Gewohnheit

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Cthulhuversity

Das Jahr 2012 riecht zwar noch sehr neu, aber trotzdem habe mich schon daran gewöhnt. Wieder ein neues Jahr, wieder der Kampf meiner Augenlider unter Schmerzen die verkrusteten Augen zu öffnen, wieder das Bedürfnis den ersten Tag des Jahres doch lieber im Bett und vor allem liegend zu verbringen. Nein hier muss ich zugeben, dass ich für besseren Content die Unwahrheit erzähle. Dieses Silvester war ruhig, weil unsere Gäste krank waren und so einem Abend voller Völlerei und Maßlosigkeit gerade noch entkamen. Daraufhin mussten wir die Völlerei der anderen übernehmen und konnten vor Essen kaum noch trinken. Wobei es angenehm war den Abend mit Kuscheln zu verbringen, anstatt sich gegenseitig die Haare halten zu müssen.

Mal etwas anders zu machen, gegen seine Gewohnheit anzukämpfen, ist etwas Gutes. Entgegen der allgemeinen Meinung, aber auch nicht immer. Gewohnheit hilft uns auch den Alltag zu überleben und nervige Dinge zu akzeptieren. Andernfalls wäre unser tägliches Leben so angenehm, wie sich bäuchlings über ein Nagelbrett zu ziehen.

Gewohnheit ist angenehm. Allerdings auch zu angenehm, man vergisst dadurch die Dinge, die man eigentlich auch mal ändern wollte. Der Wäscheberg vor meinem Kleiderschrank ist ein gutes Beispiel dafür. Die Schichten sind akribisch sortiert und geordnet, alles hat seinen Platz, es ist eher ein Termitenhügel als ein Klumpen Dreck. Zumindest bilde ich mir das ein. Allerdings wäre wesentlich sinnvoller einen größeren Kleiderschrank zu kaufen, anstatt Kleidung immer im Wäschelimbo zu haben. Wo sind eigentlich meine Socken?

Aber das ist halt Gewohnheit. Der Berg ist eben da, er war auch schon immer da, muss er wohl auch sein. Eine geographische Konstante, wie der Mount Everest oder der Zuckerhut. Genauso wie mir vor ein paar Tagen auffiel, dass wir die Lichtschalter im Flur immer noch nicht renoviert haben. Das liegt zum einen daran, dass ich das nicht selbst kann und zum anderen wollten wir warten bis wir den Flur renovieren. Gut, das mit dem Flur ist jetzt wesentlich weiter nach Hinten gerückt, warum machen wir also die Lichtschalter nicht? Gewohnheit.

Vielleicht bin ich auch eher mit den größeren Problemen beschäftigt und fange ungern klein an. Das Wohnzimmer braucht endlich einen neuen Boden und das Schlafzimmer sieht aus, als hätte man sich Requisiten aus jeder Frauentausch und Bauer sucht Frau Folge gekauft und das wäre ihr Museum. Bitte fragt mich gar nicht erst nach der Küche. Gewohnheit hält die Dinge in meinem Kopf überschaubar. Ist das nun gut oder schlecht? Die Antwort ist genauso klar wie logisch: Jein. Und jetzt entschuldigt mich, ich muss den Wäscheberg besteigen.

2 Kommentare

  1. Hihi, gut geschrieben. Gewohnheit ist ja so was Ähnliches wie Routine. Einerseits ist sie langweilig, andererseits verschafft sie einem Zeit für andere Dinge. Aber man kann nicht alle Dinge auf ein Mal machen. Einen Schritt nach dem anderen.

  2. Und etwas gelassen zu nehmen ist besser als sich ständig aufzuregen :).

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