Förderung nach Darwin

Wohin führt der Weg?

Wohin führt der Weg?

Abgesehen von dem Ziel im wissenschaftlichen Umfeld nicht nur zu arbeiten, sondern auch damit Geld zu verdienen, liegt meine Doktorarbeit an. Das Thema steht noch nicht fest, darum kümmere ich mich in der späteren Märzhälfte. Es wird aber um digitale Medien und Erinnerung gehen. Entweder sehr methodisch um die digitale Tradition von Wissen oder um die Geschichtsdarstellung in Videospielen. Dabei beschränke ich mich weder auf traditionell geschichtswissenschaftliche Perspektiven, noch darauf festzustellen, dass Videospiele sowieso nicht akkurat sind. Müssen sie das überhaupt sein? In jedem Fall wird die Arbeit interessant, auch für Nicht-Historiker, und ich hoffe, dass sie auch gut wird.

Aber wider erwarten geht es hier nicht um meine Doktorarbeit, sondern wie schon im ersten Satz, um Geld. Selbst ohne kostenintensive Forschung braucht man Geld zum Schreiben einer Doktorarbeit. Auch in wissenschaffender Askese lebt man leider nicht von Luft und Liebe (aber auch nicht ohne!). Neben den unabdinglichen Treibstoffkosten, wie Kaffee und Tee, wird noch Geld für andere Lebensmittel, Miete usw. benötigt.  Das bedeutet man die Arbeit entweder neben der Arbeit oder bekommt ein Stipendium.

Stipendium. Das klingt gut, nicht nur wegen des autoritären, lateinischen Klangs und auch nicht erst seit der Einführung der Studiengebühren. Ein Stipendium soll die autonome Forschungsarbeit ermöglichen, ohne auf etwas angewiesen zu sein, um sich ganz auf die Wissenschaft konzentrieren zu können. Klingt gut, ist es auch. Wenn man eines bekommt. Stipendien sind keine Breitenförderungen und sollen es auch nicht sein. Da inzwischen gefühlt jeder Abitur machen muss, egal ob er es nun braucht oder nicht, sollte nicht auch noch jeder seinen Doktor machen. Eine Förderung von Wissen ist immer großartig, aber ob damit wissen gefördert werden würde, ist zu bezweifeln.

Natürlich sollen nur sehr gute Menschen gefördert werden, Stipendien sind eine sehr gezielte Maßnahme für Einzelfälle. Aber wie entscheidet man, wer gut genug ist? Eine gute Studien/ Forschungsleistung wäre das Nächstliegendste, ist aber im Grunde nebensächlich. Was vor allem zählt sind ehrenamtliche Tätigkeiten, politische Aktivitäten und die richtigen Hobbies. Die meisten der Stipendien werden von Wirtschafts-, Religions- oder Politikverbänden gefördert, irgendwo muss das Geld schließlich herkommen. Gefiltert werden die Kandidaten dann danach, ob sie dem Profil entsprechen. Für Atheisten fallen z.B. zwei große Förderer direkt flach. Keine organisierten Hobbies als Kind? Nur vor dem PC gesessen und Programmieren gelernt? Oder vielleicht auf der Straße mit Freunden gespielt? Pech gehabt. Man fördert den Nachwuchs, der so ist, wie man selbst. Eine Art ideologischer Inzest.

Die meisten Stipendien fördern nicht die Wissenschaft, sondern formen Nachwuchs nach eigenen Vorstellungen. Wie soll sich so Wissenschaft weiterentwickeln? Natürlich ist es gut sozial engagierte Menschen zu fördern. Aber ist man wirklich ein guter Mensch, weil man sich in irgendeinem Verein organisiert hat? Wer glaubt, dass das keiner nur für den Lebenslauf macht, hatte leidet wohl unter dem erwähnten Inzest. Außerdem was für Menschen werden da gefördert? Menschen die Zeit haben sich nebenbei noch mit anderen Sachen zu beschäftigen. Also keine Menschen, die nach dem Studium bis in die Nacht arbeiten müssen. Keine Menschen, die aus einer zerrütteten Familie kommen und keine Menschen, die lieber noch bis in die Nacht weiter Forschen. Also genau die Menschen, die kein Stipendium wirklich nötig haben. Ich möchte keine abgesicherten Gutmenschen mit Helferkomplex fördern, sondern Wissenschaftler. Das Forschen selbst  führt (hoffentlich) zu einer Verbesserung der Welt. Als Forscher ist mir jemand lieber, der zu Hause rumsitzt und sich weiterbildet, der Mitten in der Nacht aufsteht, weil er eine Idee hatte und nicht jemand, der morgens um 5 Uhr Brötchen für Obdachlose schmiert.

Solche Menschen gehören auch gefördert, aber nicht vor dem Hintergrund einer wissenschaftlichen Arbeit. Spätestens, wenn sie einen richtigen Job haben oder Vollzeit forschen sind sie aus den Suppenküchen verschwunden, aber wer fördert die, die bleiben? Dafür ist kein Geld da, die Arbeit ist auch nur vor einem sozialen Hintergrund wertvoll und nicht vor einem wirtschaftlichen. Auch ohne Stipendien werden eher die bereiche gefördert, die einen direkten wirtschaftlichen Sinn haben. Viele Physiker wissen bei uns schon nicht mehr wohin mit dem Geld, so dass sinnlos Geräte angeschafft werden und sogar Master-Studenten bezahlt werden. Aber die Geisteswissenschaften sind meist selbst schuld. Anstatt an einem Strang zu ziehen, finden sich oft nettere Gespräche und größere Gemeinsamkeiten auf einer Nahost-Friedenskonferenz.

Ein Stipendium werde ich wohl auch nicht kriegen. Brauche ich auch nicht, es wäre ein netter Bonus. Solche Themen machen mich trotzdem sauer. Egal ob im wissenschaftlichen oder im privaten Sektor, alles entwickelt sich anscheinend an der Realität vorbei. Allerdings ist das kein Wunder, wenn man nur die Menschen hört und fördert, die die eigene Realität bestätigen.

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