Artikel von Mai, 2011

To be alive

Mal ohne jede wissenschaftliche Vorsicht und ohne die Quellen zu prüfen. Das ist einfach nur schön. Hey, try to open up your heart To beauty; go to the woods some day And weave a wreath of memory there. Then if the tears obscure your way You'll know how wonderful it is To be alive. -- An anonymous child at the Terezin concentration camp, 1941

Mehr

Bildungsschmarozer

Brave Kinder finden im Winter Süßigkeiten in ihren Stiefeln. Böse Kinder hingegen eine Rute. So jedenfalls in Norddeutschland. Was finden  Masterstudenten, die sich entscheiden sich weiterzuqualifizieren und noch ein paar Jahre an der Universität bleiben? Die Antwort ist nicht ganz so einfach. Vielleicht sollte man damit anfangen, was Bachelorstudenten überhaupt bekommen. Immerhin sind sie die Basiszutat für die Masterstudentenbackmischung. Am Freitag findet die nächste Evaluierung des Bologna-Prozesses statt. Das ist der Prozess indem die alten Studiengänge, wie Diplom und Magister, durch Bachelor- und Masterstudiengänge ersetzt worden. Geschaffen werden sollten effizientere, international vergleichbarerer und unkompliziertere Studiengänge. Früher haben die Unis alle ihr eigenes Süppchen gekocht. Die Reform konnte das erfolgreich ändern. Inzwischen kochen sie unterschiedliche Nudelsoßen, aber haben es noch nicht geschafft sich auf Bolognese zu einigen. Die Studiengänge sind unübersichtlicher denn je. Vielerorts verzweifeln am Creditpoint System nicht nur die Studenten, sondern auch die Dozenten. Das scheint sich auch in der internationalen Vergleichbarkeit niederzuschlagen, zumal es schon schwer ist seine Studienleistungen an einer Uni im gleichen Bundesland anerkannt zu bekommen. Diejenigen Studenten, die ihren straffen Zeitplan schaffen und in sechs Semestern schaffen, haben zwar nicht so viel gelernt, wie die alten Studiengänge, sind aber schneller fertig. Dumm nur, dass der Bachelor an vielen Unis auf 8 Semester erweitert wird. Dort bleibt ein niedrigerer Bildungsabschluß mit ähnlichem Zeitaufwand wie früher. Für mich ist die Bologna-Reform ein von der Wirtschaft diktierter bildungspolitischer Kurs. Leider denkt die Wirtschaft nur kurzfristig, während die Studenten länger etwas von ihrer Ausbildung haben müssen. An ihnen wurde ausprobiert, wie man ein wirtschaftsnahes Studium gestalten kann. Wie viele bei so einer Operation am offenen Herzen auf der Strecke bleiben, ist nicht wichtig. Auch heute noch rufen die Unternehmen „Mehr Praxis!“. Das an einer Uni theoretisiert wird, passt wohl nicht zum Bild einer akademischen Anstalt. Die Unternehmen wollen möglichst Junge, möglichst praxisnahe Zahnräder, die in ihr Getriebe passen, ohne selbst viel Kosten und Mühen anzuwenden. Also praktisch wie eine Berufsausbildung, ohne das Risiko selbst zu tragen. Nachdem das Abitur in Deutschland standard wurde, musste ein neuer Bildungsgrad geschaffen werden, um sich von der Masse zu unterscheiden. Da sich natürlich alle von der Masse unterscheiden wollen, studieren inzwischen sehr viele junge Menschen. Aber ist das wirklich Sinn der Sache? Braucht jemand, der als Grafikdesigner Werbebanner erstellt, ein Kunststudium? Muss wirklich irgendein Studium im Lebenslauf stehen, um einen Job zu bekommen? Mit etwas Zynismus sehe ich eine Zeit auf uns...

Mehr

Raubkopieren ist eigentlich total vernünftig *update 2*

Durch Micha bin ich auf den Artikel von Uarrr aufmerksam geworden. Seinem Artikel kann ich voll zustimmen. Aber Raubkopieren ist nicht total okay, es ist (leider) auch vernünftig. Sowohl die Musik- als auch die Filmindustrie sind im Selbstmitleid versunken, seit sie hinter der Spieleindustrie zurückgefallen sind. Die paar Milliarden Dollar Gewinn jedes Jahr lohnen doch kaum den aufwand. Der Spieleindustrie, der gewinnstärkste Wirtschaftszweig der Welt, leidet unter Raubkopierern so sehr, dass zweistellige Millionengehälter nur langsam ins dreistellige wachsen. Da bleibt natürlich auch wenig Geld übrig, um die Programmierer und Designer gewinnorientiert zu bezahlen. Mit anderen Worten: Raubkopierer machen, dass es allen schlecht geht. Allen? Auf der einen Seite sind die Produzenten, wie Publisher und Entwickler, Filmstudios und Schauspieler. Auf der anderen Seite sind die Zuschauer, Zuhörer und Spieler. Die eine Seite möchte Geld verdienen und die andere möchte Unterhalten werden – nicht zwangsweise Geld ausgeben. Jedenfalls nicht grundlos. Genau das soll aber erreicht werden. Spiele werden immer simpler, damit die Entwicklungskosten überschaubarer werden und die Gewinnspanne größer. Das Geld wird im Marketing ausgegeben und nicht in der Entwicklung. Die Call of Duty Serie gibt diesem Prinzip aber leider recht. Noch dazu ist es Mode geworden keine Demoversion anzubieten. Kombiniert man das damit, dass sich Einzelhändler strikt dagegen wehren Spiele umzutauschen (man könnte ja Raubkopierer sein) , wird man zum blinden ausgeben von 40€ – 70€ gezwungen. Wenn Crytek dann sagt, Demos sollten eigentlich Geld kosten, da sie auch ein Produkt sind, ist das der letzte Hohn. Für Werbung werden Millionen ausgegeben, aber kein Bruchteil davon für eine Demo (was auch Werbung ist)? Noch dazu wird jeder Kunde, wie ein potentieller Terrorist behandelt. Restriktive Kopierschutzmechanismen, Zwangsregistrationen usw. Das sowas Kunden verscheucht musste Ubisoft sich jetzt eingestehen. Ubisoft hatte einen Kopierschutz eingeführt, bei dem man zum Spielen permament online mit dem Authentifizierungsserver verbunden sein musste. Wenn dieser Mal ausfiel, gewartet wurde oder Menschen keine ständige Internetverbindung haben – tja dann gibt’s kein Spiel, auch wenn man dafür gezahlt hat. Das irrsinnige daran ist, dass solche Mechanismen nur die ehrlichen Kunden treffen. Raubkopierer umgehen sie. Gabe Newell1 sagte mal die Spieleindustrie muss mehr wie Piraten werden, denn Piraten haben den besseren Service. Das ist genau der Punkt den Uarrr mit Spotify anspricht. Ein faires Bezahlmodell, gute Benutzbarkeit. Im Endeffekt kommt man sich als Kunde weder verarscht noch ausnutzt vor. Im Gegensatz zu manchen Spielen, die man cracken musste, um sein Orginal spielen...

Mehr

Das soziale Brett vor dem Kopf

Schon mal vorweg, der Artikel wird im Verlauf unwissenschaftlicher, also keine Angst ;-). Im Rahmen meiner Prüfungsvorbereitung beschäftige ich mich mit der Quellenkritik von Internetquellen. Bei der Diskussion des Themas ist mir eines aufgefallen. Es wird festgestellt, dass man bei Internetquellen zwischen privaten/ kommerziellen Quellen und wissenschaftlichen Quellen unterscheiden soll.1 Dem Gedanken liegt natürlich zugrunde, dass private und kommerzielle Texte nicht den wissenschaftlichen Standards entsprechen können. Sie können subjektiv sein, methodisch unzureichend oder mit einer bestimmten Intention geschrieben worden sein. Dem stimme ich vollkommen zu. Aber die Betonung der Vorsicht bei unwissenschaftlichen Quellen klingt im Umkehrschluß wie eine Heiligsprechung der wissenschaftlichen Quellen. Der Eindruck wird noch verstärkt, da geschrieben wird, dass die Quellenkritik anzuwenden ist, wenn die Quelle nicht aus einer wissenschaftlichen Sammlung stammt.2 Dabei ist immer kritisch mit Quellen umzugehen. Auch Wissenschaftler machen Fehler und alles ist mit einer gesunden Skepsis zu betrachten. Das zeigt, was wohl bekannt ist, nämlich dass Gewohnheit fahrlässig macht. Das Neue, in diesem Fall das Internet, betrachten wir sehr genau und gehen hart mit ihm ins Gericht. Das Gewohnte, also traditionelle Medien, erscheint dabei nicht so schlimm. Vielleicht auch nur, weil wir uns lange keine intensiven Gedanken mehr darüber gemacht haben. Das gilt nicht nur für die Wissenschaft. Wie nehmen wir alle, also Du und ich – und der dadrüben, Informationen wahr? Das bestimmende Medium für den größten Teil der Gesellschaft ist das Fernsehen. Das wichtigste Medium für den einzelnen ist man selbst. Um das noch etwas zu erklären, werfe ich mal Maurice Halbwachs in den Raum. Was erstens gemein und zweitens ekelig ist, weil er vor gut 60 Jahren auf tragische Weise gestorben ist. Halbwachs hat Folgendes festgestellt. Wir verstehen Dinge indem wir sie mit anderen Vergleichen. Weil wir nicht jedes Ding selbst verstehen können, nehmen wir dazu auch das Wissen von anderen Menschen. Dazu lesen wir Bücher, gehen in die Schule, hören vom besten Freund warum seine Alte Lebensabschnittgefährtin so eine blöde Kuh wertvolle Person ist oder lernen aus den Fehlern anderer. Wir saugen ständig alles auf, packen es in Schubladen, die uns erleichtern neues Wissen zu verarbeiten. Im Endeffekt bedeutet das, dass wir nicht aus unser Haut können. Aber auch, dass die Gesellschaft das nicht kann. Wir sind alles Gewohnheitstiere und forcieren diese Gewohnheit auch. Gewohnheit macht das Leben möglich. Stellt euch vor, wir würden jeden fremden Menschen immer genaustens untersuchen. Jedes Auto, jedes Haus – alles was wir ständig...

Mehr