Artikel von April 10th, 2012

Von hier nach weg

Von hier nach weg

Hier steh ich nun, sechs Monate nachdem ich meine wissenschaftliche Karriere angefangen. Karriere, das ist so ein Wort, das automatisch Erfolg vermittelt. Selbst eine gescheiterte Karriere klingt eher nach einem Unglück und danach, dass man zumindest vorher Erfolg hatte. Ich fühle mich nicht so, als hätte ich etwas Großes erreicht. In den letzten Monaten habe ich Fortschritte gemacht, aber der Durchbruch ist mir nicht gelungen. Soll ich mir jetzt sagen, dass es erst sechs Monate waren? Dass ich unmittelbar nach meinem Abschluss die Chance auf einen kleinen akademischen Job hatte? All das sind positive Aspekte, aber die Zeit für einen kleinen Zwischenstopp ist gekommen. Die Zeit in der Uni als HiWi/WiMi/Donzenten-Eintopf hat mir viel gegeben. Ich habe in vielen Bereichen Erfahrungen gesammelt und gemerkt, dass ich kann, was ich da mache und besser werde, je mehr ich es tue. Mir fehlt noch viel Routine, aber ich habe gemerkt, dass ich eine Exkursion, sowieso Seminare planen und durchführen kann. Wenn auch mit Raum zur Verbesserung. Kurz gefasst: Es hat sich ganz viel auf persönlicher Ebene verbessert und verändert. Aber wirklich weiter gekommen bin ich nicht. Ich habe viele Talente, kann einiges und nicht viel richtig. Gerne sehe ich mich als ein Jack of all Trades. Aber dadurch bin ich auch schlecht formbar und kann mich oft nicht selbst im Zaum halten. Ich bin ein Historiker, ein digitaler Humanist, ein Webscientist, ein Erinnerungskulturtheorethiker und ein Spielerforscher. Als Historiker, der sich mit elektronischen Medien auseinandersetzt, bin ich immer noch ein Sonderling. Als Erinnerungskulturtheorethiker, der diese auch gerne auf das Internet, passe ich in kein gern gesehenes Schema und die Spieleforschung nimmt sowieso keiner ernst. Vor allem, in Deutschland – so fühlt es sich zumindest an. Ich höre schon einen Chor von Leuten mitleidig auf einer Violine spielen und dabei „Ohh pooor you“ zu hauchen. Ich habe mir diese Richtung selbst ausgesucht. Ich stehe zu den Themen, bin gut in Ihnen, finde sie wichtig und denke, dass es uns als Menschheit mehr voran bringt, als wäre ich der nächste Sparkassen Angestellte oder BWL Student geworden. Wenn man keine ausgetretenen Pfade geht, sondern sich selbst versucht einen Weg durch das Dickicht zu schlagen, weiß man noch viel weniger wo man am Ende wieder rauskommt. Vor allem fällt es anderen schwer Menschen einzuordnen, die durch das Raster fallen. Was anders ist, ist zwar nicht automatisch schlecht, aber mindestens unbequem,  da man sich Gedanken machen muss....

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