Ich, Ich und Wir

Ich habe in meinem letzten Beitrag das Wort „rational“ gerne wiederholt, um zeigen wie greifbar das Beschriebene ist. Das soll aber nicht heißen, dass ich alles rational begründen muss, auch wenn das reflexartig mein erster Schritt ist. Im Laufe meines Studiums bin ich analytischer geworden und habe mein Bauchgefühl durch wissenschaftliche Methode ersetzt. Auch oft neben der Arbeit für mein Leben. Es kommt immer wieder zu Fällen, die sich gut anfühlen, aber rational unsinnig sind. Konflikte entstehen, die so nicht befriedigend zu lösen sind.

Muss man allem einen Namen geben? Alles vernunftgemäß begründen? Nein. Rationales denken ist sogar oft ungeeignet. Eine der wichtigsten Eigenschaften, die wir haben, ist der Instinkt, ein Gefühl, eine Vorahnung. Genau wie Tiere ein Gespür für Gefahren haben, versteht unser Unterbewusstsein oft mehr von einer Situation als wir selbst. Wobei „verstehen“ genau das Problem beschreibt. Wenn wir etwas verstehen wollen sehen wir es uns an, untersuchen es und treffen Entscheidungen. Das Unterbewusstsein weiß. Es braucht nicht zu verstehen.

Wenn man sich anschaut wie das Gehirn Informationen arbeitet, wie es entscheidet was gespeichert wird, was nicht und was nicht, der merkt wie viel wir eigentlich wahrnehmen ohne es zu merken. Wir denken bewusst nicht viel schneller als wir reden. Würden wir bewusst alles verarbeiten, könnte ich weder mit der Straßenbahn fahren und dabei diesen Artikel tippen, noch einen klaren Gedanken fassen. Wir würden die ganze Zeit „Wiese, Wiese, Wiese, Wiese, Baum, Vogel, Auto, oh oh, aua“ denken. Selbst in den Situationen in denen wir ein Gefühl haben und es nicht begründen können, weil wir eine Situation aktiv verarbeiten aber keine Anzeichen für die Gefühlsneigung finden, verarbeitet das Gehirn viel mehr Informationen, als man aktiv abrufen kann.

Wir sind geschult im rational-analytischen Umgang mit der Welt. Aber auf unsere innere Stimme hören lernen wir nicht, mehr noch, wir bringen sie zum Schweigen. Dabei ist unser inneres Auge genauso ein Teil von uns wie die beiden andere. Es sind die Erfahrungen unserer Ahnen in den Genen, die Weisheit des Unterbewusstseins und auch etwas übersinnliches, dass wir nicht verstehen müssen. Wenn wir etwas analysieren sezieren wir es, schneiden Dinge ab, filtern und ordnen es. Es geht etwas verloren. Darum müssen wir lernen auf unsere innere Stimme zu hören, um die richtige Balance zwischen den beiden Welten zu finden.

Mein Ich ist praktisch die Stimme in meinem Kopf mit der ich selbst rede, aber mein Unterbewusstsein, meine Gene, mein Gehirn, meine Erfahrungen und meine Ahnen, sind der Schatten meines Ichs, gleichzeitig mein Zwilling und ich selbst. Nur zusammen sind wir ein Ganzes. Also sollte man lernen beidem zuzuhören.

2 Kommentare

  1. Also meine Meinung zu deinem sehr guten Artikel ist, dass es schon Sinn macht, sich einmal „Alles“ „bewusst“ zu machen und zu versuchen „Alles“ wahrzunehmen. Ich denke erst dann kannst du wirklich sehen, dass es besser ist einige Dinge und Abläufe im Körper „unterbewusst“ zu halten. Dieses „unterbewusst halten“ bedeutet in dem Sinne aber nicht, dass du nicht weißt was gerade passiert oder wie es passiert oder du keinen Zugriff auf diese Areale hast(Kamae). Also z. bsp. der Herzschlag oder die Atmung, genauso wie „Alles“ was zu der Verdauung gehört(wobei das Eingreifen in diesen Bereich sehr schwer sein kann und zumal auch sehr eklig werden könnte, je nach dem was du in dir trägst^^Intersannt ist es alle mal und energieliefernd kann es auch sein).Ich würde sagen, dass es auch gar keinen richtigen Sinn(außer Wissen&Kontrolle) macht, sich auf „Alles“ gleichzeitig zu konzentrieren, um Alles eigenständig im Körper zu steuern. Klar man kann sich immer eine zeitlang einem gewissen Areal widmen und dieses genau beobachten oder steuern, aber auch hier schwindet ein Teil deiner „aktiven bewussten Wahrnehmung des Umfeldes“, da du dich ja dann für den Moment auf einen speziellen Teil in dir konzentrierst(Hast du ja sicherlich schon mal bemerckt in irgendeiner Sitution). Sicher irgendwann lernst du diese Wahrnehmung und Körperkontrolle auszudehnen, aber ich denke mal, das unser Körper sagt, dass „die allgemeine Wahrnehmung des Umfeldes“(ständiges überprüfen deines Umfeldes z.b. nach wilden Tieren, Gefahren oder guten Dingen) gesagt hat, dass diese „permanente Betreung oder Kontrolle“ einger Areale, auf einer Art „Automatik“ laufen sollte, damit du und dein Geist mehr Kapazität für andere „Bereiche“ haben.

    Das Unterbewusstsein ist fast sowas wie ein Schutzsystem für dich, wenn du es lernst richtig zu verstehen. Im Prinzip kann es dir, wenn es gut ist, ein sehr guter Freund sein. Es kann dich z.B. in Konversationen Gesten und Mimiken durchführen lassen, die dein gegenüber oder andere als positiv oder negativ auffassen können.Wenn du einen großen Teil des unbewussten überwunden hast und z.B. deine Gesten und Mimiken zu bestimmten Zeiten kennst, kannst du verstehen warum dich dein Unterbewusstsein genau diese Bewegung oder so hat machen lassen. Andere müssen deine Bewegungen nicht verstehen.“Feinde“ werden sie nicht begreifen sondern „irgendwie“ auf dich reagieren und Freunde bekommen gute Gefühle, Verständnis und können sogar gute Einfälle dadurch erlangen:)Je nach dem was du bereit bist auch im unterbewussten zu geben.Wollen beide unterbewusst nichts füreinander geben, läuft „alles“ ins leere. Im Gegenteil, wenn beide etwas geben wollen, kann sehr viel entstehen. Da brauchst du dann vllt, rational gesehen, nochmal ein bißchen Glück, aber wenn du von vorne herrein weißt, dass die Unterbewusstsein sich ergänzen oder teilen, versteht ihr euch oder du verstehst eine Sitution dann wie von selbst und kannst dir genügend Freiraum in deiner „allgemeinen Kapazität“ herrausnehmen um die Situation zu meistern oder im anderen Fall wunderschöne Zeiten mit anderen verbringen.

    ??????

  2. Danke für den Kommentar, sorry dass das Freischalten etwas gedauert hat. Ich habe hier ein kleines Spammer-Problem ;-).

    Du hast auf jeden Fall recht. Es muss auf jeden Fall einiges Unterbewusst ablaufen, sonst würden wir gar nicht mehr funktionieren. Einatmen, Ausatmen, Einatmen, Ausatmen, Einatmen… äh wo war ich?
    Genau ist das beim Gedächtnis, wenn Du nichts vergessen könntest, könntest Du Dich auch gar nicht mehr konzentrieren oder nachdenken. Sonst müssten wir immer die ganze Zeit an alles denken, was wir erlebt haben. Es ist wichtig, dass man sich viele Sachen bewusst machen kann, denke ich.
    Je mehr man den Kopf frei hat, desto mehr kann man auch aufnehmen. Je weniger Du über Deinen Gegner nachdenken musst und je mehr Du automatisch „weißt“, desto offener kann man glaube ich reagieren und handeln. Wenn man immer erst weiß, was passiert kurz bevor (oder nachdem) man getroffen wird, kann man sich nicht wirklich frei bewegen.
    Ich glaube man muss erst eine Erfahrung irgendwie aktiv wahrgenommen haben und verstanden haben und dann kann sie auch unterbewusst geschehen.
    Beim Newaza Seminar am Wochenende haben wir am Boden natürlich viel mit dem Körpergewicht gemacht. Den meisten am Anfang schwer gefallen, dann ging es irgendwann mit aktivem Nachdenken und am Ende hat man es einfach getan. Dann auch nicht mehr mechanisch und nach Abläufen, sondern wie es die Situation erforderte.

    Ja das Unterbewusstsein kann ein guter Freund sein, ein Lehrer und auch ein Feind. Je nachdem, wie bewusst man sich über seine Gefühle und Handlungen werden kann, wenn es nötig ist. Das hat dann glaube ich doch auch etwas mit aktivem Reflektieren zu tun. Warum will ich das? Warum werde ich in der Situation wütend? So kann man etwas über sich lernen und kommt mit sich ins Reine.

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