Was ich nicht sehe, das gibt es auch nicht

Wir Deutschen haben es nicht leicht. Abgesehen davon, dass wir immer pünktlich, strebsam und korrekt sein müssen, haben unsere rechtsextreme Vergangenheit als Gruppenleiden. Die Italiener haben „la dolce vita“, die Franzosen „savoir vivre“ und wir? Wir haben unsere „German Angst“. Wir Deutschen haben es nicht leicht.

Ja wir haben es nicht leicht, schon in der Schule werden wir damit konfrontiert, daß Verbrechen an der Menschheit begangen haben, damit wir wissen, was wir getan haben. Aber Fragen sollte man besser nicht stellen. Generell sollte man nicht darüber reden. Wir müssen wissen was passiert ist, damit wir unser Haupt in Schuld senken, immer versuchen korrekt zu sein, niemanden diskriminieren, gefährlichen Situationen aus dem weg gehen und wegschauen, wenn wir etwas sehen, was es gar nicht mehr geben kann. Wir haben es nicht leicht, nur so werden wir den Schandfleck in unserer Vergangenheit wieder los.

Aber werden wir das? Nein, unsere Nazi-Vergangenheit gehört zu uns und nichts kann dasändern. Das Grausamste ist, wir schämen uns nicht der Opfer wegen, sondern weil wir nicht mehr damit in Verbindung gebracht werden wollen. Wir lernen nichts, weil wir vergessen wollen. Wir helfen nicht, weil wir wegsehen .

In Misburg wurde eine junge Frau von Neonazis angegriffen. Sie wagt es eine andere Meinung zu haben und diese auch zu Leben. Dafür wird sie von den Neonazis verprügelt. Sie lauern ihr auf, bedrohen sie, versuchen sie mit Gewalt einzuschüchtern. Sie gibt nicht auf, obwohl sie alleine steht. Man sollte meine, die Neonazis müßten alleine stehen. Doch die Parteien und Vertreter Misburgs sehen das anders. Es gibt kein Nazi-Problem in Misburg, alles Gespenster. Man muss an Misburgs Ruf denken, wenn manüber soetwas redet. So stehen die Männer jeden Tag zufällig in der Nähe ihrer Wohnung und zeigen ihr, wie alleine sie wirklich ist.

Ist das unsere Art mit Nazis umzugehen? Ist alles, was uns davor bewahrt wieder ein totalitärer Staat zu werden, eine dicke Mauer der Ignoranz? Durch die Ignoranz lassen wir ein Machtvakuum zurück, das den Nazis Raum gibt. Seht euch den HAZ-Artikel zu dem Vorfall an. Mitglieder der NPD und andere Rechtsradikale kommentieren dort und versuchen alles darzustellen, als gäbe es sie nicht. Nur die allerdümmsten Nazi-Schläger haben noch nicht begriffen, daß Tarnung ihre beste Waffe ist.

Wir heucheln immer Mitleid und Verständnis. Wir sind immer betroffen, wenn etwas passiert. Dominik Brunner, der in der münchener S-Bahn starb als er gegen die Ungerechtigkeit aufstand oder auch Robert Enke, der uns gezeigt hat, dass alle Menschen verwundbar sein können – und allein. Immer trauern wir, aber warum? Trauern, weil wir mit den Opfern leiden oder weil unser Gewissen uns ermahnt, dass wir nichts getan haben?

Tut etwas. Macht den HAZ-Artikel bekannt, kommentiert. Nutzt Facebook, StudiVZ und Twitter. Seht nicht weg, selbst wenn ihr nicht in Hannover wohnt. Misburg ist kein Einzelfall,überall sitzen Neonazis in den Kneipen, bei Fußballspielen und in Schützenvereinen. Laßt ihnen keinen Raum.

.: Bullet for my Valentine – Waking the Demon :.

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