Weltübergang

Foggy PathEs ist wieder die Zeit des Rückblickens und der Top 100 Listen, des Hoffens und des Bedauerns. In diesen Chor stimme ich jetzt auch mit ein. Weniger weil das Jahr zu Ende ist, sondern mehr weil sich mein Leben im Umbruch befindet. Von 2011 und 2012 habe ich nicht viel mitbekommen. Sie waren so schnell vorbei, dass ich nicht viel zum Bloggen und auch wenig zum reflektieren kann. Mehr noch: Sie waren so schnell vorbei, dass ich sie kaum wahrgenommen habe. Es fing eigentlich mit der Magisterarbeit, also schon 2010 an. Ich habe mich in meinen Elfenbeinturm zurückgezogen und meine Gedanken sind nur um die Arbeit gekreist. Danach kam der fließende Übergang zwischen lernendem und lehrendem Universitätsmitglied, der einen Bruch, wie er nach der Uni üblich ist, verhinderte. Ich arbeite immer noch mit den gleichen Leuten, nur stehe ich auf einer anderen Seite. Als dann noch das Dach kaputt ging und ich viel, viel Geld auftreiben musste, war ich sowieso wieder im Überlebensmodus. Panischer und extremer, aber der Magisterphase ähnlich. Dieser wurde dann immer wieder verstärkt, erst durch den Unfall meiner Oma, dann durch die zweite Rieseninvestition in das Haus und letztlich durch die Jobprobleme an der Uni. Es ist immer noch alles sehr kritisch und nicht im grünen Bereich, aber es ist nicht mehr extrem. Jedenfalls für den Moment.

Darum habe ich schließlich mein Leben eingeholt und fange wieder an es zu führen. Wenn man ständig um das Überleben kämpft, lebt man irgendwann nicht mehr, sondern kämpft nur. Natürlich wäre ich in den letzten Jahren nicht gestorben, aber zum Leben gehört mehr als zu atmen. Jetzt wird mir langsam bewusst, dass ich kein Student mehr bin, dass es ein Leben außerhalb der Universität gibt. Das ist auch nötig, da mir an der Uni ein paar Dinge Angst machen. Zum einen die unsicheren Jobverhältnisse und die (nicht immer realen) Geldprobleme der Universitäten. Zum anderen die Zwölf-Jahres-Regel. Sie ist auch der eigentliche Hauptgrund, da ich zwar Unmengen an Ausdauer habe, sie aber mein Durchhaltevermögen zum nebensächlichen Faktor degradiert. Vereinfacht besagt sie, dass man nach 12 Jahren unbefristeter Beschäftigung an keiner deutschen Universität mehr arbeiten darf. In einem Arbeitsumfeld wo Professuren selten und befristete Verträge die Regel sind, ist das ein Damoklesschwert von enormen Ausmaßen. Besonders, da meine „finale“ Arbeitslosigkeit mit knapp über 40 eintreten würde. Wer nimmt dann einen Dozenten mit völlig wirtschaftsfremden Fertigkeiten? Darum habe ich mich jetzt vereinzelt in der Wirtschaft beworben, an Stellen wo ich genauso viel Motivation aufbringen kann, wie ich es in der Uni könnte. Natürlich ist dort auch kein Job sicher, aber ein zweites Standbein zu haben, schadet nie. Besonders da ich in der Geschichtswissenschaft auch noch Themen bearbeite, deren Sinn den meisten (in Deutschland) noch nicht klar ist. Was ist, wenn es noch 15 Jahre dauert, bis sich eine Forschungskultur etabliert? Ich habe jedenfalls nur noch 11.

Alles ist im Umbruch. Man kann keine zwei Jahre in zwei Wochen verarbeiten, aber genau damit werde ich anfangen. Selbst wenn ich an der Uni bleibe, werde ich da bewusster Arbeiten. Meiner selbst und meines Wertes bewusster. Als Teil der Wissenschaftscommunity sehe ich mich schon, darum geht es nicht. Es fühlt sich trotzdem schon irgendwie neu an. Das muss es auch.

Zum anderen möchte ich mich außerhalb der Arbeit wieder mehr entwickeln. Krisenfest ist weder ein Job, noch Geld, sondern nur was in mir selbst drin ist. Dazu gehört zum einen Ninjutsu, das mir selbst geholfen hat, die neuen Krisen schon besser (aber nicht gut) zu überstehen. Zum anderen fange ich an eBass zu lernen, weil ich mich einfach weiterentwickeln will. Ich mag es zu lernen und würde, wenn es ginge, mir den ganzen Tag nur neue Dinge beibringen.

Im Grunde haben die Maya recht gehabt. Sie markierten in ihrem Kalender nicht den Untergang einer Welt, sondern den Übergang zu einer neuen Phase. Mit jedem Ende beginnt etwas neues. Selbst mit dem Tod, auch wenn es vielleicht kein Leben nach dem Tod gibt. Man wird von einem aktiven Teil der Gesellschaft zu einem passiven. Das Wissen, die Erfahrungen und Momente, die man geteilt hat, leben in anderen weiter. Sie verändern sich auch weiter. Man wird vielleicht vergessen, aber jeder von uns hat Millionen kleiner Dinge in Bewegung gesetzt, die wie Atome ein großes Ganzes ergeben.

Ich freue mich jedenfalls auf die schöne alte Welt mit Ausblick auf eine neue. Wo ich landen werde weiß ich nicht, aber der Weg dorthin wird interessant. Wir haben alle viel mehr Abenteuer in unserem Leben als uns eigentlich bewusst ist. Kleine Sorgen, sind auch nur Aufgaben, die gelöst oder ausgehalten werden wollen. Ich wünsche euch allen eine schöne und interessante Zeit.

Ninpō Ikkan

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