Shikin Haramitsu Daikomyo

Nein bei diesem Blogposting geht es um keine Animeserie, sondern um meine Erfahrungen beim Bujinkan Budo Taijutsu, das ich seit einigen Monaten ausübe. Dabei handelt es sich um eine Kampfkunst, die wir im Volksmund wahrscheinlich als Ninjutsu beschreiben würden. Ihr wisst schon: Krieger in Schwarz mit Katanas, die in den Schatten lauern. Unser Bild vom Ninja ist oft das Bild eines Assassinen, dabei steckt in Nin („Aushalten“) und („Jutsu“) Techniken schon der Begriff Überlebenstechniken und nach den Regeln des Ninjutsu ist es verboten seinen Gegner zu töten. Darum geht es dann auch beim Bujinkan Budo Taijutsu: Überleben. Das Ziel ist nicht seinen Gegner möglichst spektakulär zu besiegen, sondern ihn effektiv zu Überwinden und dazu gehört sowohl die Flucht als auch den Kampf als solches zu vermeiden. Shikin Haramitsu Daikomyo ist ein Mantra, das wir bei der Begrüßung sagen.  Es ist schwer ins Deutsche zu übersetzen, generell ist damit die Bitte nach Erleuchtung gemeint oder dass jeder Augenblick die Möglichkeit zur Erleuchtung bietet.

Aber um die physische Ebene geht es mir an dieser Stelle nicht, sondern um die Mentale. Zum Taijutsu gehört eine gewisse geistige Einstellung. Jetzt werden einige sagen, dass es nach Zen stinkt. Das ist in Teilen vielleicht auch richtig, aber da sich Ninjtsu von anderen Kampfsportarten unterscheidet, ist es auch anders zu betrachten. Im Gegensatz zu Judo oder Karate ist Ninjtsu keine Wettkampfsportart. Wir trainieren nicht, um uns mit anderen zu messen. Buddhismus, Taoismus und andere Wertesysteme nützen einem Karateka innerhalb eines Wettkampfes nur so viel, dass er einen ruhigen Kopf bewahrt und seine stärken und schwächen kennt. Im Bujinkan ist das anders. Wir trainieren, um Leid und Gefahren zu überstehen, im Gewissen Sinne also für den Ernstfall und nicht für künstliche Konflikte, wie Tuniere. Bujinkan Budo Taijutsu als Ganzes gesehen ist ein Lebensweg, der in jeder Art Konflikt und nicht nur in physischen Helfen kann. Ob man davon etwas für sich übernimmt, ist seine Sache.

Für mich ist es so, dass ich vor dem Bujinkan schon viel für mich aus dem Buddhismus übernommen habe. Jede Religion beinhaltet sinnvolle Regeln für das gesellschaftliche Leben und mit dem Niedergang der Gläubigkeit sind es diese Regeln, die helfen können Malaise und Entwurzelung zu überwinden.  Der Dalai Lama hat zwischen Buddhismus als Religion und Buddhismus als Wertesystem unterschieden. Ähnlich als befolgt man die Zehn Gebote und glaubt nicht an Gott. Ich glaube auch nicht an Gott, es geht mir dabei um kein übernatürliches Wesen, sondern einfach diverse Denkschemata mit denen wir unsere geistigen Eindrücke verarbeiten. Wie ich als Erinnerungswissenschaftler sagen würde: Es sind Rahmen, mit denen wir unsere sensorischen Eindrücke filtern und sortieren und uns durch Reflexion helfen Erkenntnisse zu gewinnen.

Unser Geist ist ein Affe, der von Ast zu Ast und Baum zu Baum springt, ohne lange an einer Stelle zu bleiben. Geistiges Training hilft uns bei der Konzentration in unserer bunten, reizüberfluteten Welt. Mir hilft Meditation besser zu arbeiten, konzentrierter zu sein. Das Buddhistische Prinzip der Achtsamkeit und das Zanshin aus dem Bujinkan ergänzen sich für mich gut. Eine tiefe Wahrnehmung von sich selbst und dem was Außen vor sich geht, hilft mir sowohl im Kampf als auch in Gesprächen. Seinen Gegenüber wahrzunehmen und zu lesen, um auf ihn eingehen zu können, ist etwas, das anscheinend immer mehr verloren geht. Diese Achtsamkeit ist aber essentiell für das gemeinsame Leben und nicht nur für eine Kampfkunst.

Darum wird Bujinkan Budo Taijutsu für mich ein Teil meines ganzen Lebens und nicht nur ein Sport. Zum einen gibt es mir Selbstsicherheit in physischen Konflikten und ich bin der Meinung, dass ein angstfreieres Leben, ein glücklicheres Leben ist. Zum anderen hilft es mir bei mentalen Aspekten, zusammen mit buddhistischen Regeln, die ich aus anderen Teilen meines Lebens lerne. Ninjutsu ist genauso wenig Religion wie die Meditations on violence eine Bibel ist. Ich hoffe, ich konnte das an dieser Stelle etwas darstellen. Dabei gebe ich zu, dass es mir schwer fällt alles unserer rational geprägten Gesellschaft entsprechend darzustellen ohne dabei nach NewAge-Jünger zu klingen. Das ist allerdings Paradox, da es doch um nichts anderes geht: Seine Umwelt und sich selbst rational wahrnehmen.

1 Kommentar

  1. Gegner töten ist verboten im Ninjutsu – Schwachsinn… Natürlich ist es nicht unbedingt das Ziel, aber es gibt genügend tödliche Techniken im Bujinkan.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: