Artikel von Januar, 2012

Gegen Windmühlen mit pipa in den Augen

Gegen Windmühlen mit pipa in den Augen

Gestern erlangte Ansgar Heveling im Internet einen gewissen Grad der Berühmtheit. Der Jurist, der weder als Urheberrechtler  des Rechtsausschusses im Bundestag, noch als Mitglieder Enquete-Kommission Internet bisher groß im Mittelpunkt stand, ist jetzt mit seinem Beitrag Thema vieler netzpolitischer Schlagzeilen. Wobei „Schlagzeilen“ durchaus bildlich zu verstehen ist, denn die meisten versuchen ihn irgendwo zu treffen. Heute ist der Tag danach. #Hevelingfacts wurden auf Twitter gesammelt, seine Seite gehackt, gespottet und gelacht. Doch was bleibt? Entweder tritt er nach und es erscheint noch ein Pro-Heveling Artikel in einer Welt.de-Kolumne oder es wird ganz schnell wieder still um den Abgeordneten aus Wahlkreis 111. Was ist passiert? Ansgar Heveling (CDU) prophetzeit das Ende des Web 2.0 und der damit verbundenen „verlorenen“ Generation. Er schreibt „Es lohnt sich, unsere bürgerliche Gesellschaft auch im Netz zu verteidigen!“ und übersieht in seinem möchtegern geekigen Text, dass auch das Digitale zur bürgerlichen Gesellschaft gehört. Dabei stellt er fest, dass wir netzaffinen Menschen uns in einem Herr der Ringe ähnlichen Kampf gegen das Böse sehen und die klassische Gesellschaft mit Mordor gleichsetzen. Auf diesem Weg wird aber unser digitales Blut vergossen werden. Er beschwört den Geist der französischen Revolution herauf, durch den die Bürger sich Wohlstand erarbeiten konnten. Wobei er geistiges Eigentum mit Geldwerten gleichzusetzen scheint und damit der französischen Revolution einen ungeahnten kapitalistischen Charakter gibt. Die Menschen sollen sich gegen die digitale Revolution wehren, bevor nur noch Trümmer von der Zivilisation übrig sind. Was Don Quijote zu einem liebenswert-tragischen Helden macht, ist hier nur noch traurig. Auch wenn Heveling wieder aus dem Fokus der Aufmerksamkeit verschwindet, löst er sich nicht in (heißer) Luft auf. Er ist weiterhin Mitglied des Bundestages und zwei wichtiger Internet relevanter Gremien. Dort wird er weiterhin mit PIPA in den Augen vorerst gescheiterten US Gesetzesinitiativen wie SOPA nachtrauern. Ich denke nicht, dass er der einzige mit dieser Einstellung ist und diese Menschen formen unser digitales Kulturmedium mit. Das ist einer der großen Unterschiede zu den Vereinigten Staaten. Dort hat man erkannt, dass das Internet zur Gesellschaft gehört. Man ist sich der Wichtigkeit bewusst und so kämpfen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft um die Kontrolle des Netzes. Hier wird der Kampf oft noch mit Heugabeln und Fackeln ausgetragen. Es ist ein Kampf der von Angst und Panik genährt wird, als wären wir auf dem Niveau von Heinrich Kramer stehengeblieben. Selbst die Wirtschaftsverbände, wie die GEMA, sehen das Internet mehr als Feind und nicht als Einnahmequelle, was wohl...

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Zerschlagworten

Zerschlagworten

Der Geruch der Blätter, das Rascheln der Seiten – Bücher haben einen Charme, der den digitalen Verwandten fehlt. Abgesehen davon hat ein Buch eine bestimmte Form, es ist eine Ordnungseinheit. In Romanen, Fachbüchern und Sammelbänden finden sich thematisch geordnete Beiträge in einem praktischen Format. Genau wie auf einer Website zu einem Thema. Das Medium ist anders, die Gebrauchslogik aber ähnlich. Aber wofür brauchen wir das wirklich? Bücher sind für den wissenschaftlichen Gebrauch veraltet. Ebooks und andere digitale Formate sind nicht viel besser. Warum? Die Wenigsten werden bei einem Roman den Schluss zuerst lesen. Die Reise ist dort das Ziel, ein Teil der Erfahrung. Aber wissenschaftliche Texte liest man nicht wie Romane. Zwar ist die Methode, mit der die Ergebnisse gefunden wurden, wichtig, aber man wird selten das ganze Buch lesen, falls man selbst nur einen Teilbereich des Themas behandelt. Deshalb liest man ganze Bücher quer, in der Hoffnung möglichst schnell die wichtigen Informationen zu finden und die unwichtigen herauszufiltern. Die Gefahr beim Filtern Fehler zu machen ist dabei äußerst präsent. Im besten Fall verliert der Forscher dadurch Zeit, im schlechtesten das ganze wissenschaftliche Projekt. Auf der Suche nach einer Alternative vergessen wir für einen Moment umfassendere Formate und denken nur noch an Texte. Einzelne Seiten werden zu einem langen, fortlaufenden Text, der nur noch in Absätze getrennt ist. Übliche Orientierungspunkte wie Seitenzahlen und Kapitel entfallen. Das ganze Buch als solches existiert nicht mehr, sondern nur noch unendlicher Inhalt. Eine schreckliche Vision, kann man zu Recht einwenden. In diesem Zustand würde jede Übersicht zusammenbrechen und das Arbeiten um Vieles schwerer. Also zurück zum Buch? Nein, wir haben uns erst vor kaum 600 Zeichen von diesem getrennt und so schnell gebe ich nicht auf.  Wir brauchen also neue Bezugspunkte, die Seitenzahlen und Kapitel ersetzen, um uns zurecht zu finden. Lange Texte enthalten unterschiedliche Sinneinheiten und manchmal unbeabsichtigt versteckte. Diese Einheiten sind einzelne Abschnitte in denen ein bestimmter Gedanke erläutert wird. In einer größeren Arbeit umreist man meist in einem Abschnitt den Stand der Forschung, um sich dann im zweiten Schritt davon abzugrenzen und im dritten seinen Ansatz besser verdeutlichen zu können. Diese drei Sachen können wiederum zum einleitenden Teil der Arbeit gehören und jeder für sich wiederum in kleinere Teile zerstückelt werden. Hierbei handelt es sich um methodische Einheiten, aber das gilt auch für sinnstiftende Inhalte. In einem Buch über Brote kann es in einem (wenn nicht in vielen) Kapiteln um Mehl gehen. Dort...

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Gewohnheit

Gewohnheit

Das Jahr 2012 riecht zwar noch sehr neu, aber trotzdem habe mich schon daran gewöhnt. Wieder ein neues Jahr, wieder der Kampf meiner Augenlider unter Schmerzen die verkrusteten Augen zu öffnen, wieder das Bedürfnis den ersten Tag des Jahres doch lieber im Bett und vor allem liegend zu verbringen. Nein hier muss ich zugeben, dass ich für besseren Content die Unwahrheit erzähle. Dieses Silvester war ruhig, weil unsere Gäste krank waren und so einem Abend voller Völlerei und Maßlosigkeit gerade noch entkamen. Daraufhin mussten wir die Völlerei der anderen übernehmen und konnten vor Essen kaum noch trinken. Wobei es angenehm war den Abend mit Kuscheln zu verbringen, anstatt sich gegenseitig die Haare halten zu müssen. Mal etwas anders zu machen, gegen seine Gewohnheit anzukämpfen, ist etwas Gutes. Entgegen der allgemeinen Meinung, aber auch nicht immer. Gewohnheit hilft uns auch den Alltag zu überleben und nervige Dinge zu akzeptieren. Andernfalls wäre unser tägliches Leben so angenehm, wie sich bäuchlings über ein Nagelbrett zu ziehen. Gewohnheit ist angenehm. Allerdings auch zu angenehm, man vergisst dadurch die Dinge, die man eigentlich auch mal ändern wollte. Der Wäscheberg vor meinem Kleiderschrank ist ein gutes Beispiel dafür. Die Schichten sind akribisch sortiert und geordnet, alles hat seinen Platz, es ist eher ein Termitenhügel als ein Klumpen Dreck. Zumindest bilde ich mir das ein. Allerdings wäre wesentlich sinnvoller einen größeren Kleiderschrank zu kaufen, anstatt Kleidung immer im Wäschelimbo zu haben. Wo sind eigentlich meine Socken? Aber das ist halt Gewohnheit. Der Berg ist eben da, er war auch schon immer da, muss er wohl auch sein. Eine geographische Konstante, wie der Mount Everest oder der Zuckerhut. Genauso wie mir vor ein paar Tagen auffiel, dass wir die Lichtschalter im Flur immer noch nicht renoviert haben. Das liegt zum einen daran, dass ich das nicht selbst kann und zum anderen wollten wir warten bis wir den Flur renovieren. Gut, das mit dem Flur ist jetzt wesentlich weiter nach Hinten gerückt, warum machen wir also die Lichtschalter nicht? Gewohnheit. Vielleicht bin ich auch eher mit den größeren Problemen beschäftigt und fange ungern klein an. Das Wohnzimmer braucht endlich einen neuen Boden und das Schlafzimmer sieht aus, als hätte man sich Requisiten aus jeder Frauentausch und Bauer sucht Frau Folge gekauft und das wäre ihr Museum. Bitte fragt mich gar nicht erst nach der Küche. Gewohnheit hält die Dinge in meinem Kopf überschaubar. Ist das nun gut oder...

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