Artikel von Juni 29th, 2011

Das Geld der Anderen

Wer von euch macht gemeinnützige Arbeit? Oder niedrig bezahlte Arbeit für einen sozialen Zweck? Wenige bis gar keine, denke ich, ohne jemanden bleidigen zu wollen. Dabei sind wir generell ein tüchtiges, auf die Arbeit stolzes Volk. Vielleicht liegt es daran, was Arbeit beschreibt. Arbeit ist in erster Linie was Geld bringt. Gemeinnützige Arbeit fällt zumindest aus dieser Definition raus, auch wenn man natürlich arbeitet. Bleiben wir kurz bei dieser viel zu engen Definition von Arbeit. Hier arbeitet man zwar nicht gemeinnützig, aber zum Nutzen eines Anderen. Ob Abteilungsleiter oder Geschäftsführer, alle profitieren indirekt von der Angestellten und die Angestellten natürlich auch von ihrer. Eben darum geht es ja, man selbst verkauft seine Arbeitskraft und erhält dafür den Lohn. Trotzdem hat der alltägliche Arbeitsplatz einen sozialen Charakter. Da man inzwischen mehr gibt als man bekommt. Ein Arbeitsvertrag ist für mich ein Vertrag zwischen zwei Parteien, die beide diesen Vertrag respektieren müssen. Aber dieser Respekt ist oft nur einseitig, da man gerne auf die Arbeitsmarktsituation und Hartz IV verwiesen wird, wenn man mal aus der Reihe schlägt. Andererseits werden Überstunden vorrausgesetzt, sogar einkalkuliert, aber nicht bezahlt. Meine Abneigung richtet sich nicht dagegen mehr zu arbeiten, sondern jemandem etwas zu schenken, der einem selten etwas schenkt. Ein Blumenstrauß oder eine Flasche Sekt ist etwas schönes, aber wie viele Blumen könnte man sich kaufen, wenn die 50 Überstunden innerhalb eines Projektes gezahlt worden wären? Zu der Verbesserung der Situation tragen dann auch keine Fragen, wie „Warum liegt ihr Mutter ausgerechnet jetzt im Sterben?“ oder „Warum waren sie krank?“ bei. Oft wird darauf eingeschworen, dass man sich in der schwierigen Lage zusammenreißen muss und das Beste für die Firma geben soll. Man muss guten Willen beweisen. Aber dabei vergessen anscheinend viele Geschäftsführer, dass es sich um ihre Firma handelt und nicht um unsere. Und guten Willen erfährt man auch nicht selbst, wenn jemand entlassen wird, um 40.000€ im Jahr zu sparen, die Firma aber viele Millionen Gewinne macht und der Vorstand sich gerade das Gehalt erhöht hat. Andererseits kann man sagen, dass leitende Angestellte und Geschäftsführer mehr verdienen müssen, weil sie auch die ganze Verantwortung tragen. Das stimmt natürlich und ich finde es nicht schlimm, wenn irgendwer mehrere hunderttausend Euro im Jahr verdient. Es muss nur in Relation zum Betrieb und den Bilanzen stehen. Vor allem tragen sie zwar das Risiko die Firma in den Sand zu setzen, kriegen dann aber komischerweise immer wieder...

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