Grau ist das neue Schwarz

Dieser Artikel beginnt mit einer Binsenweisheit: Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Das stimmt auch. Zwar kann man darüber diskutieren, aber das endgültige Fazit liegt bei jedem selbst. Das Fazit ist nicht einmal final, sondern ändert sich mit der Zeit und den gemachten Erfahrungen. Unser Geschmack wird auch durch unser Umfeld beeinflusst, das gilt besonders für die Jugend. Aber nicht nur da wollen wir zu Gruppen dazugehören. Unsere Identität kommt nicht nur von uns selbst, sondern auch von den Gruppen denen wir zugehören. Jetzt sind wir bei den Schubladen angekommen, es gibt immer welche, die passen, wenn sie grob genug sind. Goths, Emos, Gangsta, Hippies, Juppies, Bunnies und Bayern. Irgendwo passt man immer rein, zumindest teilweise.

Schaut man genauer hin, werden immer mehr Gruppen sichtbar, die Unterschiede größer und Widersprüche offensichtlich. Am Ende passt kein Mensch wirklich in eine Schublade und selbst wenn, ist er bald über sie hinaus gewachsen. Wir Menschen sind zwar ähnlich, aber auch einzigartig und im Endeffekt gibt es verdammt viele von uns. Gerade diese Vielfalt hat dafür gesorgt, dass so langsam alles langweilig ist. Ich spreche von Musik, Filmen, Spielen, Parteien – allem, was man verkaufen will und was mit Geschmack oder persönlicher Präferenz zu tun hat. Immer wieder denke ich, dass ich einfach nur zu alt für manchen Scheiß bin oder zu wählerisch. Aber dieses Interview hat mir wieder vor Augen geführt, dass es Vielfalt verschwindet und das schon seit über zehn Jahren.

Um zu möglichst vielen Parties eingeladen zu werden, muss man möglichst vielen Menschen gefallen. Versucht man nur zu gefallen, verliert man seinen Charakter, seine Eigenheiten. Genauso ist es auch bei Musik und Spielen. Wenn es keinen Massenmarkt gibt, wird versucht einer zu schaffen. Ein Mainstream hat heute riesige Ausmaße angenommen und lässt frühere Mainstreams als Nischenprodukte erscheinen. Produkte werden nur noch nach Marktforschung gemacht. Die Zielgruppen bestimmen alles, wobei diese schon durch die Masse an Erheben endlos verwässert sind. Alles ist grau, alles ist das gleiche, nur mit verschiedenen Namen drauf.

Bei Spielen läuft der Trend langsam Rückwärts. Seit 1-2 Jahren werden wieder Versuche gemacht alte Werte wiederzufinden, weil durch das Internet die Independent-Entwickler die Möglichkeit bekommen haben selbst zu veröffentlichen. Die Spiele sind oft nicht so poliert, wie die großer Entwickler aber machen wesentlich mehr Spaß für viel kleineres Geld. Natürlich machen sie nicht jedem Spaß, aber vielen. Genug, um Leute reich zu machen. Nun ziehen die Publisher nach. Ob sie das hinkriegen? Wer weis, allerdings wollen sie nicht nur reich werden, sondern immer reicher.

Trotzdem, es funktioniert. Solange der Markt nicht sich grau nicht komplett satt sieht, bleibt grau das neue Schwarz. Ich wünsche mir auf jeden Fall mehr Sachen die ich hassen kann. Mehr Sachen, die ich liebe. Mehr die mich abstoßen und mehr, die zu mir gehören.

 

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