Artikel von Januar 31st, 2012

Gegen Windmühlen mit pipa in den Augen

Gegen Windmühlen mit pipa in den Augen

Gestern erlangte Ansgar Heveling im Internet einen gewissen Grad der Berühmtheit. Der Jurist, der weder als Urheberrechtler  des Rechtsausschusses im Bundestag, noch als Mitglieder Enquete-Kommission Internet bisher groß im Mittelpunkt stand, ist jetzt mit seinem Beitrag Thema vieler netzpolitischer Schlagzeilen. Wobei „Schlagzeilen“ durchaus bildlich zu verstehen ist, denn die meisten versuchen ihn irgendwo zu treffen. Heute ist der Tag danach. #Hevelingfacts wurden auf Twitter gesammelt, seine Seite gehackt, gespottet und gelacht. Doch was bleibt? Entweder tritt er nach und es erscheint noch ein Pro-Heveling Artikel in einer Welt.de-Kolumne oder es wird ganz schnell wieder still um den Abgeordneten aus Wahlkreis 111. Was ist passiert? Ansgar Heveling (CDU) prophetzeit das Ende des Web 2.0 und der damit verbundenen „verlorenen“ Generation. Er schreibt „Es lohnt sich, unsere bürgerliche Gesellschaft auch im Netz zu verteidigen!“ und übersieht in seinem möchtegern geekigen Text, dass auch das Digitale zur bürgerlichen Gesellschaft gehört. Dabei stellt er fest, dass wir netzaffinen Menschen uns in einem Herr der Ringe ähnlichen Kampf gegen das Böse sehen und die klassische Gesellschaft mit Mordor gleichsetzen. Auf diesem Weg wird aber unser digitales Blut vergossen werden. Er beschwört den Geist der französischen Revolution herauf, durch den die Bürger sich Wohlstand erarbeiten konnten. Wobei er geistiges Eigentum mit Geldwerten gleichzusetzen scheint und damit der französischen Revolution einen ungeahnten kapitalistischen Charakter gibt. Die Menschen sollen sich gegen die digitale Revolution wehren, bevor nur noch Trümmer von der Zivilisation übrig sind. Was Don Quijote zu einem liebenswert-tragischen Helden macht, ist hier nur noch traurig. Auch wenn Heveling wieder aus dem Fokus der Aufmerksamkeit verschwindet, löst er sich nicht in (heißer) Luft auf. Er ist weiterhin Mitglied des Bundestages und zwei wichtiger Internet relevanter Gremien. Dort wird er weiterhin mit PIPA in den Augen vorerst gescheiterten US Gesetzesinitiativen wie SOPA nachtrauern. Ich denke nicht, dass er der einzige mit dieser Einstellung ist und diese Menschen formen unser digitales Kulturmedium mit. Das ist einer der großen Unterschiede zu den Vereinigten Staaten. Dort hat man erkannt, dass das Internet zur Gesellschaft gehört. Man ist sich der Wichtigkeit bewusst und so kämpfen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft um die Kontrolle des Netzes. Hier wird der Kampf oft noch mit Heugabeln und Fackeln ausgetragen. Es ist ein Kampf der von Angst und Panik genährt wird, als wären wir auf dem Niveau von Heinrich Kramer stehengeblieben. Selbst die Wirtschaftsverbände, wie die GEMA, sehen das Internet mehr als Feind und nicht als Einnahmequelle, was wohl...

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