Der Digitale Widerstand

Hause mit GraffittiWann kam eigentlich das letzte Mal etwas wirklich Gutes im Fernsehen? Vor allem etwas, dass man nicht schon im Internet, Kino oder auf DVD gesehen hat? Die meisten guten Sachen kommen jedenfalls nach Deutschland und werden hier nicht produziert – höchsten schlecht übersetzt. Was ist mit Musik? Wie viele wirklich kreative Musiker gibt es noch? Wie viele Lieder drücken wirklich aus, was ihr fühlt?  Solange man nicht auf RTL2 oder Casting-Shows steht, ist man außen vor. Wie sieht es mit Politik aus? Wer interessiert sich für Politik? Wer nicht und warum nicht? Politik geht jeden an. Aber wer fühlt sich von der Politik noch berücksichtigt?

Die Gesellschaft klafft auseinander. Nicht nur zwischen Arm und Reich oder Modern und Konservativ, sondern auch zwischen Online und Offline. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Im Technologischen, wie Gesellschaftlichem. Und das Brechen, das Brechen tun wir. Wir sind die Jungen, die Alten, die Außenseiter, die Hipster, die Nerds, die Couchpotatoes und die Drama Queens. Wir arbeiten als Lehrer, sind Schüler und Rentner, schuften an der Kasse, am Band, Schreiben über Gott und die Welt oder verkaufen Versicherung. Wir sind alle und wir sind keiner. Keine Schublade ist groß genug, aber gemeinsam haben wir, dass wir digital Leben. Wir arbeiten online, schaffen Welten aus Bits & Bytes,  sind vernetzt, teilen, konsumieren, remixen und vor allem: Wir produzieren. Youtube, Vimeo, Scribd, Flickr, Deviantart, Blogger, WordPress, Reddit, Soundcloud, Github, sourceforge – unsere Kreativität füttert das Web. Natürlich auch mit viel Müll, aber hat jemand in der letzten Zeit Deutschland sucht den Superstar geguckt? Produziert wird fast nur noch für den Mainstream, was ihn nicht anspricht hat wenig Chance. Aber während wir unser Geld irgendwo in einem Büro verdienen, versuchen wir der Welt etwas von uns mitzugeben. Wir singen, zeichnen, schreiben und manche von uns schaffen etwas ganz Großes. Hier entstehen Spiele, die sonst keine Chance gehabt hätten, Serien, keiner ausstrahlen wollte und Genres, die vorher keiner kannte. Das Netz ist unser Medium, unser Werkzeug und unser home ground. Darum verteidigen wir es und nicht damit wir in einer kostenlos Kultur folgen können.

Wir sind nicht dumm, wir wissen genau, dass Spiele, Filme und Musik produziert werden müssen. Deswegen geben wir auch unser Geld dafür. Wir haben nichts dagegen, dass jemand Reich und Berühmt mit einer Idee wird. Wir wundern uns höchstens warum Unternehmen, die von uns gerettet werden mussten, heute wieder große Gewinne machen und wir immer noch für sie zahlen. Wir fragen uns warum bei der Zukunft gespart wird, damit aus viel Geld viel mehr Geld werden kann. Warum man mit Kultur das größtmögliche Geld gemacht werden muss. Warum man nur Investitionen macht, die kurzzeitige Gewinne bringen, anstatt den Wohlstand einer ganzen Generation zu sichern. Warum wird wenig in die Bildung investiert, wenn Innovation ein Land voran bringt und vor allem auch Geld in die Kassen spült. Wir fordern freie Bild nicht, weil wir für Arbeit nicht zahlen wollen, sondern weil es notwendig für die Zukunft ist. Was ist wenn jemand, der eine weltverändernde Idee gehabt hätte diese nie bekommt, weil er sich keine Bücher leisten konnte? Ist es das Risiko wirklich wert?

Wir sind nicht einfach dagegen, wir zeigen nur, dass es auch anders geht. Anstatt nur rumzumaulen schaffen wir unsere eigenen Angebote, entwickeln uns parallel zum Standard, obwohl wir Teil der normalen Gesellschaft sind. Auch wenn uns oft das Bild des Eigenbrötlers oder beinahe Amokläufers anhaftet, sind wir doch fast ganz normale Menschen in normalen Jobs. Wir wollen nur mehr, vielleicht etwas anderes und oft gerne etwas ändern. Egal ob das etwas Politisches ist oder einfach nur vernünftige Spiele zu vernünftigen Preisen haben wollen. Darum sind wir auch keine richtige Gruppe, durchziehen alle Kreise, alle politischen Ausrichtungen und alle möglichen Religionen und Philosophien. Wie schon gesagt, wir sind oft nicht einfach dagegen, sondern wollen etwas anders. Es ist einfach gegen etwas zu sein, als intern etwas ändern zu können. Wenn man gegen die Katholische Kirche ist findet man schneller Freunde, als wenn man in der Katholischen Kirche etwas umstrukturieren möchte. Wir nutzen das Netz als unser Sprachrohr, weil wir sonst nicht zu Wort kommen. Wer ist die Netzgemeine? Was will sie? Es gibt genauso wenig eine Netzgemeinde mit gemeinsamen Zielen, wie alle Einwohner einer Stadt das selbe wollen. Aber wir wollen gehört werden, wir wollen einfach weiter leben, wir wollen, dass man uns unseren Raum lässt.

Je mehr Inhalte wir selbst produzieren, desto mehr müssen klassische Produzenten uns beachten. Je mehr wir unsere Ideen nach außen tragen, desto mehr müssen sie auf unsere Stimme hören. Die Piraten sind mit der Idee geboren etwas zu ändern. Egal, ob man ihre Ziele verfolgt oder nicht – sie finden Anklang durch ihre netzorientierte Einstellung. Wir sollten stolz sein auf alles was wir machen. Wir reden, diskutieren, streiten, flamen und schwatzen – wir sehen nur nicht einfach zu. Wir können im Weg stehen, in Hindernis sein mit dem man Kompromisse eingeht. Wir sind wer wir sind und das Netz ist unser Medium.

Wir sind der digitale Widerstand.

1 Kommentar

  1. Absolut richtig! Ich bin echt gespannt, was wir mit dem digitalen Widerstand alles erreichen können. Power to the people!

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