Artikel von Februar 3rd, 2012

Förderung nach Darwin

Förderung nach Darwin

Abgesehen von dem Ziel im wissenschaftlichen Umfeld nicht nur zu arbeiten, sondern auch damit Geld zu verdienen, liegt meine Doktorarbeit an. Das Thema steht noch nicht fest, darum kümmere ich mich in der späteren Märzhälfte. Es wird aber um digitale Medien und Erinnerung gehen. Entweder sehr methodisch um die digitale Tradition von Wissen oder um die Geschichtsdarstellung in Videospielen. Dabei beschränke ich mich weder auf traditionell geschichtswissenschaftliche Perspektiven, noch darauf festzustellen, dass Videospiele sowieso nicht akkurat sind. Müssen sie das überhaupt sein? In jedem Fall wird die Arbeit interessant, auch für Nicht-Historiker, und ich hoffe, dass sie auch gut wird. Aber wider erwarten geht es hier nicht um meine Doktorarbeit, sondern wie schon im ersten Satz, um Geld. Selbst ohne kostenintensive Forschung braucht man Geld zum Schreiben einer Doktorarbeit. Auch in wissenschaffender Askese lebt man leider nicht von Luft und Liebe (aber auch nicht ohne!). Neben den unabdinglichen Treibstoffkosten, wie Kaffee und Tee, wird noch Geld für andere Lebensmittel, Miete usw. benötigt.  Das bedeutet man die Arbeit entweder neben der Arbeit oder bekommt ein Stipendium. Stipendium. Das klingt gut, nicht nur wegen des autoritären, lateinischen Klangs und auch nicht erst seit der Einführung der Studiengebühren. Ein Stipendium soll die autonome Forschungsarbeit ermöglichen, ohne auf etwas angewiesen zu sein, um sich ganz auf die Wissenschaft konzentrieren zu können. Klingt gut, ist es auch. Wenn man eines bekommt. Stipendien sind keine Breitenförderungen und sollen es auch nicht sein. Da inzwischen gefühlt jeder Abitur machen muss, egal ob er es nun braucht oder nicht, sollte nicht auch noch jeder seinen Doktor machen. Eine Förderung von Wissen ist immer großartig, aber ob damit wissen gefördert werden würde, ist zu bezweifeln. Natürlich sollen nur sehr gute Menschen gefördert werden, Stipendien sind eine sehr gezielte Maßnahme für Einzelfälle. Aber wie entscheidet man, wer gut genug ist? Eine gute Studien/ Forschungsleistung wäre das Nächstliegendste, ist aber im Grunde nebensächlich. Was vor allem zählt sind ehrenamtliche Tätigkeiten, politische Aktivitäten und die richtigen Hobbies. Die meisten der Stipendien werden von Wirtschafts-, Religions- oder Politikverbänden gefördert, irgendwo muss das Geld schließlich herkommen. Gefiltert werden die Kandidaten dann danach, ob sie dem Profil entsprechen. Für Atheisten fallen z.B. zwei große Förderer direkt flach. Keine organisierten Hobbies als Kind? Nur vor dem PC gesessen und Programmieren gelernt? Oder vielleicht auf der Straße mit Freunden gespielt? Pech gehabt. Man fördert den Nachwuchs, der so ist, wie man selbst. Eine Art ideologischer Inzest. Die meisten Stipendien fördern...

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