Artikel von September, 2011

Katastrophentouristen im Meinungspluralismus

Katastrophentouristen im Meinungspluralismus

Mit zwei Dingen wird man im Internet ständig konfrontiert. Erstens Aktfilmen zweifelhafter Qualität und zweitens Meinungen. Natürlich wären da noch Spam und Werbung, aber ich meinte nur sinnvolle Dinge. Auch wenn ich niemanden enttäuschen will, möchte ich an dieser Stelle über Meinungen reden und nicht über nackte Haut. Zu den meisten Dingen haben wir eine Meinung. Selbst wenn unsere Meinung ist, dass etwas einer Meinung unwürdig ist. Sie kommt durch Erfahrung zustande, basierend auf ähnlichen Erlebnissen, auf unserem kulturellem Hintergrund und auch durch die Meinung der Menschen denen wir vertrauen. Wir können Meinungen oft besser vertreten, je mehr wir über diese Wissen. Was spricht dafür? Was dagegen? Gibt es überhaupt eine richtige Meinung oder nur mehrere Sichtweisen? Trotz der Möglichkeit sich immer und jeder Zeit über ein Thema zu informieren, haben die Entwicklungen im Internet und Journalismus dazu geführt, dass es kaum noch begründete Meinungen gibt. Oder besser: Jeder wirft seine Meinungen in einen großen Topf, schaut sich aber weder nach anderen Meinungen um, noch diskutiert man wirklich darüber. Was hat zu dieser Entwicklung geführt? Zum einen haben wir die klassischen Massenmedien: Fernsehen, Radio und Print. Diese existieren zwar zur allgemeinen Unterhaltung, aber eben nicht nur. Ihr Angebot soll verkauft werden, egal ob Nachrichten oder Seifenoper, über die Einschaltquoten muss durch Werbung und Merchandising Geld in die Kasse. Das Programm muss so gestaltet werden, dass es möglichst vielen Menschen möglichst gut gefällt. Das sorgt zum einen für eine ständige Überprüfung der Sendequalität und zum anderen dafür, dass die Inhalte auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet werden. Wer mir jetzt am liebsten ins Wort fallen möchte, um mir dann den Widerspruch von Qualität und entweder Heidi Klums Kleiderständer Casting oder Dieter Bohlens Klonversuche um die Ohren zu schlagen, den kann ich verstehen. Dabei sind die beiden Shows aber eben der Beleg einer Qualitätssicherung für eine bestimmte Zielgruppe. Es wird meist versucht den größten Haufen an Zuschauern zu gewinnen und das ist selbst im geburtenarmen Deutschland die Mischung aus Teenies auf Identifikationssuche und Fernsehkatastrophentouristen, die sich ordentlich fremdschämen wollen. Aber genau da liegt der Hund begraben. Das Programm soll eben nicht allen gefallen, sondern nur bestimmten Gruppen, am besten der größten. Man tut natürlich alles um diese Zielgruppe zu pflegen und zu nähren und versucht sich nicht zu vergraulen. Durch das Vorenthalten von kontroversen, gegenteiligen Meinungen bestätigt man das Weltbild einer Gruppe, verhindert aber auch mehrere Seiten eines Problems kennen zu lernen. Das kann...

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