Dem Rad in die Speichen fallen

Nachdem mir in der letzten Zeit schon nachgesagt wurde, dass ich Kommunist bin, nähere ich mich heute aber ein wenig dem Faschismus beziehungsweise der Diktatur an. Das bringt mich wahrscheinlich etwas näher zum Kommunisten Nazi. Yay. Heute geht’s ums Ausbildungsnirvana und Weisheiten made in China.

Aus politischen und persönlichen Gründen ärgere ich mich im Moment täglich über die Arbeitsmarktsituation hier in Deutschland. Als Mitglied der Generation Praktikum regt es mich auf, wie oft man hört, wie Lebensläufe und Ausbildungswege kaputt geredet werden. Dabei geht es weder darum, dass man sich auf einen unpassenden Job bewirbt, noch dass man die zwei Jahre Leerlauf besser erklären sollte. Es geht um sinnlosen Perfektionismus. Beispielsweise, warum man eine bestimmte Schule besucht hat, wenn man doch später lieber [Traumjob hier] werden wollte. Weiß man denn als 12 jähriger denn schon genau, was man werden will? Haben vielleicht die Eltern nicht die Schule bestimmt? Eine längere Studiendauer kann an den Lebensumständen liegen. Manche müssen viel Arbeiten, um das Studium zu finanzieren. Andere sind ernsthaft krank gewesen (und jetzt bitte kein: Warum sind sie krank?). Wo wir schon bei Studieren sind. Warum haben sie denn [Traumstudium hier] studiert? Heute sind doch [Marktlückenstudium hier] so gefragt.

Der Fehler den alle machen ist alles rückwirkend zu betrachten. Ungefähr als wäre man der von mystischen Kräften gesegnete Auserwählte dessen Schicksal es ist DEN EINEN JOB (nicht zu verwechseln mit DER EINE RING) zu bekommen. Der Arbeitsmarkt ist kein teleologisches System indem ein Weg immer zum selben Ziel führt. Genau das wird aber versucht zu vermitteln. Beruflicher Erfolg wird standardisiert. Wehe dem, der vom Standard abweicht. Unterschiede werden nicht oft nicht als herausstechende Merkmale gesehen, sondern als Fauxpas. Natürlich kann man an bestimmten Studiengängen oder Spezialisierungen zweifeln, soetwas könnte man aber auch im Gespräch klären anstatt die Menschen auszusortieren. Wobei das natürlich nicht alleine die Schuld der Unternehmen ist, da sie oft vor Bewerbern ersticken. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein der große Teil der Top-Unternehmer, die diese Standards mit geschaffen haben, sie selbst erfüllen.

Alles läuft genormte Bahnen, die aus den aktuellen Anschauungen entwickelt wurden. Aber dabei wird kaum die Nachhaltigkeit des Systems gerichtet. Es geht immer nur darum aktuelle Bedürfnisse zu befriedigen. Die Menschen die 2-5 Jahre diesen Ausbildungsweg gegangen sind finden sich in einer Realität wieder, die vollkommen andere Bedürfnisse hat. Die Wirtschaft weiß das nur zu gut. Genau deshalb wird gefordert es zu erleichtern ausländische Fachkräfte anzuwerben. Zu der Erkenntnis scheint die Politik noch nicht gekommen zu sein.

Die letztendlich Leittragenden sind die Menschen um und unter 30. Die Generation der Hochqualifizierten, deren Qualifikationen nicht gebraucht werden. Ständig hört und denkt man, man hätte ja noch [Lücke hier] machen können. So versinkt man im Ausbildungsnirvana. Findet man im Laufe eines Jahres keinen Job, bemüht man sich, sich weiter zu Qualifizieren. Studenten machen Ausbildungen, Ausgebildete studieren und wo man schon dabei ist, kann man eigentlich alles doppelt machen. Man kann ihnen keine Faulheit vorwerfen. Sie drücken lieber noch mal die Schulbank, lernen, versuchen sich zu verbessern, als in irgendeinem ALGII geförderten Nebenjob zu verrotten. Wobei dieser wahrscheinlich eine Einkommenssteigerung darstellen würde. Sie sind motiviert, qualifiziert und mit geringen Chancen.

Die meisten demokratischen Systeme bewegen kaum noch etwas. Das liegt zum einen am Einfluß nicht-demokratischer (nicht zu verwechseln mit demokratieschädlich) Organisationen, wie Unternehmen, Lobbys, Gewerkschaften etc., zum anderen die Popularitätsabhängigkeit der Politiker. In einem demokratischen oder eher postdemokratischen System ist man zwangsweise auf Stimmenfang. Das nimmt normalerweise nur einen Teil der Arbeit ein, im Moment anscheinend aber das Gros. Alles im allen wirken diese Faktoren aber nicht nur regulierend und moderierend, sondern auch hemmend auf das politische System (was eigentlich etwas Gutes ist). Dadurch hat sich aber die Weitsicht der Politik auf einen Vier-Jahres-Rhythmus verschoben. Wobei die vier Jahre auch den Bestfall darstellen. Eine moderne Demokratie ist nicht nur abhängig von der Legitimation der Wähler, sondern auch der Mitarbeit der erwähnt Organisationen. Und jetzt zu China.

China stellt politisch so ziemlich alles dar, dem ich widerspreche. Chinas Wirtschaftspolitik hat seit Mao Zedong weit mehr als 100 Millionen Tote gefordert. Trotz allem ist das menschenverachtende System meiner Meinung nach, das einzige, dass eine annähernd intelligente, nachhaltige Politik zustande bekommt. Was natürlich auch daran liegt, dass sie sich um demokratische Hürden einen Dreck scheren. Zum einen haben sie Begriffen, was wir vergessen haben: Forschung bedeutet Zukunft und Wohlstand. Zum anderen versteht China wie kein anderes Land, dass die eine Hand, die andere wäscht. Ob sie nun der USA mehr Geld leihen als jedes andere Land, Universitäten Sprachschulen schenken oder seit vielen Jahren in Afrika investieren (was wir vor ein paar Tagen mal versucht haben), sie geben Geld aus, weil sie wissen, dass sie in der Zukunft etwas dafür zurückbekommen. Welcher Markt wird irgendwann wichtiger werden, als der für fossile Brennstoffe? Rohstoffe für elektronische Bauteile. Fossile Brennstoffe sind unglaublich wichtig für uns. Nicht nur für Energie, sondern auch für den Alltag durch die Herstellung von Plastik. Aber wo sind wir, wenn wir keine Computer mehr bauen können? Wir Leben im Computerzeitalter, was bleibt von uns ohne ihn? China gehören fast alle Recht am Markt für Seltene Erden, der Rest der Welt hat es verschlafen.

China legt eine Politik an den Tag, die jetzt viel kostet, aber auf die Zukunft ausgerichtet ist. Vielleicht bringt das irgendwann Wohlstand für alle, aber ob es den Preis wert war? Wohl kaum. Darum geht es hier aber nicht. Die Frage ist eher, braucht man eine Diktatur, um einen Plan gut umzusetzen? Ist es in der Demokratie schon so weit mit der Vernunft zu Ende? Ich hoffe nicht. Aber ich denke, dass wir eine Aristrokratie leben. Es entwickeln sich verhärtete gesellschaftliche Schichten mit unterschiedlichen politischen Rechten. Diese Rechte sind zwar inoffizell, aber nicht ineffektiv.

Wie es weitergeht und wo es endet ist, wie meist, ungewiss. Ob es einen Sinn hat dem Rad in die Speichen zu fallen oder ob irgendwann genug Menschen unter die Räder kommen, dass es stoppt, wird sich zeigen.

Update

Wie passend: China hebt Export-Grenze für Hightech-Metalle an @ SpiegelOnline.de

1 Kommentar

  1. Ausbildungsnirvana, gutes Wort! Ja, diese Fragen stelle ich mir auch oft. Ich hab leider keine Antworten. Ich weiß nur, dass sich in Deutschland was ändern muss, am besten bald. Aber ich denke nicht, dass das so einfach passiert.

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