Artikel von Dezember, 2012

Weltübergang

Weltübergang

Es ist wieder die Zeit des Rückblickens und der Top 100 Listen, des Hoffens und des Bedauerns. In diesen Chor stimme ich jetzt auch mit ein. Weniger weil das Jahr zu Ende ist, sondern mehr weil sich mein Leben im Umbruch befindet. Von 2011 und 2012 habe ich nicht viel mitbekommen. Sie waren so schnell vorbei, dass ich nicht viel zum Bloggen und auch wenig zum reflektieren kann. Mehr noch: Sie waren so schnell vorbei, dass ich sie kaum wahrgenommen habe. Es fing eigentlich mit der Magisterarbeit, also schon 2010 an. Ich habe mich in meinen Elfenbeinturm zurückgezogen und meine Gedanken sind nur um die Arbeit gekreist. Danach kam der fließende Übergang zwischen lernendem und lehrendem Universitätsmitglied, der einen Bruch, wie er nach der Uni üblich ist, verhinderte. Ich arbeite immer noch mit den gleichen Leuten, nur stehe ich auf einer anderen Seite. Als dann noch das Dach kaputt ging und ich viel, viel Geld auftreiben musste, war ich sowieso wieder im Überlebensmodus. Panischer und extremer, aber der Magisterphase ähnlich. Dieser wurde dann immer wieder verstärkt, erst durch den Unfall meiner Oma, dann durch die zweite Rieseninvestition in das Haus und letztlich durch die Jobprobleme an der Uni. Es ist immer noch alles sehr kritisch und nicht im grünen Bereich, aber es ist nicht mehr extrem. Jedenfalls für den Moment. Darum habe ich schließlich mein Leben eingeholt und fange wieder an es zu führen. Wenn man ständig um das Überleben kämpft, lebt man irgendwann nicht mehr, sondern kämpft nur. Natürlich wäre ich in den letzten Jahren nicht gestorben, aber zum Leben gehört mehr als zu atmen. Jetzt wird mir langsam bewusst, dass ich kein Student mehr bin, dass es ein Leben außerhalb der Universität gibt. Das ist auch nötig, da mir an der Uni ein paar Dinge Angst machen. Zum einen die unsicheren Jobverhältnisse und die (nicht immer realen) Geldprobleme der Universitäten. Zum anderen die Zwölf-Jahres-Regel. Sie ist auch der eigentliche Hauptgrund, da ich zwar Unmengen an Ausdauer habe, sie aber mein Durchhaltevermögen zum nebensächlichen Faktor degradiert. Vereinfacht besagt sie, dass man nach 12 Jahren unbefristeter Beschäftigung an keiner deutschen Universität mehr arbeiten darf. In einem Arbeitsumfeld wo Professuren selten und befristete Verträge die Regel sind, ist das ein Damoklesschwert von enormen Ausmaßen. Besonders, da meine „finale“ Arbeitslosigkeit mit knapp über 40 eintreten würde. Wer nimmt dann einen Dozenten mit völlig wirtschaftsfremden Fertigkeiten? Darum habe ich mich jetzt vereinzelt in...

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Waffen als Problemlöser

Waffen als Problemlöser

Es gibt Themen zu denen nichts mehr gesagt werden muss, weil schon so viele darüber reden. Allerdings gibt es Themen bei denen es sich noch falscher anfühlt gar nichts zu sagen. Ich denke hierbei natürlich an den Amoklauf in Newton. 28 Menschen sind dabei ums Leben gekommen, ein Großteil davon Kinder. Es ist ein Ereignis, das mich berührt, auch wenn ich bei solchen Dingen eher abgestumpft bin. Das Abstumpfen scheint wohl ein Nebeneffekt der geschichtswissenschaftlichen Arbeit zu sein. Ich empfinde tiefen Respekt vor den Lehrer(inne)n, die gestorben sind als sie die Kinder beschützt haben. Während die Umstände der Tat geklärt werden, entfacht wieder die alte Debatte über Für und Wider der amerikanischen Waffengesetze. Meine Position ist dabei klar auf der Seite der Waffengegner, auch wenn ich mich selbst für Waffen interessiere. Es geht hier aber nicht um meine Meinung, es sollte nie um eine einzelne Meinung gehen. Die wenigsten Menschen sind entweder vollständig für oder gegen Waffen. Trotzdem bilden sich diese absoluten Lager und machen Kompromisse unmöglich. Was beiden Parteien auch ganz recht ist. Beide Parteien sind unwillig den anderen zu verstehen und das ist für eine Lösung die Grundlage. Das gilt auch für uns Außenstehende. Die Haltung der Amerikaner erscheint uns oft verrückt und nicht zuletzt dumm. Wir können nur schwer nachvollziehen, was Waffen für die amerikanische Gesellschaft bedeuten. Sie sind ein Teil des kulturellen Selbstwertgefühls der Nation. Die Amerikaner haben oft für ihr Land (ob nun zurecht oder nicht) gekämpft und Waffen haben dadurch ein positives Bild bekommen. Sei es durch den Unabhängigkeitskrieg oder den Sieg der Greatest Generation über die Nazis. Für viele Amerikaner ist die USA ihr Land, ihr Grund und Boden und das möchten sie verteidigen. Nimmt man Ihnen die Waffen, nimmt ihnen ein Recht und lässt sie schutzlos zurück. Durch die Arbeit der Lobbys wie die NRA, sind Schusswaffen allgegenwärtig ins tägliche Leben integriert. Früh werden auf Volksfesten Hemmungen abgebaut. Hier macht die AWO kleine Grillfeste auf dem Dorf, in Amerika die NRA. Statt Dosenwerfen gibt es Schießstände und im Grunde sind beides Geschicklichkeitsspiele. So werden Gewehre  zu Gebrauchsgegenständen wie Messern und Baseballschlägern mit denen man auch ohne weiteres Menschen umbringen kann. Ich glaube kaum, dass ein Verbot von Waffen die Gewalt aus der Welt schaffen kann. Das muss es auch nicht. Wenn die Zahl der Gewalttaten dadurch zurückgeht, dann ist es das auch schon wert. Die Diskussion rund um die Waffengesetze lenkt tragischerweise...

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