Artikel von Februar, 2012

Über Gauck und die Welt

Über Gauck und die Welt

Da ich in meinem eigenen Universum natürlich wichtig bin und mich schon mehrere Leute gefragt haben, wie ich denn zum Thema Gauck stehe, setze ich mich hier mal kurz damit auseinander. Für einen ausgefeilten Artikel mit Belegen und Referenzen habe ich leider gerade keine Zeit, trotzdem hoffe ich, dass hier ein wenig Inhalt für euch geboten wird. Joachim Gauck war für mich bei der letzten Nominierung des Bundespräsidenten die beste Wahl. Im Gegensatz zu Wulff schien er Charakter zu haben und damit auch mehr zu sein als eine Marionette. Inzwischen hat sich Wulff  beim Spielen in seinen Seilschaften verheddert und selbst erhängt. Jetzt ist Gauck wieder im Gespräch und wird mit aller Wahrscheinlichkeit unser neuer Bundespräsident werden. Einerseits ist er wesentlich besser als unser Interimspräsident Seehofer, andererseits bin ich alles andere als glücklich. Den Joachim Gauck den ich früher in ihm gesehen habe, gibt es heute nicht mehr. An der Stelle des Verteidigers der Demokratie steht für mich heute ein antiquierter, verbitterter Mann. Wie kam es dazu? 2010 war Gauck für mich durch seine Arbeit bei der „Stasi-Unterlagen-Behörde“ ein Begriff, seine Initiative „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ verstärkte den Eindruck eines aufrichtigen Demokraten. Aber gerade in den letzten zwölf Monaten wandelte sich das Bild stark, da meine Ansichten von seinen stark abweichen. Gauck betitelte die Kapitalismusdebatte durch die Occupy Wallstreet Bewegung als unsäglich albern. Gut, vielleicht sieht er weniger die Aussage, sondern das vielleicht als Laienhaft zu beschreibende Auftreten der Protestanten oder die dort durchaus vorhandenen Hippies, die gar nicht mehr so richtig auf diesem Planeten zu sein scheinen. Vielleicht ist das nicht seine Art Protest und er kann dabei nicht auf die grundlegende Botschaft schauen. Allerdings widerspricht er dieser Annahme selbst. Denn Sarrazins Aussagen fand er mutig und lobte seine offene Sprache, selbst wenn er nicht vollkommen seiner Meinung ist. Also kann er das ganze abstrakter betrachten. Findet er also Protest albern, wenn es seinen Ansichten widerspricht? Darüber hinaus redet er auch immer wieder über Innenpolitische Themen. Zum einen scheint er als ehemaliger Verwalter der Stasi-Akten keine Gefahren in der Vorratsdatenspeicherung zu sehen, während er sich gegen die Tätigkeit von Wikileaks wendet.  Zu seinen Lieblingsfeindbildern gehört die LINKE, er sprich sich wiederholt für eine Überwachung durch den Verfassungsschutz aus. Aber wie steht er denn zur NPD? Alles in allem hat sich durch diese Beispiele mein Bild von Gauck geändert. Für mich ist er kein Freiheitskämpfer mehr, sondern ein verbitterter...

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Förderung nach Darwin

Förderung nach Darwin

Abgesehen von dem Ziel im wissenschaftlichen Umfeld nicht nur zu arbeiten, sondern auch damit Geld zu verdienen, liegt meine Doktorarbeit an. Das Thema steht noch nicht fest, darum kümmere ich mich in der späteren Märzhälfte. Es wird aber um digitale Medien und Erinnerung gehen. Entweder sehr methodisch um die digitale Tradition von Wissen oder um die Geschichtsdarstellung in Videospielen. Dabei beschränke ich mich weder auf traditionell geschichtswissenschaftliche Perspektiven, noch darauf festzustellen, dass Videospiele sowieso nicht akkurat sind. Müssen sie das überhaupt sein? In jedem Fall wird die Arbeit interessant, auch für Nicht-Historiker, und ich hoffe, dass sie auch gut wird. Aber wider erwarten geht es hier nicht um meine Doktorarbeit, sondern wie schon im ersten Satz, um Geld. Selbst ohne kostenintensive Forschung braucht man Geld zum Schreiben einer Doktorarbeit. Auch in wissenschaffender Askese lebt man leider nicht von Luft und Liebe (aber auch nicht ohne!). Neben den unabdinglichen Treibstoffkosten, wie Kaffee und Tee, wird noch Geld für andere Lebensmittel, Miete usw. benötigt.  Das bedeutet man die Arbeit entweder neben der Arbeit oder bekommt ein Stipendium. Stipendium. Das klingt gut, nicht nur wegen des autoritären, lateinischen Klangs und auch nicht erst seit der Einführung der Studiengebühren. Ein Stipendium soll die autonome Forschungsarbeit ermöglichen, ohne auf etwas angewiesen zu sein, um sich ganz auf die Wissenschaft konzentrieren zu können. Klingt gut, ist es auch. Wenn man eines bekommt. Stipendien sind keine Breitenförderungen und sollen es auch nicht sein. Da inzwischen gefühlt jeder Abitur machen muss, egal ob er es nun braucht oder nicht, sollte nicht auch noch jeder seinen Doktor machen. Eine Förderung von Wissen ist immer großartig, aber ob damit wissen gefördert werden würde, ist zu bezweifeln. Natürlich sollen nur sehr gute Menschen gefördert werden, Stipendien sind eine sehr gezielte Maßnahme für Einzelfälle. Aber wie entscheidet man, wer gut genug ist? Eine gute Studien/ Forschungsleistung wäre das Nächstliegendste, ist aber im Grunde nebensächlich. Was vor allem zählt sind ehrenamtliche Tätigkeiten, politische Aktivitäten und die richtigen Hobbies. Die meisten der Stipendien werden von Wirtschafts-, Religions- oder Politikverbänden gefördert, irgendwo muss das Geld schließlich herkommen. Gefiltert werden die Kandidaten dann danach, ob sie dem Profil entsprechen. Für Atheisten fallen z.B. zwei große Förderer direkt flach. Keine organisierten Hobbies als Kind? Nur vor dem PC gesessen und Programmieren gelernt? Oder vielleicht auf der Straße mit Freunden gespielt? Pech gehabt. Man fördert den Nachwuchs, der so ist, wie man selbst. Eine Art ideologischer Inzest. Die meisten Stipendien fördern...

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