Artikel von Juli, 2013

Konstruierte Wirklichkeit

Konstruierte Wirklichkeit

Die Welt wandelt sich von Territorialstaaten in eine globalisierte Welt. Firmen gehören nicht mehr nur einem Staat an, sondern vielen. Unternehmen bekommen mehr und mehr Macht, ihnen werden Rechte zugestanden, die vorher nur Menschen vorbehalten waren. Sie beeinflussen das politische Geschehen, machen und stürzen Könige. Die Menschen kommunizieren über ein weltweites Netz, das immer zentraler in der Rolle des täglichen Lebens ist. Einige der mächtigsten Firmen erhalten Immunität gegenüber den normalen Gesetzen. Es besteht die Möglichkeit, dass Konzerngelände zu einem extraterritorialem Gebiet wird. Und irgendwann bricht die Matrix zusammen und mit ihr die Welt. Das war ein kleiner, simpel-gehaltener Auszug aus der Geschichte von Shadowrun. Auch wenn es gegen Ende offensichtlich fiktional wurde, war der Anfang den heutigen Zuständen doch sehr ähnlich. In Shadowrun ist die Welt eine Konzern-gelenkte Dystopie. Geld regiert die Politik, die Menschen kann man meist zu Recht als Lohnsklaven bezeichnen und die Erde ist vernarbt von Naturkatastrophen und Umweltverschmutzung. Also ist die Welt unserer schon ähnlich, nur Shadowrun ist inzwischen 60 Jahre weiter in der Zukunft. Heute ein Bild von so einer Zukunft zu machen liegt nahe. Aber Shadowrun ist 1989 erschienen und hat damit eine gewisse Weitsicht gezeigt. Als Historiker stelle ich mir natürlich die Frage, wie man Geschichte so glaubwürdig und treffend konstruiert. Da habe ich hier auch keine Antworten drauf, aber wollte an dieser Stelle mal mutmaßen und die Welten vergleichen. Auf gewisser Ebene sind Menschen immer Menschen und wir als Menschheit bewegen uns in Zyklen. Wir haben einige Verhaltensmuster, die wir generationsübergreifend teilen. Shadowrun scheint einige davon als Grundlage zu nehmen und überlegt wie eine Gesellschaft so auf extreme Ereignisse reagiert. Krieg und Katastrophen sind z.B. zwei Ereignisse, die sowohl in der echten Welt als auch in Shadowrun die Gesellschaft stark beeinflussen. Dazu kommen aber auch fiktionale Zäsuren, wie das Auftreten von Magie, der Mutation der Menschheit und … Drachen. Durch all diese Einschnitte zieht sich aber eine Konstante: Die Konzerne. Angetrieben von Wachstumseifer versuchen sie aus jeder Situation ihren Vorteil zu ziehen und gestalten so die Welt mit. Wenn man sich anschaut, wie Lobbyarbeit in Amerika schon funktioniert und das dort auch Konzerne ein Recht auf freie Meinungsäußerung (durch Geldspenden an Politiker) haben, scheint das sehr realistisch. Die technische Seite der Shadowrun-Welt wurde vorher schon oft ausgefeilt. Globale Kommunikationsnetze, Virtual Reality, Cyber-Gliedmaßen und Drohnen – alles Sachen, die es vorher schon gab und die bei uns inzwischen zum greifen nah sind....

Mehr