Zen oder sinnlos

Keep me safeFür mich ist Buddhismus seit Jahren ein Teil meiner Lebenseinstellung. Aus der Philosophie kann ich sehr viel für mich Gewinnen, auch wenn ich an den religiösen Aspekt nicht glaube. In den letzten Jahren bin ich leider sehr von dem Weg abgekommen. Bemerkt habe ich das ganze erst durch mein letztes Jahr Ninjutsu. Das Training hat meine Achtsamkeit wiedererweckt. Das ist irgendwie bemerkenswert ist, da beim Training Pragmatismus im Vordergrund steht und nicht Philosophie. Den Vorwurf, dass es bei uns nach Zen stinkt (zum Download runterscrollen, ich verlinke nicht direkt auf fremde Dateien), kann man nicht machen. Bei uns wird immer gesagt, dass das Training nicht im Dojo beginnt oder endet. Ich denke man trainiert immer, man beobachtet sich und andere Menschen, die Umwelt und reagiert entsprechend.

Genau dadurch, dass ich wieder mehr bewusster wahrnehme, komme ich auch langsam wieder in eine Balance. Allerdings ist diese im Moment leicht zu zerstören, viel zu leicht. Da kommen wir zum nächsten Prinzip dem „nicht anhaften“ oder Gleichmut. Damit hatte ich als konsumgesteuerter Mensch schon immer meine Probleme. Ich hafte einem gewissen Lebensstandard an, gewissen Freiheiten, die ich brauche und dem schlimmsten: Ganz festen Erwartungen. In der Kampfkunst bedeutet für mich nicht anzuhaften, dass ich mich nicht auf bestimmte Aktionen versteife, dass ich nicht bestimmte Reaktionen von einem Gegner erwarte, sondern ich gelassen und achtsam jede Situation wahrnehme. So zumindest in der Theorie, ich verfalle immer noch in ganz bestimmte Verhaltensmuster und reagiere selbst sehr berechenbar, anstatt offen für die Situation zu sein. Aber ich stehe ja auch noch am Anfang. Wobei ich das Gefühl habe, dass man immer am Anfang steht, weil jeder Tag etwas Neues ist. Das ist jetzt allerdings nicht das Thema.

Außerhalb des Kampfes ist das Prinzip für mich noch wesentlich schwieriger. Wenn ich etwas nicht kaufen kann oder mir etwas fehlt, versuche ich wahrzunehmen, was um mich ist. Freunde, die Natur – was auch immer. Ich konzentriere mich auf das Gegebene und nicht das Fehlende. Allerdings weiß ich nicht, ob das wirklich nicht anhaften ist oder ich nur Feuer mit Feuer bekämpfe.

Bei Plänen ist das mit dem nicht anhaften noch viel schwieriger. Wo hört Gleichmut auf und wo fängt Gleichgültigkeit an? Was ist Zen und wann finde ich alles sinnlos? Es ist klar, dass ich nur so Achtsam sein kann, wie ich auch frei von festen Erwartungen und bestimmten Zwängen bin. Sind Ziele auch Zwänge? Irgendwie schon, wenn ich mir in den Kopf setze etwas bestimmtes zu erreichen, gegen allen Widerstand, dann ist das ein sehr straffes Korsett. Es ist auch etwas, dass mich offensichtlich auslaugt und anstrengend. Rückschläge, in bestimmten Bereichen, machen mich unausgeglichen. Aber ist aufzugeben nicht der erste Schritt zur Gleichgültigkeit?

Vielleicht liegt die Kunst darin ein Ziel zu verfolgen, aber nicht zu erwarten, dass es auch so passiert, wie man will. Selbst bei Rückschlägen kann man auch weitermachen. Im Training ist es für mich ähnlich. Ich schaffe auch Vieles nicht, aber das ist kein Grund für Frust. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich etwas besser hinbekommen habe. Jeder blaue Fleck, jede kleine Verletzung ist eine Erfahrung und eine Erinnerung daran, dass ich etwas besser machen kann. Im Endeffekt, heiße ich sie willkommen. Mein verstauchter Zeh von Dienstag kam von Unachtsamkeit. Ich habe mich falsch verhalten, weil ich den Konter so nicht erwartet hatte. War nur dafür offen, dass Situation A, B oder C passiert, aber nicht wirklich offen für alles, obwohl ich das dachte. Daraus habe ich zumindest gelernt, dass man auch die Illusion von Offenheit haben kann.

Nur wie schaffe ich es nicht anzuhaften, wenn es um Familie und Beruf geht? Wenn es um mein Leben geht? Da ich es bei Entscheidungen, die meine Zukunft betreffen, nicht kann, liegt es nahe zu vermuten, dass ich es auch nicht in einem echten, lebensbedrohlichen Kampf könnte. Wenn es um nicht viel geht, ist es auch nicht schwer Gleichmütig zu sein.

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