Von austretenden Eseln

You keep in mind that my sharply-worded comments on yelp.com recently took down a muffin store.

– Sheldon Cooper

Man hört ja viel über deutsche Gastfreundschaft, leider oft nicht in dem gleichen schwärmen Ton indem man von Spaniern oder Türken redet. Nein als leidgeprüfter Hannoveraner weiß ich, dass wir schon speziell sind. Aber manche Sachen liegen doch außerhalb der Norm und bleiben im Gedächtnis.

Freitag waren wir noch zu viert unterwegs, obwohl wir von einer stundenlangen Bier und Bratwurst Zeremonie gut gefüllt waren. Allerdings hatte das Meteora nach einigen Wochen Betriebsferien wieder offen. Eine alte Weisheit besagt: Meteora geht immer. So motiviert waren wir auch schnurstracks auf dem Weg. Irgendwie machte sich dann auch direkt schon wieder neuer Appetit bemerkbar. Tragischerweise wurde uns unser Fehler erst bewusst, als wir im vollen Meteora standen und kein Platz mehr frei war. Freitags? 19:30 Uhr? Nach langer Pause wieder offen? Wer hätte darauf kommen können, dass der Laden voll ist, obwohl er sonst auch eher… chronisch voll ist? Wahrscheinlich ein durchschnittlicher Säugling. Aber Jotti umsorgte uns fabelhaft und meinte, dass wir in einer halben Stunde wiederkommen können, um dann einen gemütlichen Abend zu verbringen.

Was machen wir die dreißig Minuten? Wer Essen will, muss auch Trinken – oder so ähnlich muss die Logik gewesen sein, die uns ins La Cantina verschlagen hatte. Das La Cantina ist um die Ecke vom Meteora und ein kleiner Tapas Laden. Sophie und ich waren da schon einmal. Das Essen war gut, aber mir hatte irgendwas gefehlt und deswegen haben wir die anderen Tapas Läden in Hannover vorgezogen. Aber ich wollte wieder mal vorbeischauen, weil meine Mutter vor Kurzem dort auch einen guten Tag verbracht hat. Nici erzählte, dass sie dort auch immer mal hin wollte, während ich mich über das El Condor nebenan lustig machte, weil es mit seinem 80er Jahre Schild in der Gegend den Flair eines Vintage-Pornos versprühte. Noch dazu stand atmosphärisch im krassen Gegensatz zum La Cantina, obwohl beides Tapas Restaurants waren.

Es war ziemlich leer und wir setzten uns draußen auf die alten Gartenstühle, die zusammen mit dem wolkenverhangenen Himmel und den Betonfassaden der umstehenden Häuser, das trostlose Sommergefühl abrundeten. Bevor ich meinen Depressionen erlag rettete uns die nette Bedienung mit farbigen Sitzkissen. Die Bestellung war schnell aufgeben: Sangria, viel und eine kleine Cola. Während ich noch mir haderte, ob ich gesalzene Mandeln bestellen sollte, kam der Wirt heraus und fragte uns, was wir denn essen wollen. Gar nichts, war die Antwort, obwohl mir die Mandel-Sache keine Ruhe lies. Wir wollten erstmal nur etwas Trinken und dann ins Meteora, obwohl ich überall eine Kleinigkeit esse. Da wurde der Wirt lauter und verwies uns auf den Fakt, dass es sich hier um ein Restaurant handelt und man dort etwas essen müsse. Während wir ihm unser bedauern ausdrückten und versicherten, dass wir nächstes Mal etwas essen, aber jetzt schon bestellt hätten, warf er immer wieder ein, dass wir noch nicht bestellt haben. Die Bestellung ist eben noch nicht aufgenommen, weil wir kein Essen bestellt haben. Kurz überlegte ich, ob ich die Mandeln bestellen soll, damit er Ruhe gibt. Aber ich gönnte ihm das Geld nicht und als er uns auf die Stelle in der Speisekarte hinwies, stellte es sich sowieso als egal heraus. Dort stand nämlich, dass in diesem Fall Oliven und Mandeln nicht als Essen galten. Sind Tapas nicht nach Definition Kleinigkeiten, die mit einer Hand zu einem Getränk gegessen werden können? Hier nicht, bei Kleinigkeiten ist wohl die Gewinnspanne zu niedrig. Mit Worten der Abneigung beförderte er uns dann aus dem Restaurant. Wenn wir nichts essen, können wir nicht bleiben. Obwohl unser pro Kopf Getränke-Umsatz in teilen von Hannover legendär ist.

Darum gingen wir dann ein paar Meter weiter ins Condor. Die Frage, wie zwei Tapasläden direkt nebeneinander existieren können, hatte sich dann auch geklärt. Ich schaute zurück aufs La Cantina und stellte fest, dass es einen Esel als Logo hat, das einzige, was an diesem Laden wirklich stimmte. Im Condor wurden wir sofort nett bedient und es war auch kein Problem nur etwas zu trinken. Die Wirtin war sehr freundlich und es waren trotz der Atmosphäre viele Leute da, die allerdings auch irgendwie zu ihr passten. Darum geht es aber auch nicht. Selbst wenn mir der Stil nicht gefällt, guter Service und freundliche Bedienung sind geschmacksübergreifend. In dem Punkt war der Laden ein Volltreffer. Frisch gestärkt gingen wir dann ins Meteora und hatten einen wirklich schönen Abend. Es ist immer schön im Meteora, es fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen.

Fassen wir noch einmal zusammen. Vier Leute  betraten ein leeres Restaurant und hatten vor es mehrmals zu besuchen. Sie brachten schnellen Umsatz: Rein, Getränk, raus. Wurden dann rausgeworfen, ließen das Restaurant leer zurück und kommen bestimmt nicht noch mal wieder. Hat das La Cantina jetzt irgendwas gewonnen? Der Esel scheint wirklich zu passen.

2 Kommentare

  1. Ja, dieser Idiot! Der hat Gastronomie einfach nicht verstanden. Beim Trinken hätte ja auch unser Appetit kommen können und wenns uns gefallen hätte, wären wir vielleicht auch da geblieben und hätten mehr, viel mehr, getrunken und auch etwas gegessen. Außerdem machen doch Restaurants meist mehr Umsatz über Getränke, oder?
    Wenn „das Restaurant“ voll gewesen wäre und wir hungernden Kunden Plätze weg genommen hätten, hätte ich es ja noch irgendwie verstehen können, aber so?

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