Danke, Tod.

Ich mag das Leben, darum erfüllt mich der Tod nicht gerade mit Vorfreude. Aber vielleicht sollte er das. Wie viel Zeit unseres Lebens verwenden wir damit Zu fürchten, zu bereuen oder zu schämen? Wenn wir sterben ist damit alle Angst und alle Schuld weggewischt. Wir werden tot geboren. Wenn wir auf die Welt kommen, haben wir noch nichts. Keine Erinnerungen und damit auch keine Erfahrungen oder tiefer gehenden Gefühle. Erst während wir leben, bekommen wir mit der Zeit ein Leben.

Damit kommen über die Jahre auch Ängste etwas zu verlieren und eine falsche Entscheidung zu treffen. Uns quält nicht selten der Wunsch etwas anders gemacht zu haben, dass eine Begebenheit einen anderen Ausgang genommen hätte. In unseren Gedanken ist oft präsent, was wir verloren haben, was wir verlieren könnten und was wir noch erlangen müssen. Dabei verlieren wir aber aus den Augen was wir unser eigen nennen können. Größer, besser, schneller – das treibt uns Menschen an, macht uns groß und bringt die Welt voran. Auf unser Privatleben sollten wir das Motiv aber nicht allzu sehr anwenden.

Das eigene Leben ist zwar ein Produkt unseres Handelns (und einer Menge Zufälle), kann aber nur zu einem Teil geplant und perfektioniert werden. Menschen sind fühlende, lebende und vor allem unlogische Wesen. Wir haben oft eine Ahnung davon was wir wollen und was uns glücklich macht, trotzdem verschätzen wir uns auch und fragen nach dem WasWäreWenn. Sein Leben lang kann man in einen Plan investieren, um dann zu merken, dass es nicht das ist, was man wollte. Gerade zielstrebige Menschen verlieren oft die Orientierung, wenn ihre Erwartungen gesprengt werden. Erschüttert ist man dann planlos, verwirrt und weiß nicht wohin. Weitere Enttäuschungen versucht man zu verhindern. Im schlimmsten Fall bewegt man sich gar nicht mehr, aus Angst einen falschen Schritt zu machen.

Das Leben ist ein Puzzle dessen Motiv niemand kennt. Es ergibt sich mit der Zeit, man kann versuchen es zu formen, aber man weiß nicht, wo man am Ende landet. Wir können das Motiv nicht kennen, denn erst wenn wir nicht mehr sind, ergibt sich das Bild. Unser Tod ist das letzte Teil. Man braucht keine Angst haben sich im Leben zu verlaufen, etwas zu verpassen und alles zu verlieren. Man verlässt die Welt so, wie man sie betreten hat. Am Ende bleibt nichts. Der Tod ist die einzige Konstante im Leben. Er kostet alles, aber er kommt bestimmt, egal wie viel oder wenig man hat.

Darum seit glücklich mit dem was ihr besitzt. Greift ruhig nach den Sternen, aber vergesst nie, was ihr habt. Seit stolz darauf, was ihr erreichen konntet und würdigt auch die kleinen Dinge. Die wahre Natur der Dinge ihre Zerstörung. Die Teetasse ist die längste Zeit zerbrochen und nicht in einem Stück. Der Baum ist schon vermodert. Und wir Menschen sind eigentlich schon alle tot. Besonders ist nicht nur, was man nicht mehr hat oder noch nicht bekommen konnte. Besonders ist vor allem, was jetzt ist, weil das der kürzeste Zustand von allen ist.

1 Kommentar

  1. Das ist richtig bewegend. Und du hast so Recht. *schnief*

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