Wohlstandsorakel

Die Börsen wurden die letzten Tage wieder kräftig durchgeschüttelt und die Prognosen überbieten sich in Weltuntergangsstimmung. Inzwischen ist es Gewohnheit. Für den Laien stellen sich viele Fragen über Sinn und Unsinn an den Börsen. Werden noch wirklich Geschäfte gemacht? Sind das alles nur Wetten oder Panik? Ob nun Bauern über miese Ernten klagen oder Unternehmen über den Fachkräftemangel, beschwert wird sich überall gern. Das heißt nun nicht, dass an den Beschwerden nichts dran ist. Aber vielleicht ist man auch selbst Schuld an der Lage in der man sich befindet. Trotzdem gibt es kaum klagen, die so ehrlich sind, wie die aus dem Bankensektor. Die Panik steht den Börsianern wie es so schön heißt ins Gesicht geschrieben. Das ist der Unterschied zwischen der erfolgreichen PR der Unternehmen und den Augenzeugenberichten der Aktiengeschädigten: Die Börsianer haben echte Angst, echte Panik. Das heißt aber nicht, dass diese berechtigt ist. Sie haben sich von der echten Welt entfernt, Leben in ihrer eigenen Parallelwelt in der sich alles um die Indexe dreht.

Erstaunlicherweise dreht es sich oft wirklich nur um die Aktienkurse. Die Aktien sollen den Wert eines Unternehmens wiederspiegeln. Wenn der gesamte Markt um 5% einbricht, wie in den letzten Wochen, dann haben nicht alle Aktienunternehmen der Welt plötzlich real an Welt und Wirtschaftskraft verloren. Es ist nur eine Abbildung der Stimmung der Händler. Gerüchte verändern Kurse genauso sehr wie Tatsachen. Aktienhändler können eben nicht hellsehen und keiner will seine Papiere erst verkaufen, nachdem ein Unternehmen bankrott ist. Aber da kommt eben das Expertenwissen und der Instinkt der Händler ins Spiel. Das Gefühl drängt sich auf, das eben dieser nicht mehr vorhanden ist und von Software und Panik ersetzt wurde. Das ist einerseits kein Wunder, die Aufträge werden immer größer, die Verantwortung wächst gewaltig. Andererseits liegt dann der Fehler vielleicht auch im System. Was nutzt uns eine Handelsbühne, die keiner Logik mehr folgt und zwischen Lotterie und Billiarden-schwerem Stimmungsring schwankt?

Die Politik, weltweit, legt jedenfalls Wert auf die Börsen und sieht sie als eine Art plakatives Barometer für den Zustand der Wirtschaft. Zusammen mit dem Bruttoinlandsprodukt und dem Wirtschaftswachstum wird bestimmt, wie gut es den Menschen geht. Diese Indikatoren versteht jeder, auch wenn er kein Wissenschaftler ist. Je größer die Zahl, desto besser. Aber jeder Mann hört immer wieder, das Größe eben nicht alles ist und vielleicht trifft es ja darauf zu. Es ist nicht nur wichtig, wie viel Geld im Umlauf ist, sondern auch wie es verteilt ist. Das BIP, Wirtschaftswachstum und die Börse waren bessere Indikatoren, als der Umsatz einer Firma und der Verdienst eines Angestellten noch in engerer Relation standen. Geht es alleine um Wirtschaftsmacht und -wachstum, müssten Chinesen zur Zeit die glücklichsten Menschen der Welt sein. Das BIP steigt stetig, die Reallöhne sinken  aber seit den 80ern (in Deutschland). Egal, ob die Wirtschaft nun wächst oder nicht, viele Menschen sind und bleiben arbeitslos.

Wir müssen darüber nachdenken, wie wir den Wohlstand einer Gesellschaft messen. Ansonsten können wir keine effektive Politik zur Verbesserung der Situation machen (und ich glaube immer noch, dass viele wirklich etwas verbessern wollen). Wir müssen mehr auf die Verteilung des Geldes schauen, wie sich Armut und Reichtum entwickeln. Außerdem müssen wir auf die Arbeitslosenquote achten und den Durchschnittsverdienst. Nur wer finanziell mobil ist, kann auch sozial mobil sein. Wir brauchen eine neue Art der Analyse, für eine neue Art der Gesellschaft.

Mehr dazu in englisch und lustig:

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Ali Velshi
www.thedailyshow.com
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PS: Wer die Anspielung im Thumbnail versteht, kriegt ein Bier.

1 Kommentar

  1. Du hast Recht! Und man kann das gleiche Prinzip – gucken, wie man Erfolg misst – auch auf die kleinere Ebene übertragen, z.B. wie misst man den Erfolg eines Unternehmens, einer Werbeaktion, einer Social-Media-Kampagne? Ob da Umsatz ausreicht, auch wenn die Kunden wegbrechen? Ob da Teilnehmer das richtige Kriterium sind, auch wenn die Marke nur ganz wenig präsent ist? Ob da „Likes“ auf Facebook zählen sollten, auch wenn die meisten nur Gutscheine abgreifen wollen oder vergessen haben, sich nach einer Aktion wieder heraus zu nehmen? Es gäbe viele Forschungsansätze…
    Und mist, ich verstehe die Anspielung im Thumbnail nicht, grmpf.

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