Artikel von Januar 19th, 2012

Zerschlagworten

Zerschlagworten

Der Geruch der Blätter, das Rascheln der Seiten – Bücher haben einen Charme, der den digitalen Verwandten fehlt. Abgesehen davon hat ein Buch eine bestimmte Form, es ist eine Ordnungseinheit. In Romanen, Fachbüchern und Sammelbänden finden sich thematisch geordnete Beiträge in einem praktischen Format. Genau wie auf einer Website zu einem Thema. Das Medium ist anders, die Gebrauchslogik aber ähnlich. Aber wofür brauchen wir das wirklich? Bücher sind für den wissenschaftlichen Gebrauch veraltet. Ebooks und andere digitale Formate sind nicht viel besser. Warum? Die Wenigsten werden bei einem Roman den Schluss zuerst lesen. Die Reise ist dort das Ziel, ein Teil der Erfahrung. Aber wissenschaftliche Texte liest man nicht wie Romane. Zwar ist die Methode, mit der die Ergebnisse gefunden wurden, wichtig, aber man wird selten das ganze Buch lesen, falls man selbst nur einen Teilbereich des Themas behandelt. Deshalb liest man ganze Bücher quer, in der Hoffnung möglichst schnell die wichtigen Informationen zu finden und die unwichtigen herauszufiltern. Die Gefahr beim Filtern Fehler zu machen ist dabei äußerst präsent. Im besten Fall verliert der Forscher dadurch Zeit, im schlechtesten das ganze wissenschaftliche Projekt. Auf der Suche nach einer Alternative vergessen wir für einen Moment umfassendere Formate und denken nur noch an Texte. Einzelne Seiten werden zu einem langen, fortlaufenden Text, der nur noch in Absätze getrennt ist. Übliche Orientierungspunkte wie Seitenzahlen und Kapitel entfallen. Das ganze Buch als solches existiert nicht mehr, sondern nur noch unendlicher Inhalt. Eine schreckliche Vision, kann man zu Recht einwenden. In diesem Zustand würde jede Übersicht zusammenbrechen und das Arbeiten um Vieles schwerer. Also zurück zum Buch? Nein, wir haben uns erst vor kaum 600 Zeichen von diesem getrennt und so schnell gebe ich nicht auf.  Wir brauchen also neue Bezugspunkte, die Seitenzahlen und Kapitel ersetzen, um uns zurecht zu finden. Lange Texte enthalten unterschiedliche Sinneinheiten und manchmal unbeabsichtigt versteckte. Diese Einheiten sind einzelne Abschnitte in denen ein bestimmter Gedanke erläutert wird. In einer größeren Arbeit umreist man meist in einem Abschnitt den Stand der Forschung, um sich dann im zweiten Schritt davon abzugrenzen und im dritten seinen Ansatz besser verdeutlichen zu können. Diese drei Sachen können wiederum zum einleitenden Teil der Arbeit gehören und jeder für sich wiederum in kleinere Teile zerstückelt werden. Hierbei handelt es sich um methodische Einheiten, aber das gilt auch für sinnstiftende Inhalte. In einem Buch über Brote kann es in einem (wenn nicht in vielen) Kapiteln um Mehl gehen. Dort...

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