Artikel von August 18th, 2011

Wohlstandsorakel

Die Börsen wurden die letzten Tage wieder kräftig durchgeschüttelt und die Prognosen überbieten sich in Weltuntergangsstimmung. Inzwischen ist es Gewohnheit. Für den Laien stellen sich viele Fragen über Sinn und Unsinn an den Börsen. Werden noch wirklich Geschäfte gemacht? Sind das alles nur Wetten oder Panik? Ob nun Bauern über miese Ernten klagen oder Unternehmen über den Fachkräftemangel, beschwert wird sich überall gern. Das heißt nun nicht, dass an den Beschwerden nichts dran ist. Aber vielleicht ist man auch selbst Schuld an der Lage in der man sich befindet. Trotzdem gibt es kaum klagen, die so ehrlich sind, wie die aus dem Bankensektor. Die Panik steht den Börsianern wie es so schön heißt ins Gesicht geschrieben. Das ist der Unterschied zwischen der erfolgreichen PR der Unternehmen und den Augenzeugenberichten der Aktiengeschädigten: Die Börsianer haben echte Angst, echte Panik. Das heißt aber nicht, dass diese berechtigt ist. Sie haben sich von der echten Welt entfernt, Leben in ihrer eigenen Parallelwelt in der sich alles um die Indexe dreht. Erstaunlicherweise dreht es sich oft wirklich nur um die Aktienkurse. Die Aktien sollen den Wert eines Unternehmens wiederspiegeln. Wenn der gesamte Markt um 5% einbricht, wie in den letzten Wochen, dann haben nicht alle Aktienunternehmen der Welt plötzlich real an Welt und Wirtschaftskraft verloren. Es ist nur eine Abbildung der Stimmung der Händler. Gerüchte verändern Kurse genauso sehr wie Tatsachen. Aktienhändler können eben nicht hellsehen und keiner will seine Papiere erst verkaufen, nachdem ein Unternehmen bankrott ist. Aber da kommt eben das Expertenwissen und der Instinkt der Händler ins Spiel. Das Gefühl drängt sich auf, das eben dieser nicht mehr vorhanden ist und von Software und Panik ersetzt wurde. Das ist einerseits kein Wunder, die Aufträge werden immer größer, die Verantwortung wächst gewaltig. Andererseits liegt dann der Fehler vielleicht auch im System. Was nutzt uns eine Handelsbühne, die keiner Logik mehr folgt und zwischen Lotterie und Billiarden-schwerem Stimmungsring schwankt? Die Politik, weltweit, legt jedenfalls Wert auf die Börsen und sieht sie als eine Art plakatives Barometer für den Zustand der Wirtschaft. Zusammen mit dem Bruttoinlandsprodukt und dem Wirtschaftswachstum wird bestimmt, wie gut es den Menschen geht. Diese Indikatoren versteht jeder, auch wenn er kein Wissenschaftler ist. Je größer die Zahl, desto besser. Aber jeder Mann hört immer wieder, das Größe eben nicht alles ist und vielleicht trifft es ja darauf zu. Es ist nicht nur wichtig, wie viel Geld im Umlauf ist,...

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