Besessenheit

Vogelbeere

Die Versuchung

Oft setzt sich eine Idee in meinem Kopf fest. Unvermittelt springt sie mitten in meine Gedanken, ohne Rücksicht darauf, ob ich gerade mit jemandem rede oder in der Bahn sitze. Ersteinmal eingedrungen ergreift sie Besitz von mir und ich tue alles. Um sie zu verwirklichen. Sie lässt mich nicht mehr los bis ich sie verwirklicht habe. Ich bin besessen von ungeschriebenen Texten und bald geschossenen Bildern, von ungesehenen Plätzen und ungeschehenen Taten.

Viele Menschen sehen in mobilen Geräten eine Erleichterung, für mich ist es jedoch eine lebensnotwendigkeit. Ohne einen Laptop oder ein iPad wäre die ganze zeit dabei meine Gedanken im psychokillerstil an Wände und sitze zu kritzeln. Bevor es jemand sagt, auf Blöcken kann ich schlecht schreiben, jedenfalls ohne Tisch. Diese besessenheit treibt mich und zerstört mich.

Ohne sie wäre meine Magisterarbeit zwar auch fertig geworden, aber nicht so gut, wie sie es wurde. Ich habe nicht die letzten Wochen 14 Stunden am Tag damit verbracht, weil ich es musst, sondern da es mich mitgerissen hat. In der Arbeit ging ich auf, immer auf der Suche nach dem nächsten Detail, der nächsten Frage und deren Antwort, die unweigerlich wieder zu Fragen führte.

Diese Besessenheit frisst einen Teil von mir. Aber gute Arbeit enthält immer ein Stückchen Seele. Sie enthält Blut und Wut und Hoffnung und Eitelkeit des Autors, sie ist ein Teil von ihm, der herausgerissen wird und nun für sich steht. Man lässt mit einem abgeschlossenen Projekt immer ein Fragment von sich zurück. Es ist keine Liebe. Liebe nimmt nicht, Liebe respektiert, Liebe gibt und Liebe sorgt. Aber Besessenheit nimmt, sie fordert. Es ist die Besessenheit, die Leiden schaft, dafür dass die eigene Arbeit am Herzen liegt, wichtig genug ist, um etwas Großes zu werden.

Was bei aller Begeisterung aber wichtig ist, ist sich auszuruhen, die Lücken in einem selbst wieder zu schließen. Man darf in der Arbeit aufgehen, aber sich nicht auflösen. Das muss ich allerdings noch üben. Es ist, denke ich, auch das Schwerste.

2 Kommentare

  1. Die Gedanken finde ich gut. So sollte sich Arbeit anfühlen. Aber natürlich hat das auch eine Schattenseite.

  2. Ich hoffe halt, dass eine gewisse Besessenheit den Positiven Eustress bewirkt, den man bei erfüllender Arbeit und fordernden, guten Aufgaben bekommt, wie bei guten Spielen (nicht lachen).

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