Artikel von April, 2012

Von Rechts nach Links

Von Rechts nach Links

Wegen der aktuellen Debatte über den Umgang mit rechtem Gedankengut, muss ich auch mal meine Meinung loswerden. Generell geht es darum, wie mit rechtsradikalem Gedankengut umgegangen werden soll. In diesem Fall geht es genauer darum, ob beispielsweise „Mein Kampf“ in Deutschland wieder verkauft werden kann. Das schlimme an der Debatte ist nicht das Thema, sondern die Debatte selbst. Als Deutsche haben wir ein großes Problem mit der Schuld am Holocaust umzugehen, so dass wir bei jedem Gespräch über das Thema empört die Arme in die Luft werden und jeden als Nazi bezeichnen, der eine eigene Meinung hat. Es findet kein Gespräch statt, es werden keine Argumente ausgetauscht und sich nur gegenseitig beleidigt. Ich bin für einen Verkauf des Buches an Volljährige und will hier mal darlegen warum. Es kann sein, dass ich meine Meinung später ändere, da ich mich gerne von anderen Argumenten überzeugen lasse. Ich denke den Verkauf des Buches zu ermöglichen, würde zur Entmystifizierung Hitler’s beitragen. Das Buch zeigt deutlich wie wirr und fernab jeder Realität Hitler war. Ich kann mir kaum vorstellen, dass durch eine freie Verfügbarkeit des Buches die Menschen auf einmal alle Rechtsradikal werden. Genauso wenig wie Shooter automatisch Amokläufer erzeugen. Letztendlich sind Bücher  anderer Massenmörder frei erhältlich und ich finde es scheinheilig wie beispielsweise mit China umgegangen wird, wenn man die Taten von Mao in Betracht zieht. Die völlige Tabuisierung eines Themas schafft für mich genau das, was die Befürworter vermeiden wollen: Raum. Man kann keine Argumente entkräften, sich den Ideen stellen, um sie zu widerlegen, ohne in eine gesellschaftliche Grauzone zu treten. Natürlich freuen sich unsere braunen Idioten ein Loch den Bauch, wenn man mit „Mein Kampf“ in der Öffentlichkeit rumlaufen kann. Aber die wirklichen Rechtsradikalen haben es entweder sowieso zu Hause oder gelesen – Verbot hin oder her. Das wichtige ist, dass man auch den Gegnern Zugang zum Wissen gibt. Wie soll man sonst vollständig verstehen, warum man dagegen ist? In Europa (außer Deutschland) sind seit langem die rechten Parteien auf dem Vormarsch. Ich denke es liegt weniger daran, dass man dort „Mein Kampf“ kaufen kann, sondern dass viele Probleme mit Fremdenfeindlichkeit gelöst werden. Wir Deutschen haben eine schlimme Erfahrung gemacht, deren Lehre uns im Moment davor bewahrt auf nationaler Ebene die rechten Parteien wieder aufstreben zu lassen. Aber wie lange hält diese Erfahrung vor? Wann folgt durch ein Tabu ein vergessen der Ursachen? Wenn ein einziges Buch einen Ausbruch von...

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Von hier nach weg

Von hier nach weg

Hier steh ich nun, sechs Monate nachdem ich meine wissenschaftliche Karriere angefangen. Karriere, das ist so ein Wort, das automatisch Erfolg vermittelt. Selbst eine gescheiterte Karriere klingt eher nach einem Unglück und danach, dass man zumindest vorher Erfolg hatte. Ich fühle mich nicht so, als hätte ich etwas Großes erreicht. In den letzten Monaten habe ich Fortschritte gemacht, aber der Durchbruch ist mir nicht gelungen. Soll ich mir jetzt sagen, dass es erst sechs Monate waren? Dass ich unmittelbar nach meinem Abschluss die Chance auf einen kleinen akademischen Job hatte? All das sind positive Aspekte, aber die Zeit für einen kleinen Zwischenstopp ist gekommen. Die Zeit in der Uni als HiWi/WiMi/Donzenten-Eintopf hat mir viel gegeben. Ich habe in vielen Bereichen Erfahrungen gesammelt und gemerkt, dass ich kann, was ich da mache und besser werde, je mehr ich es tue. Mir fehlt noch viel Routine, aber ich habe gemerkt, dass ich eine Exkursion, sowieso Seminare planen und durchführen kann. Wenn auch mit Raum zur Verbesserung. Kurz gefasst: Es hat sich ganz viel auf persönlicher Ebene verbessert und verändert. Aber wirklich weiter gekommen bin ich nicht. Ich habe viele Talente, kann einiges und nicht viel richtig. Gerne sehe ich mich als ein Jack of all Trades. Aber dadurch bin ich auch schlecht formbar und kann mich oft nicht selbst im Zaum halten. Ich bin ein Historiker, ein digitaler Humanist, ein Webscientist, ein Erinnerungskulturtheorethiker und ein Spielerforscher. Als Historiker, der sich mit elektronischen Medien auseinandersetzt, bin ich immer noch ein Sonderling. Als Erinnerungskulturtheorethiker, der diese auch gerne auf das Internet, passe ich in kein gern gesehenes Schema und die Spieleforschung nimmt sowieso keiner ernst. Vor allem, in Deutschland – so fühlt es sich zumindest an. Ich höre schon einen Chor von Leuten mitleidig auf einer Violine spielen und dabei „Ohh pooor you“ zu hauchen. Ich habe mir diese Richtung selbst ausgesucht. Ich stehe zu den Themen, bin gut in Ihnen, finde sie wichtig und denke, dass es uns als Menschheit mehr voran bringt, als wäre ich der nächste Sparkassen Angestellte oder BWL Student geworden. Wenn man keine ausgetretenen Pfade geht, sondern sich selbst versucht einen Weg durch das Dickicht zu schlagen, weiß man noch viel weniger wo man am Ende wieder rauskommt. Vor allem fällt es anderen schwer Menschen einzuordnen, die durch das Raster fallen. Was anders ist, ist zwar nicht automatisch schlecht, aber mindestens unbequem,  da man sich Gedanken machen muss....

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Der Digitale Widerstand

Der Digitale Widerstand

Wann kam eigentlich das letzte Mal etwas wirklich Gutes im Fernsehen? Vor allem etwas, dass man nicht schon im Internet, Kino oder auf DVD gesehen hat? Die meisten guten Sachen kommen jedenfalls nach Deutschland und werden hier nicht produziert – höchsten schlecht übersetzt. Was ist mit Musik? Wie viele wirklich kreative Musiker gibt es noch? Wie viele Lieder drücken wirklich aus, was ihr fühlt?  Solange man nicht auf RTL2 oder Casting-Shows steht, ist man außen vor. Wie sieht es mit Politik aus? Wer interessiert sich für Politik? Wer nicht und warum nicht? Politik geht jeden an. Aber wer fühlt sich von der Politik noch berücksichtigt? Die Gesellschaft klafft auseinander. Nicht nur zwischen Arm und Reich oder Modern und Konservativ, sondern auch zwischen Online und Offline. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Im Technologischen, wie Gesellschaftlichem. Und das Brechen, das Brechen tun wir. Wir sind die Jungen, die Alten, die Außenseiter, die Hipster, die Nerds, die Couchpotatoes und die Drama Queens. Wir arbeiten als Lehrer, sind Schüler und Rentner, schuften an der Kasse, am Band, Schreiben über Gott und die Welt oder verkaufen Versicherung. Wir sind alle und wir sind keiner. Keine Schublade ist groß genug, aber gemeinsam haben wir, dass wir digital Leben. Wir arbeiten online, schaffen Welten aus Bits & Bytes,  sind vernetzt, teilen, konsumieren, remixen und vor allem: Wir produzieren. Youtube, Vimeo, Scribd, Flickr, Deviantart, Blogger, WordPress, Reddit, Soundcloud, Github, sourceforge – unsere Kreativität füttert das Web. Natürlich auch mit viel Müll, aber hat jemand in der letzten Zeit Deutschland sucht den Superstar geguckt? Produziert wird fast nur noch für den Mainstream, was ihn nicht anspricht hat wenig Chance. Aber während wir unser Geld irgendwo in einem Büro verdienen, versuchen wir der Welt etwas von uns mitzugeben. Wir singen, zeichnen, schreiben und manche von uns schaffen etwas ganz Großes. Hier entstehen Spiele, die sonst keine Chance gehabt hätten, Serien, keiner ausstrahlen wollte und Genres, die vorher keiner kannte. Das Netz ist unser Medium, unser Werkzeug und unser home ground. Darum verteidigen wir es und nicht damit wir in einer kostenlos Kultur folgen können. Wir sind nicht dumm, wir wissen genau, dass Spiele, Filme und Musik produziert werden müssen. Deswegen geben wir auch unser Geld dafür. Wir haben nichts dagegen, dass jemand Reich und Berühmt mit einer Idee wird. Wir wundern uns höchstens warum Unternehmen, die von uns gerettet werden mussten, heute wieder große Gewinne machen und wir immer noch...

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