3 seine Kleidung besser. Wegen meiner außerordentlichen Kompetenz soll man aber in Verbindung bleiben, weil ich sehr viel helfen könnte, nur nicht bezahlt. Den letzten Punkt habe ich übrigens auch schon von 3 universitären Instituten innerhalb der letzten 6 Monate gehört. Unter anderem, weil ich der einzige bin, der in Hannover freiwillig digitale Arbeitsmethoden lehrt. Aber steigert das die Job-Chancen? Nein, es macht mich eher zu einer „valuable asset“, die gemietet werden kann, wenn man sie braucht. Was ich mir in letzter Zeit immer öfter überlegt habe ist das Feld komplett zu wechseln. Besonders, wenn es mit den nächsten Forschungsprojekten nicht klappt. Aber wie geht so etwas? Wie fängt man neu an? Geht es nach den Unternehmen müssen Lebensläufe gerader seins Lineale. Alles, was nicht in ein Schema passt, wird nicht eingeladen, schon alleine wegen...

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