Artikel von Februar 22nd, 2013

Zen oder sinnlos

Zen oder sinnlos

Für mich ist Buddhismus seit Jahren ein Teil meiner Lebenseinstellung. Aus der Philosophie kann ich sehr viel für mich Gewinnen, auch wenn ich an den religiösen Aspekt nicht glaube. In den letzten Jahren bin ich leider sehr von dem Weg abgekommen. Bemerkt habe ich das ganze erst durch mein letztes Jahr Ninjutsu. Das Training hat meine Achtsamkeit wiedererweckt. Das ist irgendwie bemerkenswert ist, da beim Training Pragmatismus im Vordergrund steht und nicht Philosophie. Den Vorwurf, dass es bei uns nach Zen stinkt (zum Download runterscrollen, ich verlinke nicht direkt auf fremde Dateien), kann man nicht machen. Bei uns wird immer gesagt, dass das Training nicht im Dojo beginnt oder endet. Ich denke man trainiert immer, man beobachtet sich und andere Menschen, die Umwelt und reagiert entsprechend. Genau dadurch, dass ich wieder mehr bewusster wahrnehme, komme ich auch langsam wieder in eine Balance. Allerdings ist diese im Moment leicht zu zerstören, viel zu leicht. Da kommen wir zum nächsten Prinzip dem „nicht anhaften“ oder Gleichmut. Damit hatte ich als konsumgesteuerter Mensch schon immer meine Probleme. Ich hafte einem gewissen Lebensstandard an, gewissen Freiheiten, die ich brauche und dem schlimmsten: Ganz festen Erwartungen. In der Kampfkunst bedeutet für mich nicht anzuhaften, dass ich mich nicht auf bestimmte Aktionen versteife, dass ich nicht bestimmte Reaktionen von einem Gegner erwarte, sondern ich gelassen und achtsam jede Situation wahrnehme. So zumindest in der Theorie, ich verfalle immer noch in ganz bestimmte Verhaltensmuster und reagiere selbst sehr berechenbar, anstatt offen für die Situation zu sein. Aber ich stehe ja auch noch am Anfang. Wobei ich das Gefühl habe, dass man immer am Anfang steht, weil jeder Tag etwas Neues ist. Das ist jetzt allerdings nicht das Thema. Außerhalb des Kampfes ist das Prinzip für mich noch wesentlich schwieriger. Wenn ich etwas nicht kaufen kann oder mir etwas fehlt, versuche ich wahrzunehmen, was um mich ist. Freunde, die Natur – was auch immer. Ich konzentriere mich auf das Gegebene und nicht das Fehlende. Allerdings weiß ich nicht, ob das wirklich nicht anhaften ist oder ich nur Feuer mit Feuer bekämpfe. Bei Plänen ist das mit dem nicht anhaften noch viel schwieriger. Wo hört Gleichmut auf und wo fängt Gleichgültigkeit an? Was ist Zen und wann finde ich alles sinnlos? Es ist klar, dass ich nur so Achtsam sein kann, wie ich auch frei von festen Erwartungen und bestimmten Zwängen bin. Sind Ziele auch Zwänge? Irgendwie schon, wenn...

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